Familienunternehmen: US-Zölle kosten B. Braun 40 Millionen Euro

Trumps Zölle haben das Medizintechnologieunternehmen B. Braun im vergangenen Jahr gleich doppelt belastet. So schlug neben dem Zoll von 15 Prozent auf Medizinprodukte auch der 50-Prozent-Zoll auf Stahl und Aluminium mit insgesamt 40 Millionen Euro deutlich zu Buche. Besonders betroffen ist das Tochterunternehmen Aesculap, das chirurgische Instrumente fertigt.

Konzernchefin Anna Maria Braun, die das Familienunternehmen in sechster Generation führt, rechnet auch in diesem Jahr damit, dass der doppelte Zoll-Effekt andauern wird. Ob nach dem Urteil des obersten US-Gerichts, dass Trumps Zollpolitik für verfassungswidrig erklärte, die Chance auf Rückzahlung besteht, prüften sie derzeit, hieß es auf der jährlichen Pressekonferenz. Die Vorstandsvorsitzende schloss weitere neue Zölle nicht aus.

Wachstum in allen Sparten

Trotzdem steigerte B. Braun seinen Umsatz im Jahr 2025 um 2,8 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro. Der Gewinn wuchs auf 307 Millionen Euro – nach 165 Millionen im Vorjahr. Zu dem Ansprung kam es, da Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten in den USA wegfielen. Am stärksten entwickelte sich die Region Asien-Pazifik mit einem Wachstum von rund acht Prozent, an zweiter Stelle Osteuropa. In den USA machte sich der schwache Dollar bemerkbar, der Markt wuchs mit 3,7 Prozent, aber ähnlichen wie in Deutschland.

Von den drei Geschäftseinheiten, neben Aesculap die Dialyse-Sparte Avitum und Hospital Care, entwickelte sich vor allem letztere sehr positiv. Über Hospital Care versorgt B. Braun Krankenhäuser mit medizinischen Geräten wie Infusionssystemen, Kanülen und anderen Verbrauchsprodukten zur Wundversorgung. Braun erklärte, dass Produktionsprozesse optimiert würden, auch durch „gezielte“ Preiserhöhungen seien Gewinne gestiegen.

Neues Werk in Tuttlingen dank Einigung mit Betriebsräten

Trotz der angespannten Wirtschaftslage hat das Familienunternehmen im vergangenen Jahr 1,4 Milliarden Euro investiert. In den USA übernahm B. Braun etwa das auf 3D-Mikroskopie spezialisierte Unternehmen True Digital Surgery und baute Dialysezentren in Osteuropa aus. Am südhessischen Standort Melsungen wurde außerdem ein hoch automatisiertes Werk eröffnet, wo Einmalartikel der Infusionstherapie hergestellt werden. Am zweiten Standort Tuttlingen in Baden-Württemberg startete Ende 2025 zudem der Bau einer neuen Vorfertigungsfabrik für chirurgische Produkte – allerdings nicht ohne Bedingungen. Im Vorfeld musste den Betriebsräten der Erhalt der Arbeitsplätze vertraglich zugesichert werden.

„Solche Investitionen waren wirklich nur möglich, weil wir unseren Standortsicherungsvertrag haben, wo die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusätzliche unentgeltliche Stunden leisten“, betonte Braun. Sie ging auch auf die Herausforderungen durch hohe Energiekosten und steigender Lohnnebenkosten ein und stellte Erwartungen an die Bundesregierung. Werde es nun nicht zu Strukturreformen und einer „echten Entlastung“ für die Unternehmen kommen, werde es für B. Braun zunehmend schwieriger, diese Nachteile zu kompensieren. „Deshalb ist es wirklich wichtig, dass die Regierung sich hier überlegt, wie sie bessere Rahmenbedingungen schaffen kann.“

In das laufende Jahr geht die Familienunternehmerin trotzdem zuversichtlich und strebt ein Wachstum zu konstanten Wechselkursen zwischen fünf und sieben Prozent an. Im vergangenen Jahr hatte B. Braun knapp in dieser Spanne gelegen. Auch sollen 600 bis 800 Millionen Euro investiert werden. „Allerdings müssen wir jetzt mit der Entwicklung im Irankrieg immer wieder prüfen, was möglich ist“, schränkte Braun ein. Bisher wirke sich der Nahostkonflikt durch Teuerungen von Rohstoffen wie Granulaten aus, die an den Ölpreis gekoppelt seien. Auch die Frachtkosten stiegen. Ob das Medizintechnikunternehmen auch durch Kriege, etwa bei der Versorgung Verwundeter, profitieren würde, verneinte Braun entschieden: „Krieg und Konflikt ist für uns nie ein besseres Geschäft.“