Fall Collien Fernandes – Strafverfolgung zwischen digitaler Gewalt soll erleichtert werden

Collien Fernandez

Stand: 20.03.2026 • 10:34 Uhr

Die Schauspielerin Collien Fernandes hat schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben. Er habe pornografische Fakes über sie erstellt. Sie erhält viel Zuspruch – auch aus der Politik. Die Justizministerin spricht sich für härtere Strafen aus.

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig will Strafbarkeitslücken im Fall von digitaler Gewalt schließen. „Wir wollen dafür sorgen, dass sich Täter nicht mehr sicher fühlen können, sondern dass sie damit rechnen müssen, dass sie bekannt und wirksam strafrechtlich verfolgt werden“, sagte Hubig den Sendern RTL und ntv.

Die Ministerin wollte sich nicht zu Einzelfällen äußern, betonte aber, sie wolle sich darum kümmern, „dass zum Beispiel das Herstellen und Verbreiten von pornografischen Deepfakes unter Strafe gestellt wird, damit wir da eine klare Gesetzeslage haben.“

„Mir wurde über Jahre mein Körper geklaut“

Der Spiegel hatte zuvor über Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen berichtet. Der Moderator und Schauspieler soll jahrelang im Internet Fakeprofile seiner Frau erstellt und Deepfake-Pornos verbreitet haben.

Ende 2025 erstattete Fernandes Anzeige in Spanien, wo das Paar zuletzt gelebt hatte. Die Vorwürfe umfassen demnach unter anderem Identitätsmissbrauch, Beleidigung, Bedrohung und körperliche Gewalt innerhalb der Beziehung. Der Spiegel zitiert Fernandes mit den Worten: „Mir wurde über Jahre mein Körper geklaut“. Fernandes spricht auch auf ihrem Instagram-Profil über den Fall.

Das zuständige Gericht hat dem Spiegel-Bericht zufolge Vorermittlungen eingeleitet. Ob Anklage erhoben oder das Verfahren eingestellt werde, sei noch offen. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt sagte auf Nachfrage des WDR, dass die Spiegel-Berichterstattung aus mehreren Gründen rechtswidrig sei.

Zuspruch für Fernandes von vielen Seiten

Fernandes engagiert sich bereits seit Jahren gegen Deepfake-Pornografie, also mit KI erstellten pornografischen Bildern und Videos. Die Zahl der im Internet kursierenden Deepfakes ist nach Schätzung von Experten in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. Es gebe Hunderttausende Opfer.

Für die Veröffentlichung ihrer Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann erhält Fernandes prominenten Zuspruch. Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sagte der Bild-Zeitung, die Berichte über Fernandes machten ihn betroffen. „Gegen solche Straf- und Schandtaten müssen wir mit aller Härte vorgehen“, forderte er.

„Danke für deinen Mut“, schrieb die Grünenpolitikerin Ricarda Lang auf Instagram. „Du machst darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, dass wir digitale Gewalt endlich ernst nehmen und die Gesetzeslücken, die Frauen schutzlos zurücklassen, schließen.“

„Die Scham muss die Seite wechseln“, kommentierte die Komikerin Carolin Kebekus. Und auch der ehemalige SPD-Politiker Kevin Kühnert zieht eine Parallele zum Fall Gisèle Pelicot in Frankreich. „Es sind diese Taten, die beweisen, dass der Satz ‚Die Scham muss die Seiten wechseln‘ nicht in irgendwelche Sprüchekalender gehört, sondern in unser Bewusstsein.“

Speicherung von IP-Adressen

Justizministerin Hubig will mit einem Gesetzentwurf eine dreimonatige IP-Adressenspeicherung erreichen. Sie soll nach Übergriffen bei der Aufarbeitung helfen. Wenn es einen starken Anfangsverdacht gebe und die Voraussetzungen gegeben seien, könnten die Polizei oder die Staatsanwaltschaft auch den Computer der beschuldigten Person durchsuchen, sagte Hubig.

Grundsätzlich gelte für die Aufklärung von digitaler Gewalt: Je mehr Ermittlerinnen und Ermittler, desto besser. Dafür habe sie den Ländern mit dem „Pakt für den Rechtsstaat“ Unterstützung in Höhe von knapp einer halben Milliarde Euro angeboten. Das solle auch zu mehr Personal bei den Staatsanwaltschaften führen.

„Andere Länder sind da weiter“

Die Präsidentin der UN-Generalversammlung, Annalena Baerbock, kritisierte den derzeitigen Schutz vor digitaler Gewalt in Deutschland als unzureichend. „Andere Länder sind da weiter“, sagte die ehemalige Außenministerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Irland zum Beispiel habe eine Kommission eingerichtet, die bei sogenannten Deepfakes sofort reagiere.

Sie habe selbst unterschiedliche Formen sexualisierter Gewalt und Fake News auf Social Media erlebt, so Baerbock. „Wenn Plattformen nicht sofort reagieren, bleibt es für immer. Und es trifft eben alles andere als nur prominentere Frauen“. Mehr als 60 Prozent der Frauen und Mädchen in Deutschland erlebten digitale Gewalt.

Source: tagesschau.de