Faktencheck: Diese sieben Kriege will Trump beigelegt nach sich ziehen

Nicht zum ersten Mal hat sich Donald Trump vor der UN-Generalversammlung gebrüstet, in diesem Jahr binnen sieben Monaten schon „sieben unendliche Kriege“ beendet zu haben. „Man sagte, sie seien nicht zu beenden. Dass sie unlösbar sind. Manche, zwei davon, liefen schon 31 Jahre – stellen Sie sich das vor, 31 Jahre! Einer seit 36 Jahren. Einer seit 28 Jahren. Ich habe sieben Kriege beendet. Und in allen Fällen tobten sie mit unzähligen Tausenden getöteten Menschen.“

Trump hob hervor, dass nie zuvor „ein Präsident oder ein Ministerpräsident oder ein anderes Land auch nur annähernd etwas Vergleichbares geschafft“ habe. Es sei ihm eine Ehre gewesen, versicherte er, und ging dann zu heftiger Kritik an den Vereinten Nationen über, die ihn nicht einmal angerufen hätten, um Hilfe anzubieten. „Ich habe seinerzeit gar nicht darüber nachgedacht, weil ich zu beschäftigt damit war, Millionen von Menschenleben zu retten, indem ich die Kriege stoppe, aber später wurde mir klar, dass die Vereinten Nationen nicht für uns da waren“, sagte Trump.

Trump lieferte diesmal auch eine Liste der sieben Kriege, die er seit Januar beendet haben will. Worauf bezieht er sich?

Kambodscha – Thailand

Der Grenzkonflikt zwischen Kambodscha und Thailand wird dadurch verschärft, dass sich in dem umstrittenen Gebiet mehrere historische Tempelanlagen befinden. Nachdem schon im Mai ein kambodschanischer Soldat nach einem Schusswechsel an der Grenze getötet worden war, kamen dort im Juli Artilleriegeschosse, Raketen und Kampfflugzeuge zum Einsatz. Dutzende kamen ums Leben, ein Kleinsupermarkt, Tankstellen und Krankenhäuser wurden zerstört, Hunderttausende flohen aus ihren Häusern.

Danken Trump: Buddhistische Mönche im August 2025 in Phnom Penh
Danken Trump: Buddhistische Mönche im August 2025 in Phnom PenhReuters

Bevor sie Ende Juli den Waffenstillstand vereinbarten, hatte Trump mit den Regierungschefs der beiden Länder telefoniert. Seinen eigenen Angaben nach setzte er dabei die Zollverhandlungen mit den beiden Ländern als Druckmittel ein. Kambodschas Ministerpräsident Hun Manet hatte Trump danach für den Friedensnobelpreis nominiert. Aber auch Malaysia hatte eine wichtige Vermittlerrolle eingenommen. (fäh.)

Serbien – Kosovo

Im Juni dieses Jahres erfuhren die Menschen in Serbien und im Kosovo, dass Donald Trump im Alleingang einen Krieg zwischen ihnen verhindert hatte. Auf einer Pressekonferenz im Oval Office teilte er mit, „ein Freund in Serbien“ habe ihn gewarnt, dass die beiden Staaten kurz vor dem Beginn neuerlicher Kämpfe stünden. Serbien sei kurz davor gewesen, „mit einer Gruppe Krieg zu führen. Ich werde sie nicht nennen, denn es ist nicht passiert – es ist uns gelungen, das zu stoppen.“ Und zwar durch die Drohung, dass die USA den Handel mit beiden Ländern einstellen werden: „Wir haben es wegen des Handels gestoppt. Sie wollen mit den Vereinigten Staaten handeln. Ich habe ihnen gesagt: Wir handeln nicht mit Leuten, die Krieg führen.“ Hätte er nicht interveniert, wäre es „ein großer Krieg geworden“, meinte Trump.

„Kosovo ist Serbien“ steht auf einem Graffito, das den russischen Staatschef Putin und US-Präsident Trump in Belgrad zeigt
„Kosovo ist Serbien“ steht auf einem Graffito, das den russischen Staatschef Putin und US-Präsident Trump in Belgrad zeigtAP

Auch nach dem NATO-Gipfel in Den Haag stellte sich Trump als balkanischen Friedensfürsten dar, der ein neuerliches Aufflammen der Kämpfe zwischen Serbien und dem Kosovo verhindert habe. Der potentielle Urheber soll demnach Belgrad gewesen sein: „Wir haben es auch mit Serbien beendet, das kurz davor war, einen Zusammenstoß zu beginnen.“ (tens.)

Kongo – Ruanda

Die Außenminister Kongos, Ruandas und der USA an einem Tisch: Das Treffen Ende Juni im Weißen Haus hatte Symbolkraft. Seit 31 Jahren tobt der Konflikt im Herzen Afrikas, unzählige Friedensbemühungen scheiterten, tief verfeindet sind beide Seiten. Beendet ist der Konflikt durch den Federstrich der Minister nicht. Die angeblich von Ruanda unterstützten M23-Rebellen, die an den Gesprächen nicht beteiligt waren, zeigen bisher keinen Willen, aus den besetzten Gebieten in Ostkongo abzuziehen, obwohl im Friedensabkommen „Respekt vor territorialer Integrität und staatlicher Autorität“ vereinbart wurde. Kürzlich kam es zu abermaligen Kämpfen zwischen den M23 und kongolesischen Streitkräften.

Wo bleiben die Präsidenten? Bisher gibt es nur ein Bild Trumps mit dem ruandischen Außenminister Olivier Nduhungirehe und der Außenministerin Kongos, Therese Kayikwamba Wagner
Wo bleiben die Präsidenten? Bisher gibt es nur ein Bild Trumps mit dem ruandischen Außenminister Olivier Nduhungirehe und der Außenministerin Kongos, Therese Kayikwamba WagnerReuters

Auch ein Abzug ruandischer Truppen, der auf Ruandas Betreiben hin als „Ende defensiver Maßnahmen“ bezeichnet wurde, zeichnet sich nicht ab. Am Rande der UN-Vollversammlung warf Kongos Präsident Félix Tshisekedi Ruanda „Manöver“ vor, um „Zeit zu schinden“. Die Lage sei nicht ermutigend, „die Dinge sind nicht wirklich in Bewegung“. Auf ein symbolträchtiges Bild der beiden afrikanischen Staatspräsidenten mit Trump in der Mitte wartet man bis heute. (clb.)

Pakistan– Indien

Infolge eines Terroranschlags im indisch verwalteten Teil Kaschmirs hatte Indien im Mai Flugabwehrsysteme und mutmaßliche Terrorinfrastruktur in Pakistan angegriffen. Es folgten tagelange Gefechte entlang der umstrittenen Grenze, bei denen Raketensysteme, Drohnen und Kampfflugzeuge zum Einsatz kamen; Dutzende Soldaten und Zivilisten wurden getötet.

Feiern in Pakistan: Menschen Hyderabad schwenken pakistanische Flaggen nach der Verkündung einer Waffenruhe mit Indien
Feiern in Pakistan: Menschen Hyderabad schwenken pakistanische Flaggen nach der Verkündung einer Waffenruhe mit IndienAFP

Die Waffenruhe zwischen den beiden Ländern hatte Donald Trump als Erster verkündet. Indien wies Trumps Behauptung, das Ende der Kämpfe herbeigeführt zu haben, wiederholt zurück. Neu Delhi besteht darauf, dass es in direkten Verhandlungen erreicht wurde. Während die indisch-amerikanischen Beziehungen infolge des Zollstreits seither einen Tiefpunkt erreicht haben, konnte Pakistan seine Beziehungen zu den USA stark verbessern. Auch Islamabad hat Trump für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. (fäh.)

Israel – Iran

In der Nacht zum 13. Juni griffen israelische Kampfflugzeuge militärische Einrichtungen in Iran an, während ranghohe Generäle und Atomwissenschaftler gezielt getötet wurden. Der später von Trump sogenannte Zwölftagekrieg wäre nicht möglich gewesen, hätte sich Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nicht durch Trump ermächtigt gefühlt. Später griffen die USA sogar selbst militärisch ein, als sie iranische Atomanlagen bombardierten.

Griff aktiv in den Israel-Iran-Krieg ein: Das US-Militär bombardierte im Juni mehrere iranische Atomanlagen
Griff aktiv in den Israel-Iran-Krieg ein: Das US-Militär bombardierte im Juni mehrere iranische AtomanlagenAFP

Einen Tag später, nach einem angekündigten Gegenschlag Irans auf die amerikanische Militärbasis in Qatar, verkündete Trump, eine Waffenruhe sei vereinbart worden. Sie wäre beinahe sofort wieder zusammengebrochen, nachdem Iran offenbar noch nach der vereinbarten Uhrzeit Raketen abgefeuert hatte. Aber durch Einträge auf seiner Plattform Truth Social gelang es Trump, Israel dazu zu bewegen, eine neue Angriffswelle abzubrechen. „Werft diese Bomben nicht ab“, schrieb er, „bringt eure Piloten nach Hause.“ Israel attackierte daraufhin lediglich eine Radaranlage. Der Konflikt um Irans Atomprogramm ist aber weiter ungelöst. (cmei.)

Ägypten – Äthiopien

Der letzte bekannte Krieg zwischen Ägypten und Äthiopien endete im Jahr 1876. Damals ging es indessen unter anderem um einen Konflikt, auf den jetzt auch Trump angespielt haben dürfte: den Kampf darum, wer den Nil und sein Wasser kontrolliert. Anfang September weihte Äthiopien die GERD-Talsperre ein. Das Megaprojekt ist vor allem Ägypten von Beginn an ein Dorn im Auge gewesen: Das Land ist stark vom Nilwasser abhängig, und Äthiopien kontrolliert nun die Menge, die über den Blauen Nil nach Sudan und Ägypten fließt.

Konflikt ums Wasser: Äthiopische Soldaten bei der Einweihung von GERD
Konflikt ums Wasser: Äthiopische Soldaten bei der Einweihung von GERDAFP

Während der fünfzehnjährigen Bauzeit kamen immer wieder aggressive Warnungen und Drohungen aus Kairo. Zugleich versuchte die ägyptische Regierung, sich regional und international Unterstützung für ihre Position zu sichern – und gewann unter anderem Trump als Fürsprecher. Er setzte in seiner ersten Amtszeit sogar Wirtschaftshilfen an Äthiopien aus. Der Konflikt blieb aber ungelöst. Im Juli 2025 beteuerte Trump, die USA arbeiteten daran, den Streit beizulegen. (cmei.)

Armenien – Aserbaidschan

Formal herrscht noch kein Frieden zwischen Armenien und Aserbaidschan. Am 8. August unterzeichneten Ministerpräsident Nikol Paschinjan, Präsident Ilham Alijew und Trump als „Zeuge“ im Weißen Haus nur eine Erklärung, die das im März von Eriwan und Baku ausgehandelte Friedensabkommen „initiiert“. Der Entwurf lässt Streitpunkte aus, so die von Baku, dem Sieger der Kriege um Nagornyj Karabach von 2020 und 2023, angestrebte Landverbindung durch Südarmenien in die Exklave Nachitschewan. Die 2020 vereinbarte russische Kontrolle darüber wollten Alijew und Paschinjan nicht mehr, sich zudem mit Trump gut stellen – jetzt soll es eine „Trump Route for International Peace and Prosperity“ werden.

Schütteln Hände im Weißen Haus: Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew und Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan
Schütteln Hände im Weißen Haus: Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew und Armeniens Regierungschef Nikol PaschinjanReuters

Hürden bleiben. So fordert Alijew, die armenische Verfassung zu ändern, nichts soll an Karabach erinnern. Paschinjan will ein Referendum dazu, aber erst Wahlen im Juni gewinnen – gegen mächtige Gegner. (frs.)

Source: faz.net