F.A.Z. exklusiv: Kritik an Iran-Verbindung jener Hilton-Hotels

Nach der Enthüllung über das große europäische Immobilienvermögen des iranischen, regimenahen Bankers Ali Aliakbar Ansari, zu dem auch zwei Frankfurter Hilton -Hotels gehören, hat sich Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori zu Wort gemeldet und strengere Kontrollen gefordert. Ansari steht in Großbritannien unter Sanktionen. Ihm wird vorgeworfen, die Islamischen Revolutionsgarden finanziert zu haben. „Zu Vorwürfen gegen Einzelpersonen möchte ich mich nicht äußern. In der Europäischen Union muss jedoch massiv und konsequent gegen Praktiken der Geldwäsche und Terrorfinanzierung des iranischen Mullah-Regimes vorgegangen werden“, sagte Mansoori, dessen Eltern aus Iran stammen, der F.A.Z.
Europa dürfe religiösen Diktaturen wie dem Iran „nicht die Möglichkeit geben, Vermögen beiseitezuschaffen oder Gelder zu waschen, die für Repression, Folter und sogar die Tötung von Menschen eingesetzt werden“, sagte der SPD-Politiker. Vermögenswerte müssten identifiziert und eingefroren werden, forderte er. Zudem müssten die Islamischen Revolutionsgarden als terroristische Organisation eingestuft werden.
Wie berichtet besitzt der iranische Geschäftsmann Ansari in Europa ein Immobilienvermögen im Wert von etwa 400 Millionen Euro, das er über eine karibische Offshore-Firma und Tochtergesellschaften hält. Eine entsprechende Recherche der Zeitung „Financial Times“ vom Montag löste ein internationales Medienecho aus.
Ansaris Familie zählt in Iran zu den reichsten Familien
Die britische Regierung hat Ansari Ende Oktober unter Sanktionen gestellt und dies mit seiner Beziehung zu den Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) begründet. London nannte Ansari, den Gründer der Ayandeh-Bank in Teheran, einen „korrupten Banker“ und warf ihm vor, er habe Aktivitäten der Revolutionsgarden finanziell gefördert und ermöglicht. Sein Immobilienvermögen in Großbritannien im Wert von etwa 150 Millionen Pfund ist seitdem eingefroren.
Der Anwalt des beschuldigten Geschäftsmanns, Roger Gherson, weist die Vorwürfe jetzt zurück. Er sagte der „Financial Times“: „Unser Mandant bestreitet entschieden, jemals finanzielle Beziehungen zur Islamischen Revolutionsgarde im Iran unterhalten zu haben.“ Ansari beabsichtige, die Entscheidung der britischen Regierung, Sanktionen gegen ihn zu verhängen, anzufechten. Angesichts der zu erwartenden Rechtsstreitigkeiten gebe er keinen weiteren Kommentar ab.
Ansaris Familie zählt in Iran zu den reichsten Familien und gilt seit Jahrzehnten als regimenah. Sie soll enge Verbindungen zum Ex-Präsidenten Ahmadinedschad unterhalten. Auch zum Clan von Ajatollah Ali Khamenei gibt es Beziehungen. Die von Ali Ansari gegründete Bank Ayandeh ging 2025 nach Milliardenverlusten spektakulär in Insolvenz.
Zu seinen Immobilien gehören in Deutschland das Hilton-Hotel Frankfurt City Centre, das Hilton Frankfurt Gravenbruch und das Bero Einkaufszentrum in Oberhausen. Außerdem gehört ihm auf Mallorca das Steigenberger Golfhotel Camp de Mar sowie ein Ski-Hotel im österreichischen Kitzbühel.
Unter dem Markennamen Hilton existieren 615 Hotels in 90 Ländern
Der Hilton-Konzern nahm trotz mehrfacher Anfragen der F.A.Z. an die Europazentrale in London nicht Stellung zu den Berichten über die Verbindung mit Ansaris Unternehmen und dem daraus resultierenden Reputationsrisiko. Hilton Worldwide betreibt unter verschiedenen Markennamen mehr als 9000 Hotels, die meisten davon in den USA. Das an der New Yorker Börse notierte Unternehmen machte 2024 mehr als elf Milliarden Dollar Umsatz.
Unter dem Markennamen Hilton existieren 615 Hotels in 90 Ländern. Ein Teil dieser Häuser wird von Franchisenehmern betrieben. Die rechtlich selbständigen Unternehmer betreiben die Hotels unter dem Markennamen Hilton. Dazu gehört auch das Hilton Frankfurt City Center und das Hilton Frankfurt Gravenbruch in Neu-Isenburg.
Im Frankfurter Hilton-Hotel nahe der Alten Oper zeigten sich Mitarbeiter am Dienstag überrascht über die Medienberichte, wonach das Hotel dem iranischen Banker Ansari gehört. „Wir haben das eben auch erst gelesen“, sagte ein Mitarbeiter an der Rezeption. Die Fragen nach dem Eigentümer wolle er ans Management weiterleiten. Dieses Management äußerte sich auf Anfrage der F.A.Z. nicht. Das Hotel mit Blick auf die Frankfurter Skyline verfügt über rund 350 Zimmer. Eine Übernachtung in der Penthouse-Suite kostet mehr als 1100 Euro.
Ali Ansari hält sein europäisches Immobilienvermögen über die Offshore-Firma Smart Global im Karibik-Inselstaat St. Kitts and Nevis. Das Frankfurter Hilton-Hotel hängt an einem komplizierten Geflecht von Firmen, zwischengelagert sind Holdings in Luxemburg und den Niederlanden. Den Wert des Frankfurter Hotels haben sie laut „FT“-Angaben mit etwa 80 Millionen Euro bilanziert. Der iranische Banker, der auch Pässe aus Zypern und St. Kitts and Nevis besitzt, soll seinen Hauptwohnsitz in Dubai haben.