Expertin zu Rolle im Zusammenhang Iran-Krieg: China bot „Gegenmodell“ zu umstrittenen US-Handlungen

Expertin zu Rolle bei Iran-KriegChina bot „Gegenmodell“ zu umstrittenen US-Handlungen

08.04.2026, 17:29 Uhr

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Zhai Jun ist seit 2019 Sondergesandter Chinas für den Nahen Osten. (Foto: picture alliance/dpa)

Kurz vor dem Ablauf des US-Ultimatums einigen sich Washington und Teheran doch noch auf eine Waffenruhe. Dabei soll auch China mitgeholfen haben. Was Pekings Interessen sind, erklärt eine Expertin.

China-Expertin Eva Seiwert sieht Pekings Auftreten im Iran-Krieg als Gegenentwurf zu den USA. US-Präsident Donald Trump hatte angedeutet, dass Teheran möglicherweise von China zu der zweiwöchigen Waffenruhe gedrängt worden sei. „Wenn das zutrifft, wäre es ein bedeutender diplomatischer Erfolg für Peking“, teilte Seiwert auf ntv.de-Anfrage mit. Die Analystin forscht am Mercator Institut für Chinastudien (Merics) zu chinesischer Außen- und Sicherheitspolitik.

Expertin Seiwert hebt die Vorteile von Pekings Strategie hervor: „Gerade ein diskretes Vorgehen im Hintergrund ließe sich positiv deuten – als Gegenmodell zu den offensiven und völkerrechtlich umstrittenen Handlungen der USA, China als Friedensstifter im Hintergrund“, sagte sie. „Zugleich reduziert ein solches Vorgehen das Risiko von Gesichtsverlust im Falle eines Scheiterns.“

Der Iran und die USA hatten erst in der Nacht kurz vor dem Ablaufen von Trumps Ultimatum eine zweiwöchige Waffenruhe beschlossen. Die Feuerpause wurde mithilfe der Vermittlung von Pakistan erreicht, auch China soll mitgewirkt haben. Die Vereinbarung sieht vor, dass Teheran und Washington in den kommenden beiden Wochen an einem Friedensabkommen arbeiten. Grundlage dessen ist ein Zehn-Punkte-Plan des Irans, der unter anderem Vorschläge zur Straße von Hormus beinhaltet.

„Verlässlichkeit der gesamten Region entscheidend“

Der Expertin zufolge war Peking bereits lange in der Diplomatie rund um den Krieg zwischen den USA und dem Iran involviert. „China agierte vor allem im Hintergrund“, erklärte Seiwert. Die Volksrepublik habe offenbar schon früh Druck auf Teheran ausgeübt: „Außenminister Wang Yi führte zahlreiche Gespräche mit den Konfliktparteien und regionalen Akteuren, insbesondere im Golf. Zudem entsandte Peking seinen Sondergesandten in die Region, allerdings ohne sichtbare öffentliche Ergebnisse.“ Berichten zufolge führte Wang Yi mehr als 26 Telefonate.

Zuletzt habe China seine Anstrengungen dann mit Pakistan als Vermittler koordiniert. Bereits Ende März sei dabei ein Fünf-Punkte-Plan entstanden. Diesen hatte der Iran als Reaktion auf einen US-Vorschlag zum Kriegsende an Washington übermittelt. Daraus ist aber nichts geworden. „Öffentlich stand China nicht im Vordergrund, war aber scheinbar hinter den Kulissen aktiv“, so die Merics-Analystin.

Die Mitwirkung Chinas in dem Krieg ist nicht ganz uneigennützig, wie die Expertin erklärt. „Zentral ist im Kontext des Krieges die Sicherung stabiler Energie- und Handelsströme, insbesondere durch die Straße von Hormus. Auch wenn Lieferungen aus Iran offenbar weiterliefen, ist für Peking die Verlässlichkeit der gesamten Region entscheidend“, sagte Seiwert. China kauft dem Iran viel Öl ab und unterstützt das von Sanktionen betroffene Land bereits seit Jahren.

Aber nicht nur das: Der Krieg hat die gesamte Golfregion ins Chaos gestürzt – sehr zum Unmut Pekings. Auch deshalb wirkte China mit. Siewert: „Dazu kommt der Schutz eigener Investitionen, vor allem in den Golfstaaten. Insgesamt priorisiert China Planbarkeit und Stabilität, die durch den Konflikt untergraben werden.“

Quelle: ntv.de, ses/are

Source: n-tv.de