Expertenversammlung: Modschtaba Khamenei zum Obersten Lotse Irans ernannt

Modschtaba Khamenei ist der neue Oberste Führer Irans. Der Sohn des zu Beginn des Krieges durch einen israelisch-amerikanischen Angriff getöteten Ali Khamenei wurde von der Expertenversammlung gewählt. Das berichtete die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna unter Berufung auf das zuständige Wahlgremium.

Der 56 Jahre alte Modschtaba Khamenei galt als Wunschkandidat der Revolutionsgarde, zu der er seit vielen Jahren enge Verbindungen pflegt. Seine Machtübernahme symbolisiert Kontinuität in einer Phase, in der die Islamische Republik um ihr Überleben kämpft. Über Modschtaba Khameneis ideologische Ausrichtung ist wenig bekannt. Insofern ist es schwer zu beurteilen, unter welchen Bedingungen er bereit sein könnte, mit den Amerikanern einen Waffenstillstand auszuhandeln.

Das Regime könnte versuchen, ihn wegen seines relativ jungen Alters als Symbol eines Neuanfangs darzustellen, um ihm in der Bevölkerung Legitimität zu verschaffen. Manche ziehen schon Vergleiche zum saudischen Kronprinzen Muhammad Bin Salman. Doch Modschtaba Khamenei wird in der Bevölkerung mit schweren Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht.

Er könnte nun zum Ziel neuer Angriffe werden

Seit Jahren soll er im Büro des Obersten Führers, das mehr als 4000 Mitarbeiter hat, eine zentrale Rolle gespielt haben. Es heißt, de facto habe er längst Teile der Aufgaben seines Vaters übernommen. Doch er agierte im Hintergrund und äußerte sich selten in der Öffentlichkeit.

Durch die Ernennung mitten im Krieg geht Modschtaba Khamenei ein erhebliches Risiko ein, selbst zum Ziel amerikanischer oder israelischer Luftangriffe zu werden. Israel hat bereits mehrfach angekündigt, dass es den neuen Obersten Führer als Ziel ansieht. Verteidigungsminister Israel Katz bekräftigte das am vergangenen Mittwoch: „Jeder Anführer, der vom iranischen Terrorregime ausgewählt wurde, um den Plan zur Zerstörung Israels weiter anzuführen, die USA, die freie Welt und die Länder in der Region zu bedrohen sowie das iranische Volk zu unterdrücken, wird mit Sicherheit zu einem zur Tötung freigegebenen Ziel, egal wie er heißt oder wo er sich versteckt.“

Israel hat in der vergangenen Woche auch das Gebäude der für die Wahl zuständigen Expertenversammlung angegriffen. Dass das Gremium aus 88 Geistlichen diese Entscheidung nun trotzdem getroffen hat, könnte bedeuten, dass man Machtkämpfe im Innern des Apparats vermeiden wollte.

Auch seine Frau wurde getötet

Mindestens zwei weitere Kandidaten waren offenbar von verschiedenen Machtnetzwerken in Stellung gebracht worden: der Kleriker Alireza Arafi und der Sohn des ersten Revolutionsführers, Hassan Khomeini. Zudem musste Modschtaba Khamenei fürchten, dass der Sicherheitsratschef Ali Laridschani das Machtvakuum nutzt, um seine Position zu festigen.

Nach der Tötung des Obersten Führers Ali Khamenei hatte es zunächst Gerüchte gegeben, dass auch dessen Sohn Modschtaba unter den Toten sei. Später wurde spekuliert, er befinde sich im Krankenhaus und seine Konkurrenten würden versuchen, seine Abwesenheit zu nutzen.

Am Dienstag dann meldete die Nachrichtenagentur Mehr, die von der Revolutionsgarde kontrolliert wird, Modschtaba Khamenei sei „bei voller Gesundheit“. Er kümmere sich um „wichtige nationale Angelegenheiten“ und die Trauerzeremonien seiner Familie. Neben seinem Vater waren auch seine Mutter und seine Frau getötet worden.

Hat Modschtaba Khamenei Reformen blockiert?

Es wird davon ausgegangen, dass der 86 Jahre alte Ali Khamenei bewusst den Märtyrertod suchte, um als standhafter Widerstandskämpfer statt als gescheitertes Staatsoberhaupt in die Geschichte einzugehen. Modschtaba Khameneis Abwesenheit zum Zeitpunkt des Angriffs könnte also eine gezielte Sicherheitsmaßnahme gewesen sein.

In der Bevölkerung wird sein Name mit der blutigen Niederschlagung der Proteste von 2009 assoziiert. Damals hieß es, Modschtaba Khamenei habe die Basidsch-Milizen befehligt, die mit Gewalt gegen Demonstranten vorgingen. Die Opposition warf ihm außerdem vor, die Präsidentenwahl zugunsten des Amtsinhabers Mahmud Ahmadineschad gefälscht zu haben.

Prominente Oppositionelle erklärten später, Modschtaba Khamenei treibe ihre juristische Verfolgung persönlich voran. Ein früherer Chef des Staatsfernsehens schrieb in seinen Memoiren, dass Modschtaba Khamenei schon Ende der Neunzigerjahre daran beteiligt war, die Reformen des Präsidenten Mohammad Khatami zu blockieren.

Berichte über Luxusimmobilien in Frankfurt

Innerhalb des Klerus soll es Bedenken gegen Modschtabas Machtübernahme gegeben haben, weil der Übergang vom Vater zum Sohn die Anmutung einer Dynastie hat. Genau gegen diese Art der Herrschaft, gegen die Königsdynastie der Pahlavis, hatte sich 1979 die Revolution gerichtet. Die Islamische Republik verstand sich als Gegenentwurf dazu.

Aus dem Umfeld des getöteten Obersten Führers Ali Khamenei wurde mehrfach verbreitet, dieser habe sich genau aus diesem Grund gegen seinen Sohn ausgesprochen. Gerüchte, wonach Modschtaba Khamenei die Nachfolge seines Vaters antreten könnte, verdichteten sich dennoch seit 2024, als dieser seine Tätigkeit als islamischer Gelehrter in Qom aufgab.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete im Januar, dass Modschtaba Khamenei über zahlreiche Luxusimmobilien in Frankfurt, London und Dubai verfüge. Sie seien nicht unter seinem Namen registriert. Vielmehr diene ihm der Geschäftsmann Ali Ansari als Strohmann. Ansari hat das bestritten. Der Zeitpunkt der Enthüllung lässt darauf schließen, dass es Kräfte gab, die Modschtaba Khamenei als Nachfolger seines Vaters verhindern wollten.

Source: faz.net