Ex-Prinz Andrew wieder uff freiem Fuß – Trump nennt Festnahme eine „Schande“
Der frühere britische Prinz Andrew wird an seinem Geburtstag von der Polizei festgenommen. Das stürzte den britischen Adel in eine schwere Krise. Elf Stunden später wird er wieder entlassen. Entlastet ist er deswegen nicht.
Der frühere britische Prinz Andrew ist aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden. Die Polizei von Thames Valley teilte am Donnerstagabend mit, dass ein „Mann in seinen Sechzigern“ unter Auflagen wieder freigelassen worden ist.
Die Ermittlungen gegen ihn dauern an, wie die Polizei weiter mitteilte. Das bedeutet, dass zu diesem Zeitpunkt noch keine konkrete Anschuldigung gegen den Bruder von König Charles III. erhoben worden ist, er aber auch nicht entlastet wurde.
Fotos mehrerer Nachrichtenagenturen zeigten den in Ungnade gefallenen Ex-Prinzen, wie er von der Aylsham Polizeistation in der Grafschaft Norfolk in einem Fahrzeug weggefahren wurde.
Nach den neuen Enthüllungen im Epstein-Skandal war der Bruder von König Charles III. am Donnerstag festgenommen worden. Es war sein 66. Geburtstag.
Es gehe um Vorwürfe von mutmaßlichem „Fehlverhalten in Ausübung offizieller Funktionen“, erklärte die Polizei. Die elfstündige Festnahme Andrews stürzte das britische Königshaus in eine in seiner jüngeren Geschichte beispiellose Krise.
Andrew Mountbatten-Windsor, der wegen seiner Verwicklung in den Fall Epstein bereits den Prinzen-Titel abgeben musste, war durch die jüngste Veröffentlichung neuer Akten zu dem weltumspannenden Skandal noch stärker unter Druck geraten.
Die Polizei gab zudem die Durchsuchung von zwei Anwesen in England bekannt. Die BBC berichtete, bei einem davon handele es sich um Andrews ehemaligen Wohnsitz, die Royal Lodge auf dem Gelände von Windsor.
Bei den Ermittlungen geht es um Hinweise, dass Andrew in seiner Zeit als britischer Handelsgesandter möglicherweise vertrauliche Berichte an Epstein weitergab. In einer in den Epstein-Akten enthaltenen E-Mail vom November 2010 hatte Andrew dem US-Investor offenbar nach einer dienstlichen Asien-Reise Berichte über mehrere von ihm besuchte Länder übermittelt.
Der Epstein-Skandal erschüttert das britische Königshaus in seinen Grundfesten. König Charles III. betonte nach der Festnahme seines Bruders, dass die Justiz nun unabhängig ihre Arbeit machen werde. „Nun folgt das faire und ordnungsgemäße Verfahren, in dem diese Angelegenheit von den zuständigen Behörden sachgerecht untersucht wird“, erklärte er in einer seltenen, persönlich unterzeichneten Stellungnahme.
„Wie ich bereits gesagt habe, haben sie dabei unsere volle und uneingeschränkte Unterstützung und Zusammenarbeit“, erklärte der König. „Ich möchte ganz klar sagen: Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen.“ Charles nahm am Donnerstag mehrere öffentliche Termine wahr. Auf die Frage eines Reporters, wie er sich nach der Festnahme seines Bruders fühle, antwortete der König nicht.
Andrews Verhaftung der „schlimmste Alptraum“ für Königsfamilie
Schon seit Jahren ist Andrew zweifelsohne die größte Belastung für die britische Monarchie. Nach Ansicht von Adelsexperten wird es sehr lange dauern, bis sich die Royals von diesem Rückschlag erholen werden. Die Verhaftung von Andrew sei „wahrscheinlich der schlimmste Alptraum“ für die Königsfamilie, sagt etwa die frühere BBC-Korrespondentin Jennie Bond dem Sender Sky. Britischen Medien zufolge soll der Palast nichts über die bevorstehende Festnahme gewusst haben.
Der ehemalige Royals-Reporter der BBC, Peter Hunt, fand ähnliche Worte. „Die Verhaftung des Achten in der britischen Thronfolge ist seismisch. Hochrangige Royals befinden sich nun in unbekannten Gewässern, für die sie schlecht gerüstet sind.“ Auch sie müssen laut Hunt Fragen zu Andrew beantworten „und zur Rechenschaft gezogen werden“ – ein Umstand, der der Familie bisher fremd war.
Auch US-Präsident Donald Trump äußerte sich zur vorübergehenden Festnahme Andrews. Der Vorfall sei „sehr traurig“, sagte Trump an Bord der Air Force One. Es sei „eine Schande“ und „sehr schlecht für die königliche Familie“, sagte Trump zu Reportern.
Trump bekräftigte, er selbst sehe sich durch die Epstein-Akten „vollständig entlastet“. Der Name des Präsidenten taucht in den Akten tausende Male auf. Ein persönliches Fehlverhalten konnte ihm bisher allerdings nicht nachgewiesen werden.
RCT
Source: welt.de