Ex-Bahnvorstand und Banker: Alexander Doll macht jetzt PR

Der frühere Bahn­ vorstand und Investmentbanker Alexander Doll geht eine neue Aufgabe an: Nach F.A.Z.-Informationen gründet er eine kapitalmarktorientierte Kommunikationsberatung – zusammen mit Roland Leithäuser, der momentan noch Partner bei der Beratung Kekst CNC ist. Daneben stehen zwei weitere Partner, wie aus der Gründungsurkunde hervorgeht, die dieser Zeitung vorliegt. Mi­thras Partners heißt die Gesellschaft, mit Sitz in Frankfurt und Dependancen in London und Dubai. Doll und Leithäuser bestätigten die Pläne auf Anfrage.

Sie betreten ein Terrain, auf dem in Deutschland FGS, Brunswick, Kekst CNC, FTI und inzwischen auch die schnell aufgestiegene Gauly dominieren. Gegenstand sind laut Gründungsurkunde „Beratungsdienstleistungen für Unternehmen, Vermögensverwalter, öffentliche Institutionen und Privatpersonen“ und dabei insbesondere „strategische Beratung“. Die Branche hat seit Beginn des Jahrtausends stark an Einfluss gewonnen. Ob Fusionen und Übernahmen oder Machtkämpfe in den Führungsetagen: Oft mischen die Spezialagenturen mit. Wachsende Bedeutung der Kapitalmärkte und schärfere Regulierung begünstigen das Geschäft. Pri­vate-Equity-Gesellschaften lassen sich in Deutschland weit überwiegend durch die Externen vertreten, statt eigenes Personal dafür zu unterhalten.

Finanzinvestoren haben die Branche auch als Anteilseigner entdeckt. KKR stieg in FGS ein, CVC in Teneo, BDT in Brunswick. Bei Gauly kaufte sich die Agenturgruppe Havas ein. Treiber ist ein Trend zur Internationalisierung, weil in der globalisierten Wirtschaft eine rein deutsche Agentur, selbst mit ausländischen Partnergesellschaften, oft nicht mehr als ausreichend gilt.

Mithras im Marienturm

Mithras beginnt offiziell am 1. Januar. Provisorische Büroräume existieren aber schon im Frankfurter „Marienturm“, wie Leute berichten, die in dem Geschäftshochhaus arbeiten. Die Adresse ist auch Sitz der Gesellschaft. Mithras solle eine „schlanke unabhängige Alternative zu den großen Kommunikationsberatungsgruppen“ sein, sagte Leithäuser. Sie solle auch Konflikte vermeiden, etwa dass zwei Kunden auf verschiedenen Seiten derselben Transaktion säßen. „In Angelegenheiten, in denen es um viel geht, neigt der Markt Richtung großer Spieler, die mit Beschäftigten aufgebläht und großenteils nicht mehr unabhängig sind“, heißt es in der Unternehmenspräsentation, mit der Mithras um Kunden wirbt: „In Vorstellungsrunden ködern sie und switchen und sind oft nicht in der Lage zu liefern.“

Kleine bis mittelgroße Agenturen nehmen den Großen einen Teil des Kuchens, in Deutschland zum Beispiel Charles Barker, Newmark und Teneo. Hier dürfte sich Mithras positionieren – mit „Boutiquecharakter“, wie Leithäuser sagt. Wie viele Leute einmal dort arbeiten werden, ist offen. „Vielleicht sind wir irgendwann 50.“ Zwei Leute seien zum Start am 1. Januar in Frankfurt angestellt, und es gebe erste Kunden: ein Unternehmen in der Energiebranche, ein Fintech und einen amerikanischer Finanzinvestor, der auf Kreditfonds spezialisiert ist.

Adressbuch aus Wirtschaft und Politik

In dem dicht besetzten Segment muss ein Neuling viel Transaktionserfahrung und ein gutes Kontaktnetz in Wirtschaft und Politik mitbringen. Unter den Gründungspartnern soll Leithäuser, 46 Jahre alt, die operative Leitung übernehmen, Doll als „Chairman“ mit prall gefülltem Adressbuch wirken: Der 55 Jahre alte Manager ist durch seine Zeit als Güterverkehr- und später Finanzvorstand der Deutschen Bahn bekannt, die er Ende 2019 nach internem Machtkampf nach weniger als zwei Jahren verließ. In erster Linie ist er aber Investmentbanker, arbeitete für UBS und Lazard, für Barclays als Deutschlandchef und Lincoln als Aufsichtsratschef. Dazu kommen Ämter in allerlei Institutionen wie der Deutschen Staatsoper Berlin und der Frankfurt School of Finance. Leithäuser arbeitete vor seiner Zeit bei Kekst CNC für Goldman Sachs und Blackrock. Beide Männer kennen sich aus früheren Transaktionen, zuletzt aus dem Ringen um die Deutsche-Bahn-Tochtergesellschaft Schenker, in dem sie in verschiedenen Rollen den Interessenten und Finanzinvestor CVC berieten.