EU einigt sich: Veggieburger darf weiter Veggieburger heißen

Der Veggieburger darf weiter Veggieburger heißen, Soja-Wurst bleibt Soja-Wurst. Darauf haben sich Unterhändler des Europäischen Parlaments und der Mitgliedstaaten am Donnerstag nach wochenlangem Ringen in Brüssel geeinigt. Die Begriffe „vegetarische Würstchen“ und „vegetarische Schnitzel“ bleiben ebenfalls erlaubt.

Nur Begriffe mit einem klaren Tierbezug wie „Beef“ (Rind), „Pork“ (Schwein)  und „Chicken“ (Hühnchen) sowie für Einzelteile wie Schlegel oder Rinderhüfte dürfen nicht mehr für vegetarische oder vegane Produkte genutzt werden. Das hatte die Europäische Kommission schon im Juli vorgeschlagen. Verboten wird zudem die Nutzung von „Steak“, „Leber“ und „Leberwurst“  für vegetarische Produkte.

„Auch diese Regelung halte ich nicht für unbedingt notwendig“, sagte der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese. Wenn auf einem Produkt etwa „like Chicken“ und gleichzeitig vegetarisch stehe, sollte jeder wissen, was gemeint sei. „Aber ich habe ein gewisses Verständnis dafür, dass man direkte Tiernamen nicht für Produkte nutzen sollte, die nicht vom Tier stammen“, sagte Liese weiter.

Konservative und rechte Fraktionen für Verbot

Das Veggieburger-Verbot hatte die christdemokratische EVP-Fraktion im Oktober eingebracht. Sie nutzte dafür ein Gesetz, in dem es eigentlich um vereinfachte Vorschriften für Landwirte geht. Die Mehrheit der Abgeordneten sprach sich damals dafür aus, dass Begriffe wie „Burger“ oder „Wurst“ nur noch für tierische Lebensmittel verwendet werden dürfen.

Die Ja-Stimmen kamen vor allem aus dem konservativen und rechten Lager, die deutschen Unions-Abgeordneten stimmten mehrheitlich dagegen. Schon damals war allerdings klar, dass damit nicht das letzte Wort gesprochen war. Schließlich brauchte das Gesetz auch die Zustimmung der Mitgliedstaaten, um in Kraft treten zu können. Den meisten von ihnen ging das Veggieburger-Verbot zu weit.

Merz: „Eine Wurst ist eine Wurst“

In Deutschland schlug die Abstimmung im Europaparlament hohe Wellen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) unterstützte die EVP-Linie im Europäischen Parlament. „Eine Wurst ist eine Wurst. Wurst ist nicht vegan“, betonte er schon vor dem Votum. Schon bald aber regte sich aber Widerstand. Mehrere Handelsunternehmen wie die Discounter Aldi Süd und Lidl, die Kette Burger King und Hersteller wie Beyond Meat sprachen sich in einem gemeinsamen Brief gegen das Vorhaben aus. Sie warnten vor den hohen Kosten für die nötige Umbenennung der Produkte.

Auch Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) stellte sich schließlich dagegen. Der hohe Aufwand für die Umstellung auf neue Namen würde „unglaublich hohe Kosten für die Wirtschaft“ verursachen. „Deshalb unterstütze ich diesen Vorschlag nicht“, sagte er Ende Oktober bei einem Treffen der europäischen Agrarminister in Luxemburg.

Veggieburger und Sojaschnitzel fristen Nischendasein

Veggieburger, Sojaschnitzel und andere Fleischersatzprodukte fristen bislang ein Nischendasein. Wertmäßig ist die Produktion von Fleisch immer noch etwa 70-mal größer als die von Ersatzprodukten. Mit Fleisch wurden zuletzt gut 44 Milliarden Euro Umsatz gemacht, mit Alternativen hingegen nur rund 0,75 Milliarden Euro.

Umweltschützer hatten das Votum auch deshalb kritisiert. Anstatt Verbraucher auf dem Weg zu einer klima- und tierfreundlichen, gesünderen Ernährung zu unterstützen, werde „Politik für den industriellen Schweinestall gemacht“, sagte eine Sprecherin von Greenpeace.

Der Veggieburger-Kompromiss muss nun noch vom Europäischen Parlament und Ministerrat offiziell angenommen werden. Das dürfte in diesem Fall aber Formsache sein.

Es war nicht das erste Mal, dass das Europäische Parlament um Begriffe wie den Veggieburger stritt. Schon 2020 hatten sich die Abgeordneten schließlich dafür ausgesprochen, dass Fleisch-Ersatzprodukte weiter Bezeichnungen wie „Steak“ oder „Burger“ tragen dürfen. Bei Milch ist das anders. Der Begriff „Milch“ darf nicht mehr für Getränke verwendet werden, die aus Pflanzen wie Hafer oder Soja gewonnen werden.