Essengehen wird wohl trotz Mehrwertsteuer-Senkung nicht günstiger

Eine Rechnung mit Mehrwertsteuer neben einem vollen Teller in einem Restaurant.

Stand: 19.12.2025 16:12 Uhr

Die Mehrwertsteuer in der Gastronomie wird zum 1. Januar 2026 auf sieben Prozent gesenkt. Bei den Gästen dürfte davon wenig ankommen – denn die Branche muss schon lange Löcher stopfen.

Von Katharina Spreier, WDR

Vor zwei Jahren hat das Jägerschnitzel in Antonios Arabatzis Brauerei 13,95 Euro gekostet – ein fairer Preis, wie er findet. Heute steht es für 15,95 Euro auf der Karte. Zwei Euro Unterschied, das wirkt erstmal nicht bedeutend viel.

Trotzdem erzählt der Gastronom aus Krefeld: Die Leute geben weniger Geld in Gaststätten und Kneipen aus. Seine Gäste bestellen günstigere Gerichte, trinken weniger und gehen früher nach Hause. „Gerade ist ja Weihnachtsfeierzeit, und da merken wir ganz klar, dass die Budgets kleiner sind in diesem Jahr und die Firmen beispielsweise nur noch das Essen bezahlen, nicht aber die Getränke.“

Steuersenkung muss eigene Kosten abfangen

Sein Brauhaus macht deshalb weniger Umsatz, während gleichzeitig die Lebensmittelpreise und Energiekosten in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind. Vor allem letzteres macht ihm zu schaffen, denn durch ein denkmalgeschütztes Gebäude und die hauseigene Brauerei verbraucht sein Betrieb viel Energie.

Dass nun die Mehrwertsteuer auf Speisen im Restaurant von 19 auf sieben Prozent sinken wird, hilft ihm, diese Belastungen zu stemmen. Die Preise an die Gäste weiterzugeben, das sei für ihn und viele Gastronomen, mit denen er sich austauscht, aber schlicht nicht drin.

Branche unter Druck

Eine Studie der Hochschule München zeigt, dass Steuererhöhungen deutlich häufiger an Gäste weitergegeben werden als Steuererleichterungen. Für Anne Furth liegt das auf der Hand. Sie betreibt ebenfalls ein Restaurant in Krefeld und musste seit der Corona-Pandemie viele kreative Lösungen finden, um ihr Personal halten zu können und gleichzeitig ihre Gäste nicht mit zu stark steigenden Preisen zu verprellen.

Nach Corona kam dann die Inflation. Viele Betriebe arbeiten seit Jahren am Limit, erzählt sie, und seien seitdem nur knapp über die Runden gekommen: „Diese Steuersenkung ist wichtig, damit wir wieder stärker werden können. Es werden nicht von heute auf morgen die Preise auf der Speisekarte sinken.“ 

Höherer Mindestlohn treibt die Kosten

Gastronomin Furth ist stolz, die Preise in ihrem Restaurant in den vergangenen Jahren kaum erhöht zu haben, höchstens um 10, 20 oder 30 Cent. Aber trotzdem ist sie der Meinung: „Die Steuererleichterung war längst überfällig, damit wir wieder investieren können und auch höhere Löhne zahlen können, um als Arbeitgeber und Branche attraktiver zu werden.“ Dazu kommt, dass ab 2026 der Mindestlohn von 12,82 Euro auf 13,90 Euro steigt. 

Diese Mehrkosten müssten erstmal erwirtschaftet werden, betont auch der Branchenverband Dehoga. Die Senkung der Mehrwertsteuer für die Branche sei fair: „Die Mehrwertsteuersenkung beseitigt bestehende Wettbewerbsnachteile und sorgt endlich für steuerliche Gleichbehandlung unserer Betriebe, die im harten Wettbewerb mit anderen Essensanbietern wie Lieferdiensten und Lebensmitteleinzelhandel stehen, für die seit jeher nur sieben Prozent Mehrwertsteuer gelten“, so Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges. 

Verbraucherschützer: „Steuergeschenk für Konzerne“

Trotzdem würden von der Steuersenkung nicht nur Gaststätten und Restaurants profitieren, sondern auch große Fast-Food-Ketten: „Während Verbraucher unter hohen Lebensmittelpreisen ächzen, bekommen Fast-Food-Konzerne ein Steuergeschenk“, kritisiert die Verbraucherorganisation foodwatch in einer Pressemitteilung.

Während der Corona-Pandemie war die Mehrwertsteuer auf Speisen in Restaurants und Cafés schon einmal von 19 auf sieben Prozent abgesenkt worden. Wegen des Kriegs in der Ukraine und der daraus entstandenen Inflation verlängerte die Bundesregierung die Regelung bis Ende 2023.

Ab Januar 2024 galt wieder der volle Satz von 19 Prozent. Besser geworden ist die Stimmung unter den Wirten seitdem nicht: Nach einer Dehoga-Umfrage befürchten fast 40 Prozent der Unternehmer in die Verlustzone zu rutschen. Deswegen dürften die Preise für Steak, Pizza und Co. durch die Steuersenkung bestenfalls stabil bleiben, aber nur in wenigen Fällen sinken.

Source: tagesschau.de