Eskalation in den USA: Das Bürgerkriegsgespenst

Wer in den USA von Bürgerkrieg spricht, der ruft unweigerlich bestimmte Bilder auf: Männer mit Musketen, Kanonenrauch und Südstaatenflaggen, Generäle hoch zu Ross und mit Leichen übersäte Felder. Der amerikanische Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 mit bis zu einer Million Toten ist eines der grausamsten und zugleich prägendsten Kapitel in der Geschichte des Landes, noch jedes Schulkind kann dort heute die wichtigsten Ereignisse aufsagen. 

Deshalb ist es bemerkenswert, wenn jetzt Analysten, Politiker und Medien dieses Wort wieder in den Mund nehmen. „Ihr werdet alle zu einem Bürgerkrieg angestachelt“, ruft die frühere Trump-Vertraute und heutige Kritikerin Marjorie Taylor-Greene ihren Landsleuten angesichts der Eskalation rund um das Vorgehen der ICE-Agenten zu. „Den Vorgeschmack eines Bürgerkriegs“ habe sie in Minneapolis gesehen, schreibt die Kolumnistin Lydia Polgreen in der New York Times. Und ihr Kollege, der erfahrene Politikjournalist Thomas B. Edsall, warnte schon im Herbst: Weder Trump noch sein enger Vertrauter, der rechtsradikale Ideologe Stephen Miller, würden einen Bürgerkrieg scheuen. Im Guardian wiederum veröffentlichte die US-Rechtsprofessorin Claire Finkelstein einen Text mit der Überschrift: „Wir haben Simulationen auf höchster Ebene zu einem Bürgerkrieg in den USA durchgespielt. Minnesota zeigt exakt, wie es beginnt.“