Eskalation im Nahen Osten: Angriffe wohnhaft bei Straße von Hormus verschärfen Iran-Krieg

Mehrere Schiffe nahe der Straße von Hormus sind unter Beschuss geraten. Der Iran droht, den Öltransport durch die Meerenge zu stoppen. Zugleich setzen Israel, der Iran und die USA ihre Angriffe fort.
Im Iran-Krieg sind mehrere Schiffe in und nahe der für den weltweiten Ölhandel wichtigen Straße von Hormus unter Beschuss geraten. Sie seien von „unbekannten Geschossen“ getroffen worden, teilte die britische Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) mit. Irans Militärführung zeigte sich entschlossen, den Schiffsverkehr durch die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman weiter zu stören, um die Kosten des Krieges für die USA und Israel weiter in die Höhe zu treiben. Israel und der Iran überzogen sich unterdessen weiter mit gegenseitigen Angriffen und auch das US-Militär sprach von fortlaufenden Attacken auf Ziele im Iran.
Die etwa 55 Kilometer breite Straße von Hormus liegt zwischen dem Iran und dem Oman und gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Ölexport. Experten gingen bereits vor Kriegsbeginn davon aus, dass Teherans Seestreitkräfte den Handel empfindlich stören könnten – was nun eingetreten ist. In der Hoffnung, den rasanten Ölpreisanstieg abzufedern, will die Internationale Energieagentur (IEA) eine Rekordmenge strategischer Ölreserven freigeben. Auch Deutschland kommt der IEA-Bitte nach und will 19,51 Millionen Barrel beisteuern. Tankstellen in Deutschland sollen zugleich nur noch einmal am Tag ihre Spritpreise erhöhen dürfen.
Zuletzt befeuerten auch Berichte über angeblich vom Iran in der Straße von Hormus verlegte Seeminen die Sorge um die Sicherheit der internationalen Energieversorgung. Das US-Militär zerstörte nach eigenen Angaben 16 iranische Minenleger-Schiffe. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran im Fall einer Sperrung der Meerenge mit schweren Bombardierungen.
Iran: Kein Tropfen Öl wird durch Straße von Hormus fließen
Kaum ein Schiff kann derzeit wegen der Gefahr durch iranische Raketen und Drohnen die Straße von Hormus passieren, die Handelsschifffahrt in der Region ist seit Beginn der jüngsten Kampfhandlungen beinahe zum Erliegen gekommen. Der Iran drohte am Mittwoch weiter. „Wir werden niemals zulassen, dass auch nur ein Liter Öl zugunsten der USA, der Zionisten und ihrer Partner durch die Straße von Hormus transportiert wird“, sagte ein Militärsprecher. Jedes Schiff und jede Ölladung, die für die USA, Israel und ihre Partner bestimmt sind, seien legitime Ziele, sagte der Sprecher.
Gegenseitige Angriffe in der Region gehen unvermindert weiter
Indes überziehen sich Israel und Iran weiter mit gegenseitigen Angriffen. In der Nacht zum Mittwoch startete der Iran mehrere Raketenangriffe auf den jüdischen Staat. Immer wieder kam es zwischen Mitternacht und den Morgenstunden auch im Großraum Tel Aviv zu Raketenalarm. Irans Revolutionsgarden bestätigten die Angriffe. Berichte über Verletzte oder Schäden gab es nicht.
Auch die Angriffe auf die Golfregion aus dem Iran gehen weiter. In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Saudi-Arabien sowie Katar, Kuwait und Oman meldeten die Behörden Beschuss mit iranischen Drohnen und Raketen. Die Geschosse konnten den Angaben nach jedoch meist abgewehrt werden. In der Golfregion ist Außenminister Johann Wadephul (CDU) auch gerade auf Krisenbesuch. Am Dienstag war er bereits in Israel.
Die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim sprach von der heftigsten iranischen Angriffswelle seit Beginn des Krieges. Das US-Regionalkommando für den Nahen Osten (Centcom) teilte wiederum mit, die iranischen Angriffe mit ballistischen Raketen und Drohnen seien seit den ersten 24 Stunden der israelisch-amerikanischen Angriffe drastisch zurückgegangen.
Israels Militär startete indes nach eigenen Angaben eine neue Angriffswelle im Iran. Über den Westen Teherans donnerten am Mittwochmittag (Ortszeit) nach iranischen Angaben israelische Kampfjets und flogen Luftangriffe. In Teheran kamen zu dem Zeitpunkt Regierungsanhänger zu einer großen Trauerzeremonie für die im Krieg getöteten Kommandeure zusammen. Wie im Staatsfernsehen zu sehen war, versammelten sich zahlreiche Menschen im Zentrum.
Rätseln um neuen obersten Führer des Irans
Regierungsanhänger und Beobachter warten gleichzeitig gespannt auf eine erste Wortmeldung des neuen obersten Führers der Islamischen Republik. In der Nacht zum Montag wurde Modschtaba Chamenei zum Staatsoberhaupt ernannt, nachdem sein Vater am 28. Februar bei einem israelischen Luftangriff in Teheran getötet worden war. Seitdem hat sich der 56-Jährige allerdings noch nicht gezeigt. Auch auf seine erste Rede wird gewartet, die Hinweise geben dürfte, welchen politischen Kurs das Land unter ihm einschlagen wird.
Modschtaba Chamenei überlebte die Bombardierungen im Herzen der Millionenmetropole vor elf Tagen, verlor dabei jedoch auch seine Ehefrau, Mutter und einen Schwager. Nach Informationen der „New York Times“ wurde der neue Religionsführer verwundet. Er soll Verletzungen an seinen Beinen erlitten haben, berichtete die Zeitung unter Berufung auf drei iranische Funktionäre. Auch das iranische Staatsfernsehen bezeichnete ihn als „Kriegsversehrten“, nannte aber keine weiteren Details.
dpa
Source: stern.de