Erzbistum Paderborn: Erzbischof Bentz bittet Opfer um Verzeihung

Nach der Veröffentlichung der Paderborner Missbrauchsstudie hat Erzbischof Udo Markus Bentz um Verzeihung gebeten. Die von zwei Wissenschaftlerinnen der Universität Paderborn erstellte Untersuchung für die Zeit zwischen 1941 und 2002 zeige, dass Vorfälle verharmlost und bagatellisiert worden seien, sagte Bentz am Freitag in Paderborn. „Die Verantwortlichen haben sich für die Betroffenen in ihrer Not nicht so eingesetzt, wie es ihre Pflicht gewesen wäre.“ Es gehe nicht nur um individuelles Fehlverhalten, sondern auch um institutionelles Versagen.
Es treibe ihn um, dass Verantwortliche nicht mit aller Klarheit und Konsequenz gehandelt und den Betroffenen nicht mit echter Hinwendung begegnet seien, sagte Bentz, der seit Ende 2023 Erzbischof von Paderborn ist. „Für das Leid, das Menschen im Raum unserer Kirche erfahren haben, für das Versagen von Verantwortlichen und für das zusätzliche Leid durch Schweigen, Wegsehen und Nichtglauben bitte ich um Verzeihung.“ Die Studie entlarve die vermeintlichen Würdenträger und nehme stattdessen die Würde der Betroffenen neu in den Blick.
„Ein Stück Würde zurück“
Mit den Erkenntnissen der Studie solle der bisherige Weg der Aufarbeitung kritisch abgeglichen werden. Die historisch-wissenschaftliche Studie zeige abermals, wie bedeutsam Prävention, klare Zuständigkeiten und Kontrollmechanismen seien. Aus dem, was in der Kirche geschehen und was in ihr zu lange nicht in der nötigen Klarheit benannt worden sei, erwachse für sie heute eine Verantwortung über den eigenen Raum hinaus. „Wir wollen unser Wissen über Dynamiken des Schweigens, des Wegsehens und des Verantwortungsversagens dort einbringen, wo es heute Menschen Schutz geben kann.“
Reinhold Harnisch, Vorstand der Betroffenenvertretung im Erzbistum Paderborn, sagte: „Mit der Studie haben wir ein Stück Würde zurück, die uns genommen wurde.“ Die frühere Täter-Opfer-Umkehr sei geradegerückt. Mit der Studie und dem konstruktiven Umgang des Erzbistums und der Betroffenenvertretung werde „eine gewisse Zeitenwende fortgeschrieben“. Die Aufarbeitung in Paderborn laufe „ein bisschen besser“ als in anderen Bistümern.
Die unabhängige Studie war am Donnerstag veröffentlicht worden. Demnach ist das Ausmaß des Missbrauchs weit größer als bislang bekannt. Aktuell gibt es in dem untersuchten Zeitraum Hinweise auf 210 Beschuldigte und 489 Betroffene. Eine weitere Studie für die Zeit bis 2022 und eine gesonderte Untersuchung über den aus dem Erzbistum Paderborn stammenden langjährigen Ruhrbischof Franz Hengsbach sollen im kommenden Jahr abgeschlossen und veröffentlicht werden. Hengsbach steht im Verdacht, selbst Missbrauchstäter gewesen zu sein.
Source: faz.net