Erste Warnsignale vom Rentenmarkt
marktbericht
Die gestiegenen Ölpreise befeuern derzeit Zins- und Inflationsängste. Auch am Rentenmarkt werden die Anleger zunehmend unruhiger, die Renditen steigen. Nur ein temporärer Effekt? Oder steckt mehr dahinter?
Auch am Rentenmarkt blicken die Anleger derzeit mit Sorgen auf die Lage am Persischen Golf. Die Kurse deutscher Staatsanleihen sind im März deutlich unter Druck geraten, die Renditen im Gegenzug gestiegen. Meist ist eine solche Entwicklung ein untrügliches Zeichen dafür, dass am Kapitalmarkt Unheil droht.
So rentieren marktführende zehnjährige Bundesanleihen derzeit bei 2,96 Prozent und nähern sich damit bedrohlich der psychologisch wichtigen Marke von 3,00 Prozent. Vor dem Beginn des Iran-Krieges lagen die Renditen noch rund 25 bis 30 Basispunkte tiefer. Das ist der höchste Stand seit 2023.
Der an der Börse vielbeachtete Bund-Future, eine fiktive Bundesanleihe mit einer Laufzeit zwischen 8,5 und zehn Jahren, der an der Terminbörse Eurex gehandelt wird, ist im März regelrecht abgestürzt – von 130,23 Prozent auf derzeit gut 126 Prozent.
Inflationssorgen kommen durch
Vor allem Inflationssorgen sind derzeit der Haupttreiber der schwachen Tendenz am Rentenmarkt, ausgelöst durch den sprunghaften Anstieg der Ölpreise nach Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar. Ähnliche Preiskapriolen gab es auch zum Beginn des Ukraine-Krieges im Jahr 2022, der die Inflation deutlich antrieb. Das „schwarze Gold“, und auch die damit eng verbundenen Gaspreise, gilt immer noch als der wichtigste Schmierstoff der Weltwirtschaft.
Der Konjunktur-Chef des RWI-Leibniz-Institutes, Torsten Schmidt, warnt vor hoher Inflation, sollte der Iran-Krieg länger als vier Wochen dauern. „Hohe Ölpreise treiben die Verbraucherpreise. Bei einem längeren Krieg könnte die Inflation in diesem Jahr vorübergehend auf sechs Prozent steigen“, sagte Schmidt der Rheinischen Post. „Dann ist das Wirtschaftswachstum weg, Deutschland würde in das vierte Jahr der Rezession rutschen.“
Nur temporärer Engpass ?
Einig sind sich die meisten Experten darin, dass viel darauf ankommen wird, wie lange die Straße von Hormus im Persischen Golf noch gesperrt sein wird, erklärt Anja Hochberg von der Zürcher Kantonalbank im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Durch den engen Seeweg werden immerhin rund 20 Prozent der Weltölversorgung abgewickelt. Aktuell, so scheint es, gehen die Märkte noch von einem temporären Engpass aus, so die Expertin weiter.
Was macht die EZB?
Auch die Notenbanken sind alarmiert, denn höhere Inflationsraten könnten sie zwingen, die Zinsen anzuheben. Derzeit geht Anja Hochberg noch nicht davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) direkt reagieren wird. Zumal die Bank in einem Dilemma steckt: Höhere Zinsen würden zwar die Inflation dämpfen, gleichzeitig aber auch die Konsumneigung der Konsumenten. Auf Inflationssorgen könnten dann Konjunktursorgen folgen.
Auch das Risiko einer Stagflation, also ein sinkendes Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig steigenden Preisen, wird derzeit thematisiert. „Die Nervosität wächst jedoch täglich, und je länger die Straße von Hormus geschlossen bleibt, desto stärker dürften die Märkte in Richtung Stagflation tendieren“, warnt Aktienstratege Emmanuel Cau von der Barclays Bank.
Bauzinsen über vier Prozent
Wie konkret Verschiebungen im Zinsniveau sich auswirken, zeigt jetzt schon die Situation am Markt für Baufinanzierungen. Denn Hausbauer und Immobilienkäufer müssen im Zuge des Iran-Kriegs höhere Kreditkosten stemmen. Die Bauzinsen in Deutschland sind nach einer Analyse der Frankfurter FMH-Finanzberatung im Schnitt über die Marke von vier Prozent gestiegen. Bei einer 500.000 Euro teuren Beispiel-Immobilie und einer Beleihung mit 90 Prozent liegen die Effektivzinsen für einen zehnjährigen Kredit bei 4,01 Prozent.
DAX holt Anfangsverluste auf
Zum Wochenschluss hat der DAX nach einem schwächeren Handelsstart wieder Boden gut gemacht und steht wieder leicht im Plus. Der Markt pendelt nach dem ersten Ölpreisschock derzeit durch, bereits am Vortag hatte der Index leicht im Plus geschlossen.
Wegen möglicher weiterer Kriegs-Ereignisse im Nahen Osten bleiben die Anleger aber insgesamt vorsichtig. An den vergangenen beiden Montagen hatte es zweimal ein böses Erwachen gegeben wegen des Nahostkonfliktes. Rückenwind könnte aber von der Wall Street kommen, wo die Futures auf die großen Aktienindizes kurz vor Handelsstart allesamt im Plus liegen.
Source: tagesschau.de