Ermittlungen: Zweifacher Bistro-Mord in Hessen: Was weiß jener Mann mit jener Kapuze?

Nachdem in einem Bistro bei Frankfurt zwei Menschen erschossen wurden, tappt die Polizei noch im Dunkeln. Zwei Männer könnten für die Ermittler noch interessant werden.
Eine nächtliche Schießerei erschüttert das hessische Raunheim (Kreis Groß-Gerau): Ein Unbekannter betritt am frühen Dienstagmorgen gegen 3.45 Uhr das Bistro „Onyro“ und eröffnet das Feuer (der stern berichtete).
Zwei Menschen sterben noch vor Ort: Nihat K., der 62-jährige Wirt des Lokals, und ein 34-Jähriger. Der Schütze verschwindet unerkannt vom Tatort – und ist weiterhin nicht gefasst.
Polizei sucht Zeugen des Tötungsdelikts in Raunheim
Das „Onyro“ liegt an der Frankfurter Straße, die die 17.000-Einwohner-Stadt Raunheim durchquert, die eingezwängt zwischen dem Frankfurter Flughafen und Rüdesheim am Mainufer liegt. Es befindet sich in einem unscheinbaren, zweistöckigen Haus mit hell verputzter Fassade – ein Gebäude wie viele in der Gegend.
Name und Betreiber des Lokals wechselten in den vergangenen Jahren. Nach dem gewaltsamen Tod von Nihat K. steht bei Google Maps „vorübergehend geschlossen“.
Am Dienstagvormittag stehen die Türen des Bistros noch offen. Hinter den Fenstern sind Beamte in weißen Schutzanzügen zu sehen. Die Spurensicherung ist im Einsatz, markiert mit Täfelchen mögliche Beweisstücke auf dem Boden, vermisst und fotografiert das Lokal und seine Umgebung. Rot-weißes Flatterband mit der Aufschrift „Polizei“ sperrt die Frankfurter Straße ab.
Dutzende Streifenwagen sind dazu im Einsatz, ein Hubschrauber kreist über der Stadt. Die Polizei hat neben der Sicherung der Spuren vor allem ein Ziel: den Täter so schnell wie möglich fassen. Das ist den Beamten bisher nicht gelungen. „Die Hintergründe der Tat, ebenso wie die Motivlage, werden derzeit intensiv ermittelt“, teilt die Polizei am Nachmittag mit. Es gibt zunächst keine heiße Spur. Die Leichen der Opfer werden abtransportiert.
Ermittlungen mit 200 Beamten
Zwei Tage nach der Bluttat von Raunheim arbeiten rund 200 Ermittler an dem Fall. Das hessische Landeskriminalamt (LKA) hat eine sogenannte Besondere Aufbauorganisation (BAO) ins Leben gerufen. Die Beamten der BAO „Taverne“ ermitteln „auf Hochtouren“, teilen Staatsanwaltschaft und Polizei am Donnerstag mit. Inzwischen haben sie etwas, was im Polizeijargon „Anfasser“ heißt, einen Ansatz, der sie bei der Aufklärung des Verbrechens weiterbringen könnte. Nach ihren Erkenntnissen gibt es zwei Männer, die wichtige Zeugen sein könnten.
Sie sollen sich um 3.18 Uhr, also kurz vor der Tat, auf der dem „Onyro“ gegenüberliegenden Straßenseite aufgehalten haben. „Sie sollen dem mutmaßlichen Täter entgegengekommen sein und können möglicherweise sachdienliche Angaben machen, die zur Aufklärung der Tat beitragen“, heißt es von den Ermittlern.
Womöglich hat die BAO „Taverne“ Videoaufnahmen ausgewertet und ist so auf die beiden möglichen Zeugen aufmerksam geworden. Zu den Details der Ermittlungen schweigt das LKA jedoch: „Weitere Auskünfte können derzeit nicht erteilt werden.“
Auch genauere Angaben zu den beiden Männern gibt es nicht, nur so viel: Einer soll eine Kapuze getragen haben. Kann er oder sein Begleiter helfen, die Tat aufzuklären und den flüchtigen Täter zu fassen?
Die Beamten bitten die beiden, sich bei der BAO zu melden – ebenso wie andere Zeugen. Ein Hinweistelefon ist unter der Telefonnummer (06151) 96953111 geschaltet, zudem ist im Internet ein Portal zum Upload von Video- und Filmmaterial sowie für weitere Hinweise freigeschaltet. Die Ermittlungen gehen weiter.
wue
Source: stern.de