Epstein-Skandal: EU-Behörde soll Pflichtverstöße von Peter Mandelson prüfen

Die Verwicklung des früheren britischen Ministers, Botschafters und EU-Kommissars Peter Mandelson in den Epstein-Skandal beschäftigt jetzt auch die EU-Behörden: Die EU-Kommission forderte die EU-Betrugsbekämpfungsbehörde Olaf auf, mögliche Regelverstöße Mandelsons während dessen Amtszeit als EU-Handelskommissar in den Jahren 2004 bis 2008 zu prüfen, wie ein Sprecher mitteilte. Es gehe insbesondere darum, ob Mandelson sich damals an die Geheimhaltungspflichten und das Verbot der Entgegennahme von Geschenken und Vergünstigungen gehalten habe.

Die Pressestelle der EU-Kommission stellte klar, dass damit noch kein Ermittlungsverfahren eingeleitet sei. Es handele sich um eine Erstbewertung, bei der nach einem standardisierten Verfahren alle eingehenden Informationen von potenziellem Ermittlungsinteresse analysiert würden.

Mandelson soll Geld von Epstein angenommen haben

Britische Ermittler werfen Mandelson vor, vertrauliche Regierungsinformationen an den verstorbenen US-Finanzinvestor und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein weitergegeben und Geld von ihm angenommen zu haben. Aus den zuletzt vom US-Justizministerium veröffentlichten Epstein-Akten geht hervor, dass Mandelson in seiner Zeit als Minister unter Premier Gordon Brown zwischen 2008 und 2010 offenbar vertrauliche Finanzdaten der damaligen Labour-Regierung an Epstein weitergab. Der 72-jährige Mandelson war am Montag von der britischen Polizei festgenommen worden und kam später gegen Kaution wieder frei.

Wegen des Falls steht auch der britische Premierminister Keir Starmer unter Druck, der Mandelson im Februar 2025 zum britischen Botschafter in den USA ernannt hatte. Starmer gibt an, er habe zu diesem Zeitpunkt nichts von dem engen Verhältnis zwischen Mandelson und Epstein gewusst.

Minderjährige sexuell missbraucht

Epstein stand unter Verdacht, mehr als tausend minderjährige und junge Frauen sexuell missbraucht und teils an Prominente vermittelt zu haben. Er wurde 2008 erstmals verurteilt, weil er eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet hatte. Nach einem umstrittenen Deal mit der Staatsanwaltschaft musste er damals aber nur 13 Monate im Gefängnis absitzen.

Einen Monat, nachdem Epstein 2019 unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen worden war, wurde er tot in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden. Nach offiziellen Angaben beging er Suizid.

Die jüngst veröffentlichten Epstein-Akten belegen, wie gut der Sexualstraftäter international vernetzt war – auch mit politischen Vertretern. In Großbritannien war vor Mandelson bereits Andrew Mountbatten-Windsor, der Bruder von König Charles, vorübergehend festgenommen worden. In Norwegen trat die Diplomatin Mona Juul von ihrem Posten zurück, Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit entschuldigte ​sich für ihre früheren Kontakte zu Epstein. In Frankreich gab der frühere Kulturminister Jack Lang sein Amt als Präsident des Instituts der Arabischen Welt auf. Vor dem US-Kongress sagte jetzt die Ex-Außenministerin Hillary Clinton aus. Sie gab dabei an, sich an kein Treffen mit Epstein erinnern zu können, und forderte eine Aussage unter Eid von US-Präsident Donald Trump zu seinem Verhältnis zu Epstein.