Engere Rüstungs-Zusammenarbeit: Rheinmetall liefert Panzer an Italien

Der deutsche Rüstungshersteller Rheinmetall hat vier Schützenpanzer vom Typ Lynx am Dienstag an das italienische Heer ausgeliefert. Bei einer Zeremonie in Anwesenheit von Italiens Verteidigungsminister Guido Crosetto am Stützpunkt Montelibretti überstellte das deutsche Unternehmen die Modelle, die der Anfang einer Großbestellung seitens Italiens sein sollen: Insgesamt mehr als 1000 Modelle in sechzehn Varianten will die italienische Regierung anschaffen. Der Auftrag soll sich bis in die zweite Hälfte des kommenden Jahrzehnts hinziehen und Italien rund 16 Milliarden Euro kosten. Minister Crosetto sprach von einem wichtigen Zeichen für die europäische Zusammenarbeit im Rüstungssektor, die nicht zuletzt die hohe Zahl der Panzermodelle in Europa verringern soll.

„Wir haben zu viele verschiedene Leistungsanforderungen in Europa. Gleichzeitig muss die europäische Industrie viel effizienter werden. Da stimme ich meinem Amtskollegen Pistorius zu“, sagte Crosetto am Rande der Veranstaltung. Das gelte auch für die geplanten Flugzeugsysteme, bei denen der italienische Hersteller Leonardo mit British Aerospace aus Großbritannien und Mitsubishi aus Japan im Projekt GCAP zusammenarbeitet. Der Unwillen, die eigene Technologie zu teilen sei „ein Geschenk an die Russen und an die Chinesen“, sagte Crosetto. Dieser Vorwurf wurde bei GCAP beispielsweise British Aerospace gemacht. Beim kontinentaleuropäischen Konkurrenzvorhaben F-CAS werfen sich das die Partner Dassault und Airbus gegenseitig vor. Daher ist seine Zukunft in Frage gestellt. GCAP gilt dagegen als weiter fortgeschritten.

60 Prozent Wertschöpfung in Italien

Rheinmetall und Leonardo haben erst vor drei Monaten ihren Vertrag zur Zusammenarbeit bei den Panzerfahrzeugen unterschrieben. Ein Gemeinschaftsunternehmen besteht seit einem guten Jahr. Vom Ende dieses Jahres an ist geplant, dass Leonardo den Gefechtsturm und Teile der Elektronik für den Schützenpanzer liefert. 60 Prozent der Wertschöpfung sollen in Zukunft in italienischen Werken entstehen. Die ersten jetzt überstellten Modelle dagegen kommen noch vollständig aus dem Rheinmetall-Panzerwerk bei Celle in Niedersachsen. Sie sind nach den Anforderungen eines Auftrages der ungarischen Regierung ausgelegt und sollen dem italienischen Heer besonders als Trainingsgeräte dienen. Der Schützenpanzer Lynx werde „radikal die Art und Weise ändern, in der das Heer kämpft“, sagte der italienische General Carmine Masiello.

Große Hoffnungen setzen Rheinmetall und Leonardo auch in den Kampfpanzer namens Panther, der ebenfalls in Italien mit zahlreichen italienischen Komponenten wie dem Gefechtsturm ausgestattet werden soll. Bis zu 380 solcher „Main Battle Tanks“ könnte die italienische Regierung bestellen, wurde zuletzt in der Fachpresse spekuliert. Zuvor war von 280 Stück die Rede. Italien will damit die große Lücke in seiner terrestrischen Verteidigung schließen. Jahrzehntelang seien die Panzerprogramme vernachlässigt worden, klagte ein hoher Militär am Stützpunkt Montelibretti.

Konkurrenz für den Leopard von KNDS Deutschland

Rheinmetall sieht seinen Panther als ein wirkungsvolles Konkurrenzprodukt zu dem in Europa dominierenden Kampfpanzer Leopard, der vom Konkurrenten KNDS Deutschland hergestellt wird. Weil der Panther neuer sei – er wurde erstmals 2022 auf einer Rüstungsmesse vorgestellt – sei er in der Digitalisierung weiter. Außerdem verfügt er über eine größere Kanone als der Leopard mit einem Durchmesser von 130 statt 120 Millimeter. KNDS hält dagegen, dass der Leopard wie kein anderer moderner Panzer in Europa bewährt und kampferfahren sei. Italien will mit dem auf dem Panther basierenden Main Battle Tank in den nächsten Jahren sein veraltetes Modell Ariete ersetzen.