Energieversorgung: Friedrich Merz stellt geplanten Kohleausstieg infrage
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat den Zeitplan für den
Kohleausstieg in Deutschland infrage gestellt. „Wir werden möglicherweise
laufende Kohlekraftwerke länger am Netz lassen müssen“, sagte Merz mit Blick auf die Energiekrise bei einem Kongress der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Frankfurt. Deutschland will ursprünglich bis 2038 aus der Kohle
aussteigen.
„Ich bin nicht bereit, den Kern unserer
Energieversorgung aufs Spiel zu setzen, bloß weil wir da vor Jahren
Ausstiegsdaten beschlossen haben, die unrealistisch sind“, sagte Merz. Es sei
wichtig, die Energiepolitik „vom Kopf auf die Füße zu stellen“. Merz bekannte sich zugleich zum weiteren Ausbau erneuerbarer
Energien. Diese müssten aber durch neue Gaskraftwerke ergänzt werden.
Eine
Rückkehr zur Atomkraft schloss der Kanzler für die nahe Zukunft aus. Langfristig setzt Merz laut eigener Aussage große Hoffnungen
in den Bau von Kernfusions-Reaktoren in Deutschland. Außerdem könne er sich
vorstellen, dass sich Deutschland an der Forschung für kleine modulare
Kernreaktoren beteilige.
Deutschland ist derzeit auf Kurs, seine Klimaziele klar zu verfehlen. Erst in dieser Woche hat die Bundesregierung ihr neues Klimaschutzprogramm auf Vorschlag von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) beschlossen. Schneider hatte zuletzt einen schnelleren Ausbau der Windenergie angekündigt und der Rückkehr zur Atomkraft eine Absage erteilt. Auch der Bau kleiner Atomreaktoren sei nicht geplant, sagte er.