Endlich Freitag: Weimer hinaus dieser Buchmesse und Hidalgos Erbe in Paris
Die Leipziger Buchmesse hat begonnen: Weimer musste sich ausbuhen lassen. Das Oscar-Rennen ist zu Ende – mit viel Zustimmung für die Preisträger und einer Lektion fürs Leben. Der „Freitag“-Blick auf den Tag
Hallo,
eines jedenfalls hat Wolfram Weimer geschafft: Noch nie war die Spannung im Vorfeld der Leipziger Buchmesse so groß, noch nie richtete sich so viel Aufmerksamkeit auf die Eröffnungsveranstaltung. Rücktrittsforderungen wie die unseres Autors Axel Brüggemann prallen an ihm ab, der Buchhandlungsbranche als solcher aber hat er in paradoxer Weise neues Leben eingehaucht, wie der Schriftsteller Frank Willmann beschreibt.
Ausgebuht wurde Weimer gestern trotzdem, sein Versuch, der feindlichen Stimmung etwas sportlichen Humor entgegenzusetzen, stieß auf reservierte Reaktionen. Mein Kollege Philipp Haibach berichtet.
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Ein Teil der erhöhten Aufmerksamkeit fällt hoffentlich für die Preisträger der Buchmesse ab, die heute verkündet werden. Ich durfte in diesem Jahr einen der Kandidaten der Sachbuch-Kategorie besprechen, Jan Jekals Paranoia in Hollywood. Ein Buch, das ich wärmstens allen empfehlen kann, selbst wenn sie an Film und Hollywood gar nicht so interessiert sind.
Mit unzähligen Anekdoten malt Jekal nämlich ein Gesamtbild der deutschen Exilkultur, die sich in den Jahren des Faschismus in Los Angeles wiederfand, nicht deshalb, weil alle Filme machen wollten, sondern deshalb, weil die Branche offener als andere war – für kurzfristige Anstellungen, für solche ohne Voraussetzungen und für Menschen aus Europa, selbst wenn sie kaum Englisch konnten.
Wussten Sie, dass bei der Oscar-Verleihung 1944 in fast jeder Kategorie jemand nominiert war, der wenige Jahre zuvor noch in Berlin oder Wien gelebt hatte? Es war das Jahr, in dem Casablanca zum besten Film gewählt wurde, ein Film, dessen Dialoge heute noch breit zitiert werden. Wann haben Sie das letzte Mal den ironischen Spruch vom „Beginn einer wunderbaren Freundschaft“ benutzt?
1. Heute wichtig
2. Made My Day
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➜ Wieder was gelernt: Mein Leben lang habe ich den Namen des amerikanischen Schriftstellers Thomas Pynchon, der legendär zurückgezogen lebt und kaum je öffentlich auftritt, offenbar falsch ausgesprochen. Eine Variante von „Pinchen“ oder so ähnlich, mit Betonung auf der ersten Silbe. Seit der Oscar-Nacht weiß ich es besser: Da dankte der Regisseur Paul Thomas Anderson nämlich „Thomas Pynchohn“ mit langem „o“. It made my day.
Es war überhaupt ein schöner Moment, der erste Oscar für Anderson, fast 30 Jahre nach seiner ersten Nominierung 1997 fürs Drehbuch zu Boogie Nights. Ich habe ihm auch die Auszeichnungen als Regisseur und für den besten Film sehr gegönnt, zählte One Battle After Another doch zu meinen Lieblingsfilmen des letzten Jahres. Meine Bilanz des Oscar-Abends: würdige Sieger und viel Zukunftsangst im Hintergrund.
3. Kultur-Tipp
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➜ Gut zu sehen:
Seine Filme sind der Inbegriff dessen, was wir im Deutschen so schön mit „Mäuschen sein“ umschreiben: Frederick Wisemans Dokumentarfilme lassen einen über den Campus von Berkeley flanieren, in der City Hall von Boston an Sitzungen teilnehmen oder in der Vorweihnachtszeit durch ein Kaufhaus in Dallas, Texas streifen. Man kann sich in ihnen verlieren, manchmal wird es zäh, aber genau dann begreift man etwas über das Funktionieren von Institutionen.
Ende Februar ist Wiseman im stolzen Alter von 96 Jahren verstorben, das Streamingportal MUBI hat ab morgen acht seiner (insgesamt 50) Filme im Programm. Darunter selten zu sehende Werke aus den 1960er Jahren wie High School und Law and Order.
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4. Lese-Empfehlung
➜ Am Sonntag wird in Paris über die Nachfolge von Anne Hidalgo entschieden. Die Hochrechnungen aus der ersten Runde der französischen Kommunalwahlen sehen den Kandidaten der sozialistischen Partei, Emmanuel Grégoire, deutlich vor Rachida Dati, die die Hauptstadt für die Rechte zurückholen will. Unsere Autorin Romy Straßenburg ist durch die Stadt gefahren, um darüber nachzudenken, was wohl Hidalgos Erbe sein wird. Sprechen Sie ihren Namen bloß nicht im Taxi aus!
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Nördliches Seine-Ufer, ich stehe direkt am Wasser, der Blick fällt auf die altehrwürdige Pont Neuf und in der Ferne blitzt die Spitze des Eiffelturms. Paris, wie wir es auf Postkarten lieben. Ein Paris, das es lange Zeit gar nicht mehr gab. Es gibt keinen besseren Ort als diesen, um eine Geschichte über Anne Hidalgo zu beginnen, denn diese 2,5 Kilometer lange Strecke mitten im Zentrum ist zum Sinnbild geworden für die Politik der bald nun ehemaligen Pariser Bürgermeisterin, die zu den am Sonntag beginnenden Kommunalwahlen nicht mehr antritt.
Als ich vor 18 Jahren in die französische Hauptstadt kam, war hier noch eine Schnellstraße und ich schlängelte mich auf meinem Scooter durch stinkende Automassen. Damals hatte Bertrand Delanoë noch das Sagen, den ich gern mochte, weil er so ein modern anmutender und mutiger Bürgermeister war wie Klaus Wowereit. Auch er stand offen zu seiner Homosexualität und die beiden verband eine enge Freundschaft.
Das wär’s für heute – das Wochenende nähert sich verheißungsvoll, ich wünsche eine gute Zeit!
Viele Grüße,
Ihre Barbara Schweizerhof
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