Endlich Freitag: Grok, Lüften und „Heated Rivalry“

Wir schauen genau auf X – und wollen schnell wieder weg. In den USA entdeckt man das Lüften für sich und wärmt sich mit „Heated Rivalry“ wieder auf. Und: Was uns Walter Benjamin über Trumps ICE-Agenda lehrt. Die „Freitag“-Sicht auf den Tag

Hallo,

als allererstes muss ich etwas gestehen: Auch ich habe noch einen alten X-Account. Ich poste dort nichts und habe mich bisher damit herausgeredet, den Account nicht zu löschen, weil es immer wieder doch notwendig ist, zu sehen, was dort passiert.

In den vergangenen Wochen habe ich ihn zum Beispiel genutzt, um zu überprüfen, was vor allem Männer dort an widerwärtigen Inhalten mithilfe von Elon Musks KI Grok erstellt haben.

Nora Beyer hat sich für uns angesehen, wie sich die Nutzung von KI, die Frauen und Kinder auf Fotos entkleidet, sexualisiert und missbraucht, auf die Verbreitung digitaler Gewalt auswirkt. Denn Grok ist nichts Neues, sondern lediglich die logische Fortsetzung von Hass gegen Frauen im Internet. Und der hat längst Auswirkungen auf die reale Welt.

Deutschland und die EU hätten eigentlich die Aufgabe, uns als Bürger:innen vor dem Hass, den Plattformen wie X verbreiten, zu schützen. Seit Donald Trump wieder im Amt ist, läuft das aber etwas anders ab: Die EU oder Nationalstaaten kündigen an, Digitalkonzerne aus den USA zu regulieren, woraufhin Trumps Regierung prompt mit neuen Zöllen droht.

In der Regel fällt die Entscheidung dann zugunsten der bedrohten europäischen Industrie aus – gegen die Bürger:innen. Es wird also höchste Zeit, meinen Account zu löschen. Vielleicht sollten Sie das (falls Sie es noch nicht getan haben) auch tun. Weniger Zeit auf Social Media soll ja ohnehin gut sein.

1. Heute wichtig

2. Made My Day

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Lassen Sie Ihre Wohnung rülpsen! Ausgerechnet jetzt, wo es in Teilen der USA bitterkalt ist, haben die Amerikaner:innen einen Trend für sich entdeckt: House Burping. Dafür werden einfach die Fenster geöffnet und die eiskalte Luft hereingelassen. Für ein Frischegefühl, das selbst mit Febreze nicht erreicht werden kann

Auf die Frage an eine Freundin, die in den USA lebt, wie die Menschen dort bisher die Luft in ihren Wohnungen frisch gehalten haben, wenn ihnen die Praktik des Lüftens bis dato unbekannt war, antwortete die: „gar nicht“. Aber die schlechte Isolierung von Wänden und Fenstern würde Lüften dort eigentlich ohnehin überflüssig machen.

3. Kultur-Tipp

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Gut zu sehen: In drei Tagen, am 6. Februar, ist es endlich so weit: HBO Max bringt Heated Rivalry als Stream nach Deutschland. Wie viele Frauen und Queers habe auch ich diesen Tag rot im Kalender markiert, seit die New York Times die Serie in ihrem Podcast zum Jahresrückblick zu einer der besten des letzten Jahres gekürt hat: Zwei Eishockeyspieler, die sportliche Rivalen sind, führen abseits vom Eis eine Liebesbeziehung. Keine Kleinigkeit in einer Sportart, die von toxischer Männlichkeit und Homophobie durchzogen ist.

In New York empfahl sogar der Bürgermeister, Zohran Mamdani, sich vor Schneesturm und Kälteeinbruch mit der Buchvorlage der Serie, aufs Sofa zurückzuziehen. Bei der Stadtbibliothek schossen die Downloads der E-Book- und Hörbuch-Version sofort in die Höhe.

4. Lese-Empfehlung

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➜ Donald Trumps ICE-Agenda: Seit Donald Trumps zweitem Amtsantritt scheiden sich die Geister darüber, ob das nun schon Faschismus und eine Diktatur ist oder nicht. Georg Seeßlen definiert den Typus Trump mit Walter Benjamin etwas anders. Er zerstört, was er findet, um Platz zu schaffen. Wie er den füllen wird? Dafür hat er keinen Plan. Diejenigen, die diese Aufgabe übernehmen werden – Peter Thiel oder JD Vance – stehen aber schon in den Startlöchern. Donald Trumps Amerika wäre demnach keine Diktatur, aber die Prophezeiung von einer, die bald kommen könnte.

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„Nehmen wir für den Augenblick an, Donald Trump und seinMAGA-Movementsei nicht schon die Erfüllung, sondern erst Prophezeiung und Vorstufe einer möglicherweise kommenden US-amerikanischen Diktatur. Er wäre dann die fast satirische Besetzung für den Typus, denWalter Benjamineinst den „destruktiven Charakter“ genannt hat: „Der destruktive Charakter kennt nur eine Parole: Platz schaffen; nur eine Tätigkeit: räumen“.

So verstehen wir womöglich die Manie zur „Ausdehnung“ besser als es eine am rein Strategischen oder Räuberischen orientierte Interpretation ermöglicht. Den symbolischen Genuss dieses destruktiven Platz-Schaffens konnte er lange Zeit im Immobiliengeschäft ausleben; auch ein Golfplatz ist als Verwirklichung eines solchen Platz-Schaffens zu verstehen. Jetzt ist die ganze Welt für einen destruktiven Charakter wie Trump nur dazu da, dass er sich Platz schafft. Dazu entwickelt er Methoden (vom Zollkrieg zum Militärschlag), Bilder (von „Größe“ und „Sicherheit“) und Instrumente (von DOGE zu ICE).“

zum ganzen Text

Und damit sind wir auch schon wieder am Ende dieser Ausgabe. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und hoffe, dass Sie Heated Rivalry nun ebenfalls ab Freitag bingen werden. Nicht vergessen, zwischendurch lüften!

Viele Grüße,

Ihre Alina

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