Elektronikkonzern: Samsung erwartet Rekordgewinn wegen KI

Der globale Aufstieg der Künstlichen Intelligenz beschert dem größten Speicherchip-Hersteller der Welt, Samsung Electronics, glänzende Geschäfte. Allein im Zeitraum von Oktober bis Dezember hat sich der operative Gewinn des koreanischen Konzerns mehr als verdreifacht auf den Rekordwert von 20 Billionen Won (11,8 Milliarden Euro). Das teilte das Unternehmen am Donnerstag aufgrund erster Schätzungen mit. Die detaillierten Geschäftszahlen sollen Ende des Monats vorgestellt werden. Für das Gesamtjahr 2025 erwartet Samsungs nun einen Gewinn von 43,5 Billionen Won, ein Drittel mehr als im Jahr davon. Der Umsatz soll um 10,6 Prozent auf 332,8 Billionen Won wachsen. Das liegt noch deutlich über den Erwartungen, die Analysten zuletzt äußerten.
Der Elektronikkonzern hat damit eine beachtliche Aufholjagd hingelegt. Noch im Frühjahr hatte der Samsung-Erbe und Verwaltungsratsvorsitzende Lee Jae-yong den Konzern wegen des Rückstands zu Wettbewebern wie SK Hynix in wichtigen Technologien für die Künstliche Intelligenz in einer existenziellen Krise gesehen. In einem internen Video hatte er seine Mitarbeiter auf einen „Alles-oder-Nichts-Moment“ eingeschworen und zu vollem Einsatz aufgerufen. Das hat offenbar gezogen.
Der „Speicherkönig“ kehre zurück und seine Herrschaft werde mindestens mehrere Jahre andauern, heißt es nun von Analysten. Samsung und anderen Speicherchiplieferanten spiele in die Hände, dass sie angesichts der knappen Versorgungslage mit Chips in Preisverhandlungen die Oberhand hätten. „Wir sehen in der gesamten KI-Lieferkette keine bessere Option als Samsung, wenn man die Ergebnisdynamik und die attraktive Bewertung berücksichtigt“, heißt es etwa in einem Bericht der australischen Investmentbank Macquarie. „Der Speichermangel verschärft sich und bremst die gesamte IT-Lieferkette. Wir sehen bis 2028 keine schnelle Lösung für die Engpässe.“
Hersteller wie Samsung profitieren auf mehrerlei Weise von dem KI-Boom. Zum einen führt der Aufbau von KI-Rechenzentren in aller Welt zu einer hohen Nachfrage nach den dafür nötigen, besonders hochpreisigen Chips. Auf der anderen Seite fokussieren sich viele Hersteller auf die Produktion dieser lukrativen Hochleistungs-Halbleiter – zulasten der einfacheren Produkte. Das hat auch die Preise in Segmenten jenseits der KI-Chips anziehen lassen, etwa den DRAM-Chips, die etwa als Arbeitsspeicher in Computern verwendet werden, und NAND-Chips, die für die Datenspeicherung auf Smartphones und USB-Sticks dienen.
Wonjin Lee, der Marketingchef von Samsung, warnte in dieser Woche auf der Elektronikmesse CES in las Vegas vor Lieferengpässen in verschiedenen Chipsegmenten. Das könnte auch die Preise vieler elektronischer Geräte in diesem Jahr verteuern. Zuletzt hatte es Meldungen gegeben, wonach unter anderem die Spielekonsolen-Hersteller Sony und Nintendo mit steigenden Preisen für die Halbleiter in ihren Produkten zu kämpfen haben.
Die durchschnittlichen Verkaufspreise für DRAM sprangen im Dezemberquartal um mehr als 30 Prozent, während die für NAND um etwa 20 Prozent zulegten, wie Sanjeev Rana von der koreanischen Investmentgesellschaft CLSA Securities gegenüber Bloomberg erläutert. „Hyperscaler und Cloud-Anbieter kaufen viel DRAM und sind bereit, einen Preisaufschlag zu zahlen“, sagt er und geht davon aus, dass die Preise voraussichtlich während des gesamten Jahres 2026 und möglicherweise bis zur ersten Jahreshälfte 2027 sehr stark bleiben werden. „Selbst danach werden wir möglicherweise keine große Korrektur sehen, weil die Nachfrage einfach zu stark ist und das Angebot knapp bleibt“, sagt Rana.
Die Aktie des größten koreanischen Unternehmens hat sich von ihrer Krise in der ersten Jahreshälfte beeindruckend erholt. Noch im Juli dümpelte der Kurs bei 60.000 Won, inzwischen steht er bei 140.000 Won mehr als doppelt so hoch. Die Kursreaktion auf die am Donnerstag veröffentlichte Ergebnisschätzung blieb aber verhalten, obwohl Analysten davon ausgehen, dass der KI-Boom Samsung noch eine ganze Weile lang beflügeln wird.
Denn in das große Geschäft mit den für die Künstliche Intelligenz wichtigen High-Bandwidth-Speichern steigt Samsung gerade erst ein. Hier hat der Lokalrivale SK Hynix mit seinen HBM4-Speichern als exklusiver Lieferant von Nvidia lange die Nase vorn gehabt. Kim Dong-won, Analyst des koreanischen Wertpapierhauses KB Securities, rechnet im gerade angelaufenen Geschäftsjahr mit einer Verdreifachung der Verkäufe in diesem Geschäftsfeld, wenn Samsung erst einmal in die HBM4-Lieferketten der Tech-Giganten wie Nvidia und Google aufgenommen werde.