Eizellspende – warum Paare zu diesem Zweck ins Ausland in Betracht kommen
Für viele Paare ist eine Eizellspende die letzte Chance auf ein Kind. Diese ist in Deutschland verboten. Gesundheitsministerin Warken prüft eine Legalisierung. Bisher gehen Betroffene dafür ins Ausland.
Seit sechs Jahren wünschen sich Julia B. und Philip K. ein Kind. Sie ist mittlerweile 37 Jahre alt, er 39. Am Anfang scheint alles leicht zu gehen. Doch in der elften Schwangerschaftswoche stellt der Arzt fest, dass beim Embryo kein Herzschlag zu sehen ist. „Es hat uns wie einen Schlag getroffen“, sagt Julia. Weitere Versuche, auf natürlichem Weg ein Kind zu bekommen, bleiben erfolglos.
Eine medizinische Erklärung gibt es nicht – beide sind gesund. Das Ehepaar sucht Hilfe in einer Kinderwunschklinik. In den folgenden Jahren unterzieht sich Julia mehreren künstlichen Befruchtungen – ohne Erfolg. Vier weitere Fehlgeburten erlebt sie. Sie wechseln die Klinik. In München stellt ein Spezialist fest, dass ihre Gene möglicherweise nicht gut zusammenpassen. Der nächste Versuch mit angepasster Therapie scheint zunächst erfolgreich – doch auch diese Schwangerschaft endet früh. „In dem Moment hatte ich keine Hoffnung mehr“, sagt Julia.
Jedes sechste Paar betroffen
Für jedes sechste Paare in Deutschland ist es nicht möglich, auf natürlichem Weg ein Kind zu bekommen. Mehr als 130.000 Kinderwunschbehandlungen werden jährlich dokumentiert. Julia und Philip schöpfen erst durch Gespräche in einer Selbsthilfegruppe wieder neuen Mut. Sie informieren sich über alternative Wege – auch über eine Adoption. Doch auch da gibt es viele Hürden. Auf jedes zur Adoption freigegebene Kind kämen vier bis fünf Paare, sagt Julia.
Dann stoßen sie auf die Möglichkeit einer Eizellspende. „Für den einen Versuch, den wir uns noch vorstellen können, wollten wir eine Behandlung, mit der wir am ehesten einen Erfolg bekommen.“
In nur wenigen EU-Ländern verboten
In Deutschland ist diese Behandlung verboten. Grundlage ist das Embryonenschutzgesetz von 1990. Ärzten, die eine Eizellspende durchführen, droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Deutschland gehört neben Bosnien-Herzegowina, der Schweiz und der Türkei zu den wenigen europäischen Ländern mit einem vollständigen Verbot. Begründet wird das unter anderem mit der sogenannten gespaltenen Mutterschaft – der Trennung zwischen genetischer und austragender Mutter.
Deshalb gibt es in Deutschland keine offizielle Beratung zur Eizellspende. „Man bekommt hier sofort das Gefühl, etwas ganz Schlimmes zu machen“, sagt Julia. Informationen zur Eizellspende findet sie vor allem im Internet – häufig über soziale Netzwerke oder Erfahrungsberichte anderer Betroffener. Über ihren eigenen Instagram-Account teilt Julia ihre Geschichte und tauscht sich mit anderen Betroffenen aus. Schätzungen zufolge lassen etwa 4.000 Frauen aus Deutschland jährlich eine Eizellspende im Ausland durchführen.
Paar reist nach Spanien
Julia und Philip entscheiden sich schließlich für Spanien – auch wegen eines zentralen Registers, das dokumentiert, wie oft eine Frau Eizellen spendet. Das soll sie vor kommerzieller Ausnutzung bewahren. Die Behandlung kostet zwischen 10.000 und 15.000 Euro. Die Erfolgschancen beim ersten Versuch liegen bei 50 bis 60 Prozent.
Zweimal reist das Paar nach Madrid: Zunächst gibt Philip eine Samenprobe ab. Die Klinik sucht in der Zwischenzeit eine Spenderin, deren genetische Merkmale und Aussehen zu Julia passen. Dann wird Julia der Embryo eingesetzt. Die Eizellspende erfolgt in Spanien anonym – anders als die Samenspende in Deutschland, bei der Kinder später erfahren können, wer ihr genetischer Vater ist.
Das Paar reiste für die Eizellspende nach Spanien.
Warken prüft Gesetzesänderung
In Deutschland wird gerade wieder über die Eizellspende diskutiert. Die Frauen Union der CDU fordert eine Legalisierung unter strengen Regeln. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken prüft derzeit, ob eine entsprechende Gesetzesänderung in den Deutschen Bundestag eingebracht werden könnte. Dazu will sie sich mit Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) und Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) abstimmen und anschließend mit den Koalitionsfraktionen beraten.
Warkens Ansatz: Als Spende erlaubt werden sollen nur Eizellen, die für den eigenen Kinderwunsch einer Spenderin eingefroren wurden und nicht mehr benötigt werden – um eine Kommerzialisierung zu vermeiden.
Kommission: Verbot ist „überholt“
Bereits 2024 befasste sich eine Regierungskommission zur Fortpflanzungsmedizin mit dem Thema. Ihr Fazit: Das Verbot sei „überholt und nicht mehr überzeugend“. Sie empfiehlt unter anderem eine Begrenzung der Eizellen pro Spenderin sowie das Recht des Kindes, seine Abstammung zu erfahren. Kritiker warnen jedoch weiterhin vor gesundheitlichen Risiken und möglicher wirtschaftlicher Ausbeutung.
Julia sieht in dem Vorstoß der Gesundheitsministerin einen ersten Schritt. Dennoch seien die Einschränkungen so hoch, dass nicht jedes Paar profitieren könne. „Man darf nicht die Augen davor verschließen: Eizellspenden finden statt – nur eben im Ausland.“
Source: tagesschau.de