Ein neuer Schufa-Score soll zu Gunsten von mehr Transparenz sorgen

Schufa Webseite auf einem Bildschirm.

Stand: 17.03.2026 • 12:55 Uhr

Die Schufa soll die Kreditwürdigkeit der Menschen einschätzen. Doch die Bewertung war lange undurchsichtig. Nun gibt es ein neues Punktesystem. Das kann jeder einsehen. Aber ist es auch gerechter?

Von Ursula Mayer, hr

Seit Jahren steht die Wirtschaftsauskunftei Schufa aus Wiesbaden in der Kritik. Sie sei eine Blackbox. Warum sie manche Verbraucher für kreditwürdiger als andere halte, sei nicht nachvollziehbar, so ein häufig geäußerter Vorwurf.

Ihr Bewertungssystem hat sie nun offengelegt. Es gibt nun bei der Schufa einen neuen Score, im Grunde eine Bewertung mit einer Zahl bis 999. Je höher sie ausfällt, desto kreditwürdiger ist jemand aus Sicht der Schufa. Desto wahrscheinlicher ist es ihrer Einschätzung nach, dass die Person etwa einen Kredit zurückzahlt.

„Diesen Score können Verbraucher nachvollziehen und sogar selbst berechnen, ganz ohne Fachkenntnisse“, sagt Schufa-Chefin Tanja Birkholz. Denn wie sich der Score zusammensetzt, sei nun vollständig transparent, das sei „weltweit einmalig“.

Langjährige Geschäftsbeziehungen sind von Vorteil

Dafür müssen sich Verbraucher in der Schufa-App oder auf der Webseite der Schufa registrieren und identifizieren. Dann können sie sehen, was die Schufa über sie weiß und wie sie anhand dieser Daten abschneiden. Den neuen Score hat die Schufa deutlich vereinfacht, lediglich zwölf Kriterien spielen dabei eine Rolle.

Wichtig ist zum Beispiel, ob es Zahlungsstörungen gibt oder Rechnungen immer fristgerecht bezahlt werden. Belohnt wird bei dem Bewertungssystem ebenfalls, wenn Verbraucher auf lange Geschäftsbeziehungen zurückblicken können. Sei es, dass sie seit Jahren bei einer bestimmten Bank sind oder Kreditkarten besitzen.

Schufa Logo auf einem Gebäude.

Wirtschaftsauskunftei Schufa

Wenn Verbraucher einen neuen Kredit aufnehmen, ein Girokonto eröffnen oder einen Mobilfunkvertrag abschließen wollen, kommt in der Regel die Schufa ins Spiel. Denn bevor Banken, Händler oder Telekommunikationsanbieter solche Geschäfte abschließen, fragen sie bei dem privaten Unternehmen aus Wiesbaden oft noch einmal nach, wie kreditwürdig eine Person ist. Die Schufa ist fast 100 Jahre alt und wurde 1927 gegründet.

Nicht ganz freiwillige Transparenz-Offensive

Denn darin sieht die Schufa einen Beweis dafür, dass die Betroffenen mit solchen Zahlungsgeschäften verantwortungsvoll umgehen. „Wenn man jemanden dagegen noch nicht kennt, keine Informationen über diese Person hat, dann dürfte man ihr wohl keinen Kredit geben“, erklärt die Schufa-Vorstandsvorsitzende Birkholz.

Dass die Wirtschaftsauskunftei damit ihre Geheimrezeptur offenlegt, ist tatsächlich wenig erstaunlich. Denn ihre vorhergehende Geheimniskrämerei hatten Verbraucherschützer jahrelang kritisiert. Selbst der Europäische Gerichtshof in Luxemburg forderte das Wiesbadener Unternehmen zu mehr Transparenz auf.

Häufige Umzüge, mehr Zahlungsprobleme?

Ihre neue Transparenz-Offensive bringt der Wirtschaftsauskunftei sogar Vorteile. Die Schufa könne mit manchen Mythen aufräumen, sagt deren Chefin Birkholz. Ein Vorwurf sei etwa gewesen, dass die Schufa bei ihrem Bewertungssystem mit Adressdaten arbeite, es also relevant sei, in welchem Stadtviertel eine Person wohne. „Das ist falsch, das machen wir nicht“, betont Birkholz.

Dagegen wird laut Schufa nur berücksichtigt, wie lange jemand an einem Ort lebt. Denn wenn Menschen öfter umziehen würden, hätten sie häufiger Zahlungsprobleme, meint die Schufa-Chefin. Das zeige rein die Statistik.

Transparenz deckt auch Schwächen auf

„Es ist ein Fortschritt, dass der neue Score transparent und nachvollziehbar ist“, sagt Katharina Lawrence, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale Hessen. Dadurch könnten Verbraucher besser verstehen, wie sie ihren Score beeinflussen können. Fehlerhafte Einträge könnten sie zudem leicht online melden.

„Gleichzeitig muss man sagen, dass die neue Transparenz die Schwächen des Scorings offenlegt“, kritisiert die Verbraucherschützerin. Benachteiligt würden dabei etwa Zugezogene. Denn so ein Umzug sage nicht automatisch etwas aus über die Kreditwürdigkeit einer Person. „Selbst bei einem ansonsten vorbildlichem Zahlungsverhalten kann sie beim Score keinen Höchstwert erzielen“, so Lawrence.

Jüngere Menschen automatisch weniger kreditwürdig

Auch jüngere Menschen sind laut Lawrence bei dem Bewertungssystem der Schufa schlechtergestellt. Denn diese könnten keine langjährigen Geschäftsbeziehungen vorweisen, weil sie erst in ihr Finanzleben starten würden.

Da heißt es bei der Schufa, ähnlich würden das Autoversicherungen bei Fahranfängern handhaben. Da müsse erst Vertrauen aufgebaut werden. Beginnen würden junge Menschen in der Regel mit einem akzeptablen Score, den können sie aber in nur wenigen Jahren deutlich verbessern.

Source: tagesschau.de