Eiffage und Vinci: Frankreichs vielversprechende Infrastrukturaktien

Die Rekordjagd an den globalen Aktienmärkten macht vor Paris nicht Halt. Ungeachtet aller Krisenherde und der festgefahrenen politischen Verhältnisse in Frankreich hat auch der Leitindex CAC 40 am vergangenen Freitag ein Allzeithoch erklommen.

Leichte Kursgewinne der Luxusriesen LVMH und Hermès sowie des Kosmetikkonzerns L‘Oréal genügten, um ihn in bislang unerreichte Sphären zu hieven. Die drei Unternehmen sind die Zugpferde des CAC 40. Zusammen kommen sie auf einen Börsenwert von mehr als 750 Milliarden Euro und ein Indexgewicht von knapp 30 Prozent.

Wie so oft in den vergangenen Jahren verzeichnen Rüstungstitel jedoch die größten Sprünge. An der Spitze des CAC 40 steht im neuen Jahr Thales . Um mehr als 18 Prozent ging es für den Aktienkurs des teilstaatlichen Konzerns seither bergauf.

Als Hersteller von Radargeräten, Sonaren, Nachtsichtgeräten, Wärmebildkameras, Drohnenabwehr sowie Satelliten, Cybersicherheit und Kurzstrecken- und Panzerabwehrraketen bleibt er eine gefragte Adresse in der aktuellen Bedrohungslage. Mit rund 55 Milliarden Euro liegt der Börsenwert von Thales inzwischen dreimal so hoch wie Anfang 2022.

Dassault Aviation komplettiert die „Big Four“

Auf der anhaltenden Aufrüstungswelle surfen auch die Luft- und Raumfahrtkonzerne Airbus und Safran. Mit einem Kursplus von acht bis neun Prozent gehören sie ebenfalls zu den größten Gewinnern im CAC 40 seit Jahresanfang. Der Börsenwert von Airbus liegt inzwischen bei mehr als 170 Milliarden Euro, der von Safran bei mehr als 130 Milliarden Euro.

Beiden Konzernen kommt zupass, neben ihren Verteidigungsaktivitäten ein unverändert hochprofitables ziviles Geschäft zu betreiben – Airbus hat Boeing als Weltmarktführer im Flugzeugbau abgehängt, Safran ist im CFM-Konsortium mit GE Aviation aus den USA Weltmarktführer bei den dazugehören Triebwerken.

Dassault Aviation komplettiert die „Big Four“ der französischen Rüstungsindustrie. Die Flugzeugschmiede notiert bislang im CAC Next 20-Index der mittelgroßen Werte, wird aber schon länger als Aspirant für den Aufstieg in den CAC 40 gehandelt. Knapp 15 Prozent Kursplus im neuen Jahr und ein Börsenwert von knapp 25 Milliarden Euro – zweieinhalbmal so viel wie der von Autohersteller Renault – sind ein starkes Argument für den Aufstieg. Kernprodukt von Dassault Aviation sind Rafale-Kampfjets.

Doch das Unternehmen weitet seinen Aktionsradius hier und da aus. Unlängst kündigte es die Entwicklung eines wiederverwendbaren Transport- und Operationsfahrzeugs für den erdnahen Orbit an, am Montag gab es eine strategische Partnerschaft mit dem französischen Rüstungs-Start-up Harmattan AI bekannt.

Stark im Aufwind

Blickt man auf die Entwicklung der vergangenen Monate, sind aber auch eine Reihe Unternehmen anderer Branchen im Aufwind – mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das oft deutlich unter dem der als zunehmend teuer oder gar überbewertet eingestuften Rüstungstitel liegt. Dazu gehören die französischen Kreditinstitute, allen voran Société Générale. Nach bleiernen Jahren feiert Europas nach Bilanzsumme sechstgrößte Privatbank unter dem seit 2023 amtierenden Vorstandschef Slawomir Krupa ein Comeback.

Sein tiefgreifender Konzernumbau trägt Früchte. Um nicht weniger als 153 Prozent legte der Aktienkurs im vergangenen Jahr zu – und geht es nach Marktbeobachtern, ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. So raten bei einem relativ niedrigen KGV von 9,55 in der aktuellen Bloomberg-Umfrage 18 von 24 Analysten zum Kauf der Société Générale-Aktie; die übrigen vier plädieren für Halten, zwei für Verkaufen.

Stark im Aufwind sind auch französische Bau- und Infrastrukturaktien. Mit Vinci und Bouygues befinden sich zwei globale Branchenschwergewichte im CAC 40, die seit Monaten ein stattliches Kurswachstum verzeichnen. Kurz vor Weihnachten stieg mit Eiffage dann auch Frankreichs dritter großer Bau- und Infrastrukturkonzern in den CAC 40 auf. Er ist bei Anlegern schon seit Längerem wohlgelitten. Der Aktienkurs von Eiffage ist binnen zwölf Monaten um mehr als 50 Prozent gestiegen, der Börsenwert hat die Marke von zwölf Milliarden Euro geknackt.

Eine sehr lohnenswerte Investition

Nicht zuletzt die deutlich steigenden Infrastrukturinvestitionen in Deutschland könnten den französischen Bauriesen neue Großaufträge bescheren. Schon heute sind Vinci und Eiffage hier unter anderem als Konzessionäre privatisierter Autobahnabschnitte feste Größen. Erstere haben etwa die A7 zwischen Göttingen und Bockenem ausgebaut, Letztere finalisieren aktuell im Verbund mit der Johann Bunte Bauunternehmung aus Papenburg den Ausbau der A3 zwischen Würzburg und Nürnberg.

Und vor allem Eiffage ist in Deutschland in jüngster Zeit auf Einkaufstour in den Bereichen Gebäudetechnik und Energieinfrastruktur gegangen. Die Franzosen haben nicht nur die Mehrheit an der Salvia Group aus Eislingen übernommen, sondern neben Eqos aus Biberach auch noch die kleineren Unternehmen IFT und Esacom.

Folgt man Bloomberg-Votum, ist der Kauf der Eiffage-Aktie eine sehr lohnenswerte Investition. 17 von 21 der befragten Analysten raten dazu. Die übrigen vier empfehlen, die Aktie zu halten, zum Verkauf rät niemand. Das KGV von Eiffage ist mit 10,69 unwesentlich höher als der von Société Générale. Kaum schlechter ist das Votum zu Vinci: Hier plädieren laut Bloomberg 20 von 27 Analysten für den Kauf und sechs zum Halten. Auch das KGV von Vinci ist mit 12,87 relativ niedrig.

Source: faz.net