E-Commerce: Kindliche Sexpuppen: EU-Kommission nimmt Shein ins Visier

Shein gehört zu den fünf größten Online-Mode-Shops in Deutschland. Im Modebereich ist der Ultra Fast Fashion-Anbieter die Nummer zwei hinter Zalando, ergaben Recherchen des E-Commerce-Analysten ECDB.
Der Online-Händler Shein sorgte in den vergangenen Wochen für Skandale um Sexpuppen in Kinderoptik und Waffen. Nun erhöht Brüssel den Druck.
Drei Fragen an Viola Wohlgemuth
Welche Erfolgschancen haben juristische Schritte gegen Shein?
Dass die Deutsche Umwelthilfe DUH eine Unterlassungserklärung wegen irreführender Werbung gegen Shein erwirkt hat, ist ein wichtiges Signal für die Branche. Wesentlich daran beteiligt war Viola Wohlgemuth, Senior-Expertin für Textil und Kreislaufwirtschaft bei der DUH und Mitglied im TW-Experten-Rat. Im TW-Interview erklärt sie, wie es jetzt weitergeht.
Verbraucherschutz im Fokus der EU-Kommission
Diese könnten sich negativ auf den Verbraucherschutz auswirken, argumentiert die Brüsseler Behörde. Besonders problematisch seien die Belohnungssysteme, weil auch Minderjährige auf der Plattform einkaufen könnten, sagte ein Kommissionssprecher.
Zudem geht es um die Transparenz der Empfehlungen, mit denen Shein seinen Nutzern Produkte per Algorithmus vorschlägt. Das europäische Recht schreibt großen Plattformen vor, die wesentlichen Parameter ihrer Algorithmen offenzulegen.
Unterlassungserklärung
Deutsche Umwelthilfe stoppt Greenwashing-Werbung von Shein
Als nach eigenen Angaben erste deutsche Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation hat die Deutsche Umwelthilfe einen wegweisenden juristischen Erfolg gegen den Shein erzielt. Weitere rechtliche Schritte gegen verbrauchertäuschende Praktiken seien bereits eingeleitet.
Handelsverband fordert Konsequenzen
Demnach müssen Nutzerinnen und Nutzer auch leichten Zugang zu mindestens einem Empfehlungssystem haben, das nicht auf persönlichen Daten basiert.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) lobte die Ankündigung der EU-Kommission als „ermutigendes Zeichen“. Präsident Alexander von Preen sagte: „Die Zeit der Worte muss vorbei sein, jetzt geht es um Taten. Das jahrelange Zuschauen, wie Händler und Plattformen aus Fernost unsere Regeln serienweise mit Füßen treten, darf sich nicht fortsetzen.“
Fulfillment
Shein schafft Logistikdrehkreuz in Breslau
Shein hat in Polen ein neues Logistikzentrum in Betrieb genommen. Als Drehkreuz in Europa soll das neue Distributionscenter schnellere Lieferungen an mehr als 100 Millionen Kundinnen und Kunden ermöglichen.
„Abschaltung einer Plattform darf kein Tabu sein“
Der unfaire Wettbewerb ruiniere heimische Handels- und Produktionsunternehmen. „Wenn die Missstände nicht konsequent und glaubhaft abgeschafft werden, darf auch die Abschaltung einer Plattform kein Tabu sein“, so von Preen.
In Deutschland sind chinesische Online-Händler wie Shein oder Temu beliebt. Laut HDE werden täglich etwa 400.000 Pakete von Shein und Temu nach Deutschland verschickt.
Online-Handel
Shein, Temu & Co: EU beschließt Paket-Abgabe schon ab Juli 2026
Von Online-Händlern wie Shein, Temu, AliExpress und Co kommen unzählige Pakete in die EU. Um die Paketflut einzudämmen, soll es für die Importeure nun teurer werden – und somit auch für Verbraucher?
Frankreichs Versuch einer Sperre gescheitert
Der Druck auf die EU-Kommission, hart gegen Shein durchzugreifen, kam zuletzt besonders aus Frankreich. Die französische Regierung hatte sogar versucht, die Online-Plattform für drei Monate zu sperren, scheiterte damit Ende Dezember aber zunächst vor Gericht.
Eine solche Sperre wäre eine ungerechtfertigte Beeinträchtigung der unternehmerischen Freiheit, urteilten die Richter. Laut EU-Kommission sind die Ermittlungen der französischen Behörden und das eigene Verfahren voneinander unabhängig.
Eröffnung in Frankreich: So sieht der erste Shein-Shop in Paris aus
Proteste in Frankreich
Anfang November hatte Shein eine erste feste Ladenfläche in Frankreich eröffnet. Damals protestierten Demonstranten gegen Fast Fashion, die Arbeitsbedingungen bei dem Händler und seine ökologische Bilanz.
Grundlage für das EU-Verfahren gegen Shein ist das Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act, kurz DSA). Die EU-Kommission wacht in der Europäischen Union über die Einhaltung dieser Regeln. Sie sollen unter anderem sicherstellen, dass Plattformen illegale Inhalte auf ihren Seiten schneller entfernen.
Nutzerinnen und Nutzern wird es leichter gemacht, solche Inhalte zu melden. Grundsätzlich müssen große Anbieter dabei mehr Regeln befolgen als kleine. Shein ist sowohl Hersteller, Händler als auch Marktplatz.
Sexpuppen-Skandal
EU-Kommission nimmt Shein unter die Lupe
Ein Skandal um den Verkauf von Sexpuppen in Kinderoptik zieht regulatorische Konsequenzen für den Online-Händler und Plattformbetreiber Shein nach sich. Die EU-Kommission fordert detaillierte Informationen, um zu klären, wie das Unternehmen gegen illegale Produkte vorgeht.
Erste EU-Verfahren gegen Shein
Es ist das erste Mal, dass die Brüsseler Behörde ein Verfahren gegen Shein eröffnet. Es gibt den Internetwächtern weitere Möglichkeiten bei den Ermittlungen – etwa interne Dokumente zu verlangen und weitere Informationen einzufordern.
Wie lange das Verfahren dauern wird, ist offen; das Gesetz setzt dafür keine Frist. Die Einleitung des Verfahrens auf Grundlage des DSA bedeutet laut Brüsseler Behörde noch nicht, dass es genug Beweise für einen Regelverstoß von Shein gibt.
Geldstrafe möglich, Sperre unwahrscheinlich
Sollte die EU-Kommission allerdings feststellen, dass Regelverstöße vorliegen, kann sie eine Geldstrafe verhängen. Die Brüsseler Internetwächter können aber auch Zusagen von Shein akzeptieren und die Ermittlungen einstellen. Eine Sperrung der Plattform gilt als letztes Mittel und als eher unwahrscheinlich.
Laut hochrangigen Beamten aus der EU-Kommission ist Shein in der Zusammenarbeit kooperativ. Besonders nach DSA-Verfahren gegen US-Unternehmen gab es hingegen zuletzt heftige Spannungen.
Neben Shein oder Temu und Tiktok ermittelt die Europäische Kommission wegen möglicher Verstöße gegen den DSA auch gegen den Facebook-Konzern Meta. Aus Europa geraten besonders Betreiber von Pornoseiten ins Visier.
Bitkom-Studie
Mehr als jeder zweite Online-Shopper kauft bei Temu und Shein
Preis und Neugier – das sind die Hauptgründe für den Einkauf bei chinesischen Online-Anbietern wie Shein und Temu. Das ist das Ergebnis einer Studie des Digitalverbands Bitkom. Alle Insights aus der Erhebung.
Erste DSA-Geldstrafe gegen X
Anfang Dezember hatte die EU zudem erstmals auf Grundlage des Gesetzes eine Geldstrafe gegen Elon Musks Online-Netzwerk X verhängt. Die US-Regierung unter Donald Trump reagierte damals scharf, sprach von Zensur und verhängte Einreiseverbote gegen einen der Architekten der Digitalgesetze sowie andere Europäer.
Shein gehört zu den fünf größten Online-Mode-Shops in Deutschland. Im Modebereich ist der Ultra Fast Fashion-Anbieter die Nummer zwei hinter Zalando, ergaben Recherchen des E-Commerce-Analysten ECDB.