DZ-Bank-Umfrage: Der deutsche Mittelstand meidet die USA

Die erratische Zoll- und Wirtschaftspolitik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump hinterlässt ihre Spuren im deutschen Mittelstand. Das Interesse hiesiger Unternehmen, sich in den Vereinigten Staaten zu engagieren, hat drastisch nachgelassen und ist ins Negative gerutscht. Das zeigt eine Umfrage der DZ Bank unter mittelständischen Unternehmen, die an diesem Montag veröffentlicht wird.
Danach können sich nur noch neun Prozent der Unternehmen vorstellen, dass die Vereinigten Staaten in den kommenden fünf Jahren eine größere Rolle in ihren Lieferketten spielen werden. 19 Prozent erwarten dagegen, dass die Rolle der USA kleiner ausfallen wird. Im Saldo der positiven und negativen Stimmen ergibt das minus zehn Punkte.
Im Frühjahr 2022, als die DZ Bank erstmals diese Frage an mittelständische Unternehmen stellte, lag das Interesse an den Vereinigten Staaten im Saldo noch positiv bei plus acht Punkten. Einen so starken Absturz in der Beliebtheit hat in den Umfragen der DZ Bank seit 2022 noch kein anderes Land erlebt. Im Saldo ist das Interesse an den Vereinigten Staaten derzeit in etwa so gering wie an Engagements in der Ukraine oder in Russland. Die gestiegene Abneigung gegenüber den USA als Teil der eigenen Lieferkette ziehe sich durch fast alle Branchen und Größenklassen, schreibt DZ-Bank-Ökonom Claus Niegsch. Einzige Ausnahme sind demnach mittelständische Unternehmen der Elektroindustrie.
Deutsche Unternehmen investieren weniger
Die Ergebnisse der Umfrage werden gestützt durch eine Auswertung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. Danach haben deutsche Unternehmen in den ersten zehn Monaten der Präsidentschaft Trump 45 Prozent weniger in den Vereinigten Staaten investiert als im Vorjahreszeitraum. Die Direktinvestitionen sanken von fast 19 Milliarden auf 10,2 Milliarden Euro. Damit lagen sie auch im längerfristigen Vergleich 24 Prozent niedriger als das übliche Niveau.
Neben dem abrupten Vertrauensverlust in die Vereinigten Staaten zeigt die Umfrage der DZ Bank eine Rückbesinnung der Unternehmen im Mittelstand auf den Inlandsmarkt. Mehr als die Hälfte der Unternehmen strebt einen verstärkten Absatz in Deutschland und einen vermehrten Einkauf in Deutschland und in der Europäischen Union an. Dieser Trend ist in den ostdeutschen Bundesländern stärker ausgeprägt als im Westen. Mehr als 40 Prozent der Unternehmen in ganz Deutschland wollen Absatz und Einkauf verstärkt auf lokale und regionale Märkte ausrichten.
Rückbesinnung auf Deutschland
Niegsch beschreibt die Rückbesinnung auf Deutschland als Teil einer Strategie der Mittelständler, sich zur Diversifizierung räumlich möglichst breit aufzustellen. Die Länder Westeuropas sowie Mittel- und Osteuropas bleiben gemäß der Umfrage wichtigste Zielstaaten zur Absicherung der Lieferketten. Im Vergleich der großen asiatischen Staaten China und Indien hat Indien unter den deutschen Mittelständler leicht die Nase vorn. Die Zweifel an Engagements dort haben seit 2024 aber zugenommen. In China haben nur noch die Mittelständler in der Elektroindustrie ein großes Interesse an einem Ausbau der Verbindungen. An Indien sind zusätzlich auch Unternehmen der Chemieindustrie und des Metall-, Automobil- und Maschinenbaus interessiert.
Von den Zöllen Trumps betroffen sind nach der Umfrage nur zwölf Prozent der Unternehmen. 44 Prozent berichteten indes, dass die Zölle ihre Kunden und Zulieferer träfen, was sich indirekt auf das eigene Geschäft auswirkt. Am stärksten betroffen sind die Elektroindustrie, der Metall-, Automobil- und Maschinenbau und die chemische Industrie. Insgesamt 44 Prozent sagten, dass die amerikanischen Zölle sie nicht belasteten.
23 Prozent der befragten Unternehmen des deutschen Mittelstands erklärten, dass die wechselhafte Handelspolitik der Vereinigten Staaten die Planungssicherheit erschwere. Im Metall-, Automobil- und Maschinenbau klagen 40 Prozent über die höhere Unsicherheit. Für die Umfrage hat die DZ Bank im vergangenen Herbst 1000 Unternehmen befragen lassen. Die jüngsten Turbulenzen rund um Grönland sind damit noch nicht berücksichtigt.