DuMont übernimmt: Die „Kölnische Rundschau“ verschwindet

Der Schock sitzt tief. Bei der Belegschaft, in der Stadtgesellschaft, der Landespolitik, der Medienszene und bei den Lesern sicherlich erst recht: Die „Kölnische Rundschau“ gibt es nur noch dem Namen nach. Die Verlagsgeschäfte hatte der DuMont-Verlag schon 1998 übernommen, nun gehen Herausgeberschaft und redaktionelle Verantwortung zum 1. April an DuMont über. 30 Mitarbeiter verlieren ihren Job, 80 Jahre „Rundschau“-Geschichte gehen zu Ende.
Die Wahl zwischen zwei Übeln
Ordnete DuMont die Zeitung nicht in die „Kölner Stadt-Anzeiger Medien“ ein und übernähme er nicht die Anteile des Heinen-Verlags an der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft, die Lokales für „Stadtanzeiger“ und für die „Rundschau“ (bisher bei Heinen) produziert, und setzte er nicht einen Chefredakteur für den Titel ein, bliebe von diesem – nichts.
Die ganze „Rundschau“-Redaktion werde bis Ende März aufgelöst, sagt die Journalistengewerkschaft DJU. Das sei eine „Mogelpackung nach dem Modell Zombie-Zeitung“, meint die NRW-Landesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Andrea Hansen. Ihr Namensvetter Lars Hansen, Ko-Bundesvorsitzender der DJU, geißelt „die Kaltblütigkeit der Geschäftsführung von DuMont und des ehemaligen BDZV-Präsidenten Helmut Heinen“; die Belegschaft binnen Monatsfrist zu entlassen, sei unwürdig.
Das geschehe auch nicht, heißt es seitens der Verlage. 30 Stellen würden gestrichen, die tariflichen Kündigungsfristen aber eingehalten, sagt der bisherige „Rundschau“-Herausgeber Johannes Heinen dem Fachdienst „Kress“. DuMont spreche gar keine Kündigungen aus, heißt es von dort, man heuere sogar 30 Mitarbeiter für digitale Aufgaben an. Man stelle „die Strukturen bereit“, sagt der DuMont-CEO Christoph Bauer, damit die „Rundschau“ ihre „publizistische Rolle auch in Zukunft stark und erfolgreich wahrnehmen kann“.
„Zäsur in der Kölner Mediengeschichte“
Für die Zeitung, deren Abozahlen Jahr für Jahr um zehn Prozent sanken, wie Herausgeber Johannes Heinen sagt, gab es bei einer zuletzt gemeinsam mit dem „Stadtanzeiger“ gemeldeten Auflage von 138.323 Exemplaren nur die Wahl zwischen zwei Übeln: komplette Übernahme oder komplettes Verschwinden. Was hier geschieht, fasst der Chef der Landtagsfraktion der SPD, Jochen Ott, in Worte: eine „Zäsur in der Kölner Mediengeschichte“. Über Jahrzehnte hinweg habe die „Rundschau“ Verantwortung übernommen, ihr Verdienst um „den Erhalt einer lebendigen demokratischen Öffentlichkeit in Köln“ könne „nicht hoch genug eingeschätzt werden“.
Die Zeiten, in denen sich „Rundschau“, „Stadtanzeiger“ und der Bonner „Generalanzeiger“ eine lebhafte Konkurrenz lieferten, von der alle profitierten, sind indes lange vorbei. In Köln komplettiert sich ein Umbruch, wie wir ihn andernorts schon erlebt haben (in Frankfurt mit der „Frankfurter Rundschau“, an der fünf Jahre lang der F.A.Z.-Verlag beteiligt war und die heute zu Ippen gehört). Er bedeutet im besten Fall, dass es die freie Presse an dieser Stelle überhaupt noch gibt.
Source: faz.net