Düsseldorfer Stahlunternehmen: Ein Schubser zu Händen Klöco in die Arme dieser Amerikaner

Es ist mit großer Wahrscheinlichkeit die letzte Bilanzveröffentlichung des Traditionsunternehmens Klöckner & Co (Klöco) unter mehrheitlich deutscher Eignerschaft, aber Wehmut will bei Vorstandschef Guido Kerkhoff nicht aufkommen. Es sei „einfach in der Sache sinnvoll“, das Unternehmen aus dem Ruhrgebiet an den amerikanischen Stahlkonzern Worthington Steel zu verkaufen, sagte der Manager im Gespräch mit der F.A.Z.
Das etwas kleinere Unternehmen Worthington aus Ohio steht kurz davor, Klöco für rund 2,1 Milliarden Euro zu übernehmen. Da passt es gut, dass der Stahlhändler und Metallverarbeiter an diesem Mittwoch respektable Zahlen vermelden kann: Klöco konnte im Jahre 2025 seinen Verlust unterm Strich verkleinern und den operativen Gewinn steigern.
Dass sein Unternehmen ein Übernahmeobjekt ist, nimmt Kerkhoff positiv. Schon jetzt macht Klöco rund 60 Prozent seines Geschäfts in Nordamerika. „Man sieht ja, dass wir überall unter Überkapazitäten und mangelnder Konsolidierung in unserem Sektor leiden“, sagt Kerkhoff. „Und der nordamerikanische Markt sortiert sich schneller.“
Im Falle von Worthington und Klöco gebe es kaum regionale Überschneidungen, daher bedeute der Zusammenschluss vor allem: „Wir werden größer.“ Genauer: Gelinge die Fusion wie geplant, entstehe das zweitgrößte Metallhandels- und Metallverarbeitungsunternehmen in den Vereinigten Staaten. Die Folge seien bessere Einkaufskonditionen und eine breitere Kundenbasis.
Annahmefrist läuft nun bis Ende März
Zuletzt allerdings hatten die Übernahmepläne auf wackeligen Beinen gestanden. Worthington bietet 11 Euro je Klöco-Aktie, deren Kurs jedoch während der Annahmefrist häufig über dieser Marke lag. Etliche Investoren waren bislang zurückhaltend, das Angebot anzunehmen. Gleichzeitig wollte Worthington sich nicht darauf einlassen aufzustocken. Am Dienstag dann, als bis zum Ablauf der ersten Annahmefrist im Rahmen des freiwilligen Kaufangebots nur noch zwei Tage Zeit blieben, gab Worthington dem Prozess einen Schubser und senkte die Mindestannahmeschwelle von 65 auf nunmehr noch 57,5 Prozent. Der Angebotspreis soll aber weiter gleich bleiben.
Die Annahmefrist hat sich durch diese Änderung nun bis zum 26. März verlängert, doch das Gelingen der Übernahme dürfte aufgrund der neuen Schwelle glatt über die Bühne gehen. Die Amerikaner hatten sich nämlich bis zum Montag nach eigenen Angaben 56,9 Prozent der Anteile gesichert, darunter auch die Aktien von Klöco-Ankeraktionär Friedhelm Loh. Der hessische Milliardär, der sein Vermögen vor allem im Maschinenbau verdient hat, hält fast 42 Prozent an dem Düsseldorfer Stahlunternehmen.
Klöco schreibt weiter unterm Strich Verluste, konnte diese aber im abgelaufenen Geschäftsjahr im Vergleich zum Jahr 2024 deutlich verkleinern. Das Unternehmen meldet nun ein Minus von 53 Millionen Euro – im Vorjahr hatte Klöco einen Fehlbetrag von 176 Millionen Euro verbucht. Das sei trotz eines „sehr, sehr schwierigen Jahresumfelds“ gelungen, wie Kerkhoff betont. In einem von sinkenden Preisen geprägten Markt sanken auch die Umsätze leicht.
Dividende soll stabil bleiben
Vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und wesentlichen Sondereffekten, erzielten die Düsseldorfer dennoch einen operativen Gewinn (Ebitda) von 171 Millionen Euro, deutlich mehr als im Vorjahr, wo es noch 136 Millionen Euro gewesen waren. Damit trifft Klöco ganz knapp am unteren Ende seine Ebitda-Prognose von 170 bis 240 Millionen Euro. Der Absatz stieg leicht von 4,45 Millionen Tonnen im Jahr 2024 auf nun 4,53 Millionen Tonnen – „eine starke Zahl, auf die ich besonders stolz bin, weil der US-Markt nicht gewachsen ist“, sagt Kerkhoff. „Wir waren in unserem Sektor die einzigen, die gewachsen sind.“ Sicherlich sei das auch „einer der Gründe, warum Worthington an uns interessiert ist“. Die Aktionäre sollen eine stabile Dividende von 20 Cent je Anteilsschein erhalten.
Strategisch wähnt sich Klöco, das sich immer mehr vom reinen Stahlhändler weg und hin zum Anarbeitungs- und Servicegeschäft entwickelt, auf dem richtigen Weg. Kerkhoff sagt, Klöco sei „für nachhaltiges Wachstum in Nordamerika und Europa positioniert“. Worthington möchte nach der Übernahme einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abschließen. Dies würde Klöco künftig verpflichten, als Tochtergesellschaft seine Gewinne an die Amerikaner weiterzureichen, zugleich müsste die neue Muttergesellschaft für die Verluste von Klöco einstehen.
Ob dies zustande kommt, hängt auch maßgeblich davon ab, ob auf der nächsten Hauptversammlung mindestens 75 Prozent der Aktionäre zustimmen. Kerkhoff sagt: „Ich würde das erwarten.“ Es sei auch folgerichtig. „Wer so viel Geld in die Hand nimmt“, der wolle natürlich auch die Kontrolle über das Unternehmen haben. Kerkhoff selbst soll auch unter der amerikanischen Eignerschaft künftig weiter von Düsseldorf aus Klöco als eigenständige Konzerneinheit managen, sein Vertrag läuft bis Ende August 2029. Standortschließungen oder Entlassungen sind nicht geplant.