Drohnenabwehr: Ukraine entsendet Experten nachdem Nahost

Die ukrainische Flugabwehr fängt eine Shahed-Drohne während eines russischen Luftangriffs an.

Stand: 11.03.2026 • 02:56 Uhr

Know-How aus der Ukraine ist in den Golfstaaten gefragt: Drohnenexperten geben ihr Wissen weiter, Rüstungsfirmen wollen dorthin liefern. Präsident Selenskyj signalisiert Hilfe – sorgt sich aber um die eigene Abwehr.

Von Niels Bula, ARD-Studio Kiew

Eine Abfangdrohne startet in den Himmel. Das Modell wurde vom ukrainischen Unternehmen Skyfall entwickelt und ist bereits seit vier Monaten im Einsatz. Nach Angaben von Skyfall wurden seitdem damit 1.500 Shahed-Drohnen ausgeschaltet, mit denen Russland die Ukraine angreift. Dabei verfolgen die Abfangdrohnen ihre Ziele und kollidieren dann mit ihnen.

Reporter der britischen Nachrichtenagentur Reuters konnten mit einem Vertreter des Unternehmens, der anonym bleiben will, sprechen. Skyfall sei bereit, auch Drohnen ins Ausland zu liefern, so der Unternehmenssprecher: „Es gibt starkes Interesse und wir bekommen Anfragen von Ländern aus dem Nahen Osten“. Welche Länder das genau seien und um welche Projekte es gehe, könne er nicht sagen – aber das Interesse sei definitiv da.

Ukrainische Expertenteams bereits entsendet

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj berichtete ebenfalls von einer starken Nachfrage nach ukrainischem Know-How und Technik zur Drohnenabwehr. Elf Länder – darunter die USA, Nachbarländer Irans und europäische Staaten – hätten Interesse gezeigt, so Selenskyj. Ukrainische Expertenteams seien bereits nach Katar, Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate entsendet worden.

Gleichzeitig zeigt sich der Präsident besorgt, dass die Ukraine wegen des Krieges im Nahen Osten weniger US-amerikanische Patriot-Abwehrraketen erhält. In den ersten Tagen sollen dort bereits 800 dieser Raketen gegen iranische Drohnen und Raketen eingesetzt worden sein – das sind mehr als die Ukraine in den vier Jahren der russischen Großinvasion erhalten hat.

„Ich danke allen Staaten, die sich an das Hilfsprogramm erinnern, durch das wir US-Abwehrraketen kaufen können. Wir sind uns alle der Risiken durch iranische Angriffe bewusst und dass auch im Nahen Osten Luftabwehr notwendig ist“, sagte Selenskyj. Es sei aber auch wichtig, in der Ukraine den Schutz von Menschenleben zu gewährleisten.

Abfangdrohnen im Tausch gegen Patriot-Raketen?

Selenskyj hofft auf einen Waffentausch: ukrainische Abfangdrohnen gegen Patriot-Raketen. Die Patriots benötigt die Ukraine, um sich gegen russische Raketen zu verteidigen. Für die Abwehr großer Drohnenschwärme hingegen seien die Patriots nicht geeignet, sagte Mychajlo Ljuksikow von der Denkfabrik Militarnyj dem Radiosender New Voice. „Eine Patriot-Rakete kostet bis zu dreizehn Millionen Dollar.“ Im Vergleich dazu koste eine Abfangdrohne weniger als zehntausend Dollar. „Für diesen Preis kann man also Hunderte Abfangdrohnen einsetzen“, so Ljuksikow.

Die Unternehmen sehen ihre Produktion gut genug aufgestellt, um sowohl die heimische Armee als auch andere Länder mit Drohnen zu beliefern. Ihor Fedirko, Geschäftsführer eines ukrainischen Verbands der Verteidigungsindustrie, sagte New Voice: „Unsere Industrie ist bereit. Das haben wir immer gesagt. Wir produzieren dreimal so viel, wie die Ukraine kaufen kann.“ Das gelte auch für Abfangdrohnen.

Entscheidend sei aber nicht nur die Technik, so Fedirko. Vor allem müsse das Personal, das die Drohnen bedient, zunächst ausgebildet werden.

Source: tagesschau.de