Donald Trump vertreibt den deutschen Mittelstand aus den USA
Viele kleine und mittelgroße Unternehmen haben die Lust an den Vereinigten Staaten verloren. Mehr als die Hälfte beklagt negative Folgen der Politik des US-Präsidenten auf ihr Geschäft. Kaum mehr als jeder zehnte Mittelständler setzt noch auf die USA.
Für Deutschlands Mittelstand haben die Vereinigten Staaten mit US-Präsident Donald Trump deutlich an Reiz verloren. Mehr als jedes zweite Unternehmen berichtet über negative Auswirkungen der Handels-, Wirtschafts- und Außenpolitik auf das eigene Geschäft.
Als Konsequenz ziehen sich viele kleine und mittelgroße Unternehmen aus dem US-Geschäft zurück. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Sonderbefragung der staatlichen Förderbank KfW im Januar als Teil des von ihr seit vielen Jahren erhobenen Mittelstandspanels.
Demnach wirkt sich die US-Politik der vergangenen Monate für 52 Prozent der deutschen Mittelständler mit Geschäftsbeziehungen in die Vereinigten Staaten negativ aus: 25 Prozent berichten von „sehr negativen“, weitere 27 Prozent von „eher negativen“ Folgen. 36 Prozent sehen keine Veränderungen. Nur sieben Prozent fühlen sich durch die politischen Entscheidungen seit Trumps Amtsübernahme im Januar 2025 begünstigt.
In die Wertung gingen die Antworten von 1700 mittelständischen Unternehmen mit einem Jahresumsatz unter 500 Millionen Euro ein. Die Zahlen liegen WELT AM SONNTAG exklusiv vor.
Die Folgen sind drastisch: Der Anteil der Mittelständler, der überhaupt noch Geschäftsbeziehungen in die Vereinigten Staaten hat, ist innerhalb eines Jahres von 16,4 Prozent im Januar 2025 auf 11,3 Prozent im Januar 2026 gesunken. Im September 2019, als die Frage bereits gestellt wurde, lag er sogar noch bei 18,7 Prozent.
Vor allem aus dem Export haben sich viele Unternehmen zurückgezogen: Im Januar 2026 hatten noch 5,8 Prozent aller Mittelständler Kunden in den Vereinigten Staaten. Im Januar 2025 verschickten noch 8,5 Prozent der Mittelständler Waren in die größte Volkswirtschaft der Welt.
Eine rasche Rückkehr des Mittelstands in die Vereinigten Staaten erwartet KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher nicht. „Die Zurückhaltung deutscher Unternehmen auf dem US-Markt dürfte noch so lange anhalten, bis sie wieder mehr Vertrauen in die amerikanische Wirtschaftspolitik haben“, sagte er.
Die aggressive Zollpolitik der US-Regierung der vergangenen Monate habe ihren Teil zu der Skepsis beigetragen. Noch stärker als die höheren Zölle belaste allerdings die erneute Unsicherheit über deren künftige Entwicklung die Unternehmen. Im Februar hatte das oberste US-Gericht einen Großteil der Zölle für unwirksam erklärt, woraufhin Trump eine Übergangslösung ankündigte.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.
Karsten Seibel ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet über Haushalts- und Steuerpolitik, aber auch Handel und Zölle.
Source: welt.de