„digitaler Notfall“: Indonesien verbietet Social Media für jedes unter 16-Jährige

Nach Australien hat nun auch Indonesien „hochriskante“ Social-Media-Dienste für junge Menschen unter 16 Jahren verboten. Die Sperren sollen schrittweise von Ende März an umgesetzt werden, sagte die indonesische Kommunikationsministerin Meutya Hafid am Freitag. Sie erwähnte insbesondere YouTube, TikTok, Facebook und Instagram. Auch X, Roblox und weitere Angebote seien betroffen. „Die Regierung greift ein, damit Eltern nicht länger allein gegen die Giganten der Algorithmen kämpfen müssen“, betonte sie. Dies sei ein „digitaler Notfall“.
Kinder und Eltern sollen für das Umgehen der Sperre nicht bestraft werden, sondern Unternehmen, wenn sie Kinder nicht ausreichend schützen. Die geplanten Maßnahmen zur Einhaltung reichen von Strafzahlungen bis zu einer kompletten Sperrung der Plattform in dem südostasiatischen Land. TikTok Indonesien und Google Indonesien reagierten zunächst nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme.
„Nicht die Kindheit opfern“
„Wir wollen die Hoheit über die Zukunft unserer Kinder zurückgewinnen. Wir wollen, dass Technologie den Menschen dient und nicht die Kindheit unserer Kinder opfern“, betonte die Ministerin. Mit dem Verbot sollten Minderjährige vor Risiken wie Pornografie, Cybermobbing, Online-Betrug und suchtartiger Internetnutzung geschützt werden. Es gebe aber noch keine Informationen über Details der Durchsetzung.
Laut Umfragen von 2025 sind Eltern in Indonesien mehrheitlich für eine Zugangsbeschränkung Minderjähriger zu Sozialen Medien. Als Hauptgrund nannten die meisten Befragten altersunangemessene Inhalte.
Jedes zweite Kind stößt auf sexuelle Inhalte
Nach Informationen der Regierung sind 80 Prozent der Minderjährigen in Indonesien mit dem Internet verbunden. Ein UNICEF Bericht aus dem Jahr 2023 gibt an, dass die Hälfte der befragten indonesischen Kinder schon mit sexuellen Bildern auf Social Media konfrontiert worden sei.
Das viertbevölkerungsreichste Land der Welt hat bereits Schritte gegen sexuelle Inhalte im Internet unternommen. So sind Plattformen wie OnlyFans und Pornhub verboten worden. Auch die KI ‚Grok‘ von Elon Musk wurde blockiert, nachdem dort explizite Bilder generiert werden konnten.
Vergangene Woche führte Indonesiens Ministerium für Kommunikation und Digitalisierung (MCDA) eine unangekündigte Inspektion im Büro von Meta in Jakarta durch. Als Grund wurden Bedenken bezüglich schädlicher Inhalte auf den Plattformen des Tech-Giganten angegeben sowie dessen angeblich geringe Einhaltung von nationalen Regularien. Das Ministerium ließ verlautbaren, dass dies als ernste Warnung zu verstehen sei.
Schritte innerhalb der EU
In Brüssel hatte am Donnerstag eine EU-Expertenkommission zu einem möglichen Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche ihre Arbeit aufgenommen. Die Experten sollen Empfehlungen abgeben, wie die EU Kinder und Jugendliche besser vor Suchtgefahren und Gewalt auf Instagram, Snapchat und Co. schützen kann.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen spricht sich für ein Verbot von Online-Netzwerken für Kinder und Jugendliche unter 15 oder 16 Jahren aus. Sie hat bislang aber keinen Gesetzesvorschlag vorgelegt.
Australien hatte bereits im Dezember als weltweiter Vorreiter TikTok, YouTube, Snapchat und andere Dienste verpflichtet, Konten von Unter-16-Jährigen zu löschen.
Frankreich, Dänemark und Spanien haben ähnliche Vorhaben bereits angekündigt oder beschlossen. Für die Umsetzung ist aber ohnehin die EU-Kommission zuständig, sie ist für die Überwachung der großen Online-Plattformen zuständig und kann Bußgelder verhängen.
Source: faz.net