Digitale Vermögenswerte: Prager Notenbank investiert erstmals in Bitcoin und KI

Die Notenbank der Tschechischen Republik (ČNB) investiert erstmals in ihrer Geschichte in digitale Vermögenswerte. Das Testportfolio mit Kryptowährungen auf Basis der Blockchain-Technologie habe einen Wert von einer Million US-Dollar, teilte die Notenbank in Prag mit. Es umfasse Bitcoin, Stablecoin auf US-Dollar-Basis sowie eine „tokenisierte Hinterlegung“ auf der Blockchain. Darunter wird die digitale Abbildung realer Vermögenswerte wie Aktien, Gold oder Immobilien verstanden.
Die Notenbank wolle damit praktische Erfahrungen in einem sich ändernden finanzpolitischen Umfeld erwerben, teilte sie mit. Es sei aber nicht geplant, Bitcoin oder andere digitale Assets „in naher Zukunft“ in ihre internationalen Reserven aufzunehmen. Zu den Neuerungen gehört auch die Gründung einer Einheit, die sich speziell mit den Folgen der Digitalisierung für Zahlungsverkehr und Geldpolitik befasst, bis hin zum Einsatz Künstlicher Intelligenz.
EZB lehnt ab, Devisenreserven in Bitcoin zu investieren
Gouverneur Aleš Michl hatte im Januar angekündigt, er erwäge einen Teil der Devisenreserven der Bank in Bitcoin zu investieren. Damals war von bis zu fünf Prozent der Reserven die Rede, was bei einem Bestand von 140 Milliarden Euro rechnerisch Bitcoin im Wert von sieben Milliarden Euro entsprochen hätte. Michl hatte sich damit innerhalb des eigenen Bankvorstands, der Regierung, aber auch von anderen Notenbanken wie EZB und Bundesbank Widerspruch eingehandelt.
Gemessen an der damaligen Debatte ist das nun beschlossene Testportfolio finanziell kaum der Rede wert. Die Prager Notenbank hebt zudem hervor, dass die digitale Vermögensreserve von den internationalen Reserven getrennt verwaltet werde. Sie beeinträchtigten „in keiner Weise die Fähigkeit der ČNB potenzielle Deviseninterventionen durchzuführen oder die Geldpolitik zu lenken“, suchte sie etwaige Sorgen zu zerstreuen.
Michl will über Erfahrungen informieren
Doch habe eine Analyse der vergangenen Monate gezeigt, dass sich digitale Assets weiterentwickelten. Sie flössen in das Anlagevermögen von Fonds und Unternehmen ein und könnten in Zukunft zunehmend an Akzeptanz gewinnen. Die ČNB wolle auf diese Veränderungen vorbereitet sein.
In der tschechischen Kryptowährungsbranche wurde die Neuerung mit viel Lob willkommen geheißen. Das zeige einmalmehr, „dass wir zu den innovativsten Ländern der Kryptowelt gehören“, zitierte das Wirtschaftsblatt „HN“ den Kryptobörsengründer Martin Stránský. Andere sprachen von einem „visionären Schritt“ Michls.
Der versprach, die Öffentlichkeit laufend über die gewonnenen Erfahrungen zu informieren. Er werde „in etwa zwei bis drei Jahren eine Gesamtbewertung des Projekts vorlegen“. Michel bekräftige, die Krone sei das gesetzliche Zahlungsmittel der Tschechischen Republik. Die ČNB werde sich weiterhin darum bemühen, die Inflation niedrig und die Krone stark zu halten.
„Zukunftsorientierter und visionärer sein“
In den kommenden Jahren würden jedoch zügig neue Zahlungs- und Anlagemöglichkeiten entstehen. Dank der ČNB habe jeder Zugang zu Instant Payments und könne damit schnell und digital bezahlen. „Aber lassen Sie uns zukunftsorientierter und visionärer sein“, sagte Michl. Es sei „realistisch zu erwarten, dass es in Zukunft einfach sein wird, mit der Krone tokenisierte tschechische Anleihen und vieles mehr zu kaufen – mit einem Fingertipp einen Espresso; mit einem anderen eine Investition wie eine Anleihe oder ein anderer Vermögenswert, der früher größeren Anlegern vorbehalten war.“ Die Zentralbank wolle diesen Weg testen.
Deshalb werde man praktische Erfahrungen mit Blockchain-basierten Technologien sammeln, die künftig den Betrieb des Finanz- und Zahlungssystems grundlegend beeinflussen könnten. Im Testportfolio werde die Notenbank die gesamte Prozesskette rund um Kauf, Verwahrung und das Management digitaler Assets erproben. Das reiche von der technischen Verwaltung von Schlüsseln und mehrstufigen Genehmigungsprozessen über Krisenszenarien und Sicherheitsmechanismen bis hin zur Kontrolle der Einhaltung von Richtlinien zur Unterbindung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung.
ČNB testet verschiedene digitale Vermögenswerte
Aus dem Grund gliedere sich das Portfolio in mehrere Teile: Bitcoin, auf US-Dollar-Stablecoins und eine tokenisierte Hinterlegung auf der Blockchain. So könne die ČNB unterschiedliche Arten digitaler Vermögenswerte und ihre Eigenschaften vergleichen. Man werde testen, wie sie im Handel verwendet und abgerechnet werde, verbucht und die Bestände geprüft würden. Die dabei gewonnenen Kenntnisse und deren Weiterentwicklung sei ebenfalls wichtig für das mit der Überwachung des Geldverkehrs betraute Personal der Notenbank. Obwohl in der Theorie vieles bekannt sei, werde erst die Praxis die Details und Schwierigkeiten des täglichen Betriebs offenbaren.
Man werde das Testportfolio nicht aktiv vergrößern. Wohl aber könne sein Wert und Zusammensetzung sich im Laufe des Tests je nach den durchgeführten Testoperationen und dem Marktpreis von Bitcoin etwas ändern. „Es ist wichtig zu betonen, dass der Wert von Bitcoin erheblich schwanken kann“, ließ sich Michl samt der folgenden Warnung zitieren: „Kein Investor sollte Bitcoin kaufen, ohne sich der damit verbundenen erheblichen Risiken bewusst zu sein.“
Der Bankvorstand beschloss zudem die Gründung eines digitalen Testzentrums. Das „ČNB-Lab“ solle die Erprobung von Technologien und Trends überwachen, die in Zukunft das Funktionieren des Finanzmarktes und die Geldpolitik beeinflussen können. „Das CNB-Lab soll eine Plattform sein, um Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Erprobung neuer Technologien und Trends zu sammeln“, erklärte Michl. Neben Blockchain und digitalen Assets werde man sich auf KI-Tools und Zahlungsinnovationen konzentrieren. „Die Idee ist, praktische Erfahrungen zu sammeln, berufliche Kapazitäten aufzubauen und so gut wie möglich auf das vorbereitet zu sein, was die Zukunft bringen wird.“