Dieselpreis stieg drei Mal so stark wie Ölpreis – Ölkonzerne halten Preisanstieg zu Gunsten von gerechtfertigt
Die stark gestiegenen Spritpreise sorgen weiter für Kritik. Tankstellenbetreiber werfen Mineralölkonzernen vor, die Lage auszunutzen. Die Konzerne können die „Irritationen unter Autofahrern“ verstehen – verteidigen aber ihr Vorgehen.
Die Kritik von Tankstellenbetreibern an den Mineralölkonzernen wegen der stark gestiegenen Spritpreise reißt nicht ab. „Das ist Raubtierkapitalismus wie im 19. Jahrhundert und hat mit sozialer Marktwirtschaft nichts zu tun“, sagte der Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands (TIV), Herbert Rabl, der „Stuttgarter Zeitung“.
Er monierte, dass Rohöl zu einem viel günstigeren Preis eingekauft und raffiniert worden sei und seitdem teilweise in den Tanks unter den Tankstellen lagere. Nun werde es deutlich teurer verkauft – ein Preis, mit dem die Konzerne ursprünglich nicht kalkuliert hätten. Das sei „Abzocke“, so Rabl weiter.
Auf die Preise an der Zapfsäule selbst hätten die Pächter keinen Einfluss. Diese würden von den Konzernen gemacht – den Frust der Autofahrer bekämen dann die Tankstellenpächter und ihre Angestellten ab, führte Rabl weiter aus.
Eine Analyse des Ökonomen Johannes Schwanitz, die dem „Spiegel“ vorliegt, kommt zu dem Ergebnis, dass die Konzerne durch den starken Anstieg der Benzin- und Dieselpreise an deutschen Tankstellen erhebliche Zusatzgewinne erzielen. „Die Mineralölwirtschaft nutzt diese Lage, um ihre Gewinnspanne auszuweiten“, sagte Schwanitz. Grundlage der Untersuchung ist ein Vergleich der Kraftstoffpreise in Deutschland mit den Rohölpreisen an den Weltmärkten.
So stark stiegen die Gewinnmargen der Ölkonzerne
Laut der Analyse sind die Spritpreise in Deutschland deutlich stärker gestiegen, als es die höheren Rohölkosten erklären würden. Die Rohölsorte Brent verteuerte sich seit Kriegsbeginn umgerechnet um etwa acht Cent pro Liter. Der Preis für Super E5 an deutschen Tankstellen stieg im gleichen Zeitraum jedoch von 1,77 auf 1,94 Euro pro Liter – ein Plus von 17 Cent. Ohne Mehrwertsteuer verlangen Anbieter damit rund 14 Cent mehr pro Liter, fast doppelt so viel, wie der Anstieg beim Rohöl rechtfertigen würde.
Beim Diesel fiel der Preissprung noch stärker aus: Der Durchschnittspreis stieg von 1,74 auf 2,04 Euro pro Liter. Netto entspricht das einem Anstieg von rund 25 Cent.
Ähnlich hatten sich zuvor auch Tankstellenbetreiber in Ostdeutschland geäußert. „Die Kollegen an den Kassen kriegen natürlich schon sehr deutlich den Unmut der Leute mit“, hatte Hans-Joachim Rühlemann, Vorsitzender des Verbands des Garagen- und Tankstellengewerbes (VGT) Nord-Ost, gesagt.
Die Tankstellenpächter könnten nichts für die Preisentwicklung. Die Preishoheit liege bei den Mineralölgesellschaften.
Zudem hätten die gestiegenen Preise auch Auswirkungen auf den Verkauf in den Tankstellenshops, sagte Rabl. Verärgerte Kunden würden nach dem Tanken nichts mehr kaufen. Dabei sei der Umsatz im Shop für die Tankstellenpächter wichtig: Er mache etwa 60 Prozent des Gesamtumsatzes aus, während auf Einnahmen durch den Verkauf von Benzin und Diesel lediglich etwa 20 Prozent des Gesamtumsatzes entfielen.
Auch dem Vorgehen der Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) steht Rabl skeptisch gegenüber: Die Prüfung durch das Kartellamt werde nichts ergeben, da die Preise bislang nicht so hoch seien, dass von gesetzeswidrigem Wucher gesprochen werden könne. Das Kartellamt sei in diesem Fall ein „zahnloser Tiger“.
Im „Spiegel“ wehrten sich die Konzerne gegen die Kritik. Es gebe neben dem höheren Rohölpreis noch weitere preistreibende Faktoren. „Entscheidend beim Einkauf von Kraftstoffen sind nicht die Ölpreisnotierungen, sondern die Produktpreise für Benzin und Diesel“, sagt ein Sprecher des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie. „Darin fließen aktuell ein höherer Rohölpreis, ein schwächerer Euro und höhere Tanker-Transportkosten ein.“
Der Dieselverkaufspreis in Rotterdam sei seit Ausbruch des Krieges um 26 Cent pro Liter gestiegen. Bei Benzin seien es plus 12 Cent. „Wir verstehen die Irritation bei Autofahrern und in Wirtschaft und Politik“, sagte der Sprecher weiter. Aber die höheren Preise seien aufgrund all dieser Faktoren gerechtfertigt.
Die Spritpreise in Deutschland sind infolge des Iran-Kriegs seit Ende Februar 2026 stark gestiegen. Der Dieselpreis überschritt am 4. März erstmals die Marke von zwei Euro pro Liter. Superbenzin der Sorte E10 verteuerte sich ebenfalls deutlich und kostete zeitweise knapp zwei Euro pro Liter.
dpa/jra
Source: welt.de