Die Welt ist verblüfft: Die Hamas verkündet Frieden in Gaza

Donald Trump hat eine Reise nach Ägypten angekündigt, um dabei zu sein, wenn eine Waffenruhe besiegelt wird. Er setzt damit den israelischen Premier Benjamin Netanjahu unter Druck, unwiderruflich für ein Ende der Kämpfe zu sorgen


Palästinenser feiern am 9. Oktober 2025 im Gazastreifen das neue Waffenstillstandsabkommen

Foto: Abdelrahman Rashad/Middle East Images/AFP/Getty Images


Am 9. Oktober 2025, kurz nach 21 Uhr, hat die Hamas den Gaza-Krieg für beendet erklärt. Schon, dass sie im ägyptischen Scharm El-Scheich dem von Donald Trump – in Kooperation mit den Golfstaaten und Ägypten – vorgelegten 20-Punkte-Friedensplan zugestimmt hat, galt als Überraschung.

Damit hat sie womöglich nicht nur die endgültige Zerstörung von Gaza-Stadt verhindert, sondern auch die politische Verantwortung für eine mögliche Fortsetzung des Krieges der israelischen Regierung zugeschoben. Diese hat die Bombardierungen zunächst einmal fortgesetzt. Und die Armeeführung versicherte noch am 9. Oktober, es werde an den Kriegszielen festgehalten.

Nicht durch Kampf, sondern Verhandlungen kommen die Geiseln frei

Dass Benjamin Netanjahus Kabinett nach langem Ringen am Morgen des 10. Oktober dem vorläufigen Ende der Militäreinsätze zustimmte, ist ganz offensichtlich auf den Druck zurückzuführen, den der US-Präsident ausgeübt hat. Ihm dürfte der israelische Luftangriff auf Katar am 9. September und das danach erfolgende enge militärstrategische Zusammenrücken der Golfregion endgültig klargemacht haben, dass die US-Hegemonie im Nahen Osten akut gefährdet ist. Trump will nach Ägypten fliegen, um dabei zu sein, wenn der Frieden besiegelt wird.

So werden nun womöglich nicht nur die ersten Punkte seines Friedensplans erfüllt. Falls sich die israelische Armee auf eine bestimmte Linie zurückziehen sollte, werden voraussichtlich am Montag oder Dienstag die überlebenden Geiseln dem Internationalen Roten Kreuz übergeben. Dass sie nicht – wie von Netanjahu immer wieder verkündet – im Kampf, sondern ausschließlich durch einen Verhandlungsprozess befreit wurden, stellt klar: Alle weiteren Fragen, die Israels Sicherheit als Staat und die seiner Bürger betreffen, sollten auch künftig nicht mit den alten Rezepten der Gewalt, sondern durch Diplomatie gelöst werden.

Auch die Haft in israelischen Gefängnissen kann die Hölle sein

Im Gegenzug für die Freilassung der von der Hamas festgehaltenen Geiseln wird Israel an die 2.000 Gefangene freigeben, von denen 1.750, die ohne Gerichtsverfahren festgehalten wurden, ebenfalls als Geiseln zu bezeichnen sind. Nicht nur Gefangenschaft in den Gaza-Tunneln wurde zur Hölle. Vielfach ist belegt, dass auch der Aufenthalt in israelischen Gefängnissen zu einer solchen werden kann.

Dass nicht nur das Foltern, sondern auch die Entwürdigung der Gefangenen dort zur Normalität gehört, zeigten kürzlich die empörenden Videoaufnahmen über einen Besuch des Ministers für innere Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, bei dem seit Jahrzehnten einsitzenden Mahmoud Bargouti. Er gilt den Palästinensern als die Persönlichkeit, die einen Friedensprozess leiten sollte.

Ben-Gvirs Auftritt bei Barghouti hatte keinen anderen Zweck, als den Gefangenen mit der Behauptung zu verhöhnen, dass die politischen Ziele der Palästinenser für immer und ewig verloren seien. Ob der gesundheitlich stark geschwächt wirkende Barghouti zu denen gehören wird, die freikommen, ist offen.

An internationale Friedenstruppen könnte die Hamas ihre Waffen übergeben

Geklärt scheint aber, dass fortan die Lieferung von Lebensmitteln und medizinischen Gütern in den Gazastreifen wieder aufgenommen wird. Da sich Donald Trump die Lösung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern zu seiner persönlichen Aufgabe gemacht hat, setzt er sich selbst unter Zugzwang.

Es könnte sein, dass gemäß dem Friedensplan ein internationaler Militärverband mit Soldaten aus arabischen und anderen Ländern – wohl auch den USA – künftig das Wiederaufflammen von Kämpfen im Gazastreifen verhindern soll. Unter diesen Umständen wird auch das Niederlegen der Waffen durch die Hamas realistisch. Sie hat das selbst in Aussicht gestellt, aber betont, dass sie im Respekt vor den „Opfern unseres Volkes, die nicht umsonst sein werden“, ihrem „Versprechen treu bleiben und die nationalen Rechte unseres Volkes nicht aufgeben wird: das Erlangen von Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung“.