die USA sind Verärgert: Ziehen sich die Amerikaner aus Spanien zurück?

Die amerikanische Wut auf Spanien ist groß, in Washington ist von Strafmaßnahmen die Rede. Doch die amerikanischen Stützpunkte in Andalusien, die von einem möglichen Abzug betroffen sein könnten, wären nur schwer zu ersetzen. Das gilt besonders für das „Tor zum Mittelmeer“.
So nennen Amerikaner den Marinestützpunkt Rota bei Cádiz. Er liegt am Atlantik, kurz vor der Straße von Gibraltar. Nicht weit davon entfernt befindet sich in der Nähe von Sevilla der Luftwaffenstützpunkt Morón de la Frontera.
Seit vielen Jahrzehnten sind die Amerikaner auf den Basen präsent, die sie inzwischen zusammen mit den Spaniern betreiben. Ohne sie würde den USA ein wichtiger Zwischenstopp auf dem Weg von Nordamerika in den Nahen und Mittleren Osten fehlen. Auf der Route blieben dann nur die portugiesischen Azoren weit draußen im Atlantik.
Marokko als Alternative?
Nachdem Spanien US-Militärflugzeugen die Nutzung von Morón und des Luftraums verboten hatte, mussten die Maschinen nach Deutschland, ins Vereinigte Königreich und nach Frankreich ausweichen. Eine Alternative – vor allem für den Schiffsverkehr – könnte auf der anderen Seite der Straße von Gibraltar Marokko bieten. Unter Donald Trump sind die Beziehungen zu Marokko so eng wie selten zuvor. Doch das Königreich gehört nicht der NATO an, neue Stützpunkte müssten dort erst gebaut werden.
Bei einem möglichen Rückzug der Amerikaner aus Spanien könnte es eher den Luftwaffenstützpunkt Morón treffen, denn der Hafen Rota ist wichtiger. Dort sind zusammen mit rund 3000 Soldaten bereits fünf Lenkwaffenzerstörer stationiert. Das sechste Schiff soll in diesem Jahr eintreffen. Der Flughafen in der Nähe von Sevilla ist wichtiger Umschlagplatz für Logistik- und Tankflugzeuge, deren Einsatz Spanien im Irankrieg verboten hatte. In Morón sind derzeit nur gut 300 Amerikaner stationiert.
Ein amerikanischer Rückzug hätte für Spanien schmerzhafte wirtschaftliche und militärische Folgen. Laut Presseberichten wären bis zu 10.000 Familien in der Region betroffen. Die amerikanische Marine lässt ihre Schiffe in der Navantia-Werft in Cádiz reparieren. Zudem erhalten die US-Zerstörer das Aegis-Verteidigungssystem aufrecht, das auch die spanische Marine nutzt.
Vor einem Abzug wären Verhandlungen nötig
Ein sofortiger, einseitiger Abzug wäre rechtlich jedoch nicht möglich. Der Nutzungsvertrag verlängert sich automatisch jedes Jahr. Sollte die amerikanische Regierung am 21. Mai die Unterschrift für die reguläre Verlängerung verweigern, müsste Washington Verhandlungen mit Spanien aufnehmen, für die ein Zeitraum von zwölf Monaten vorgesehen ist. Ein möglicher Rückzug könnte dann ein weiteres Jahr dauern.
Aber der spanische Außenminister José Manuel Albares hat betont, das sei „derzeit kein Thema, das von beiden Seiten erwogen wird“. Er erinnerte daran, dass Spanien auch weiterhin seine Souveränität über die Stützpunkte ausüben werde. Deren Nutzung müsse gemäß der gemeinsamen Abkommen „stets im Einklang mit der UN-Charta erfolgen“, was bei der „einseitigen“ Aktion gegen Iran nicht der Fall gewesen sei.
Die amerikanischen Stützpunkte im Land und die NATO-Mitgliedschaft waren in Spanien von Anfang an umstritten. Sie halfen einst dem Diktator Francisco Franco, die internationale Isolation des Landes zu durchbrechen. 1953 unterzeichnete er die spanisch-amerikanischen „Pactos de Madrid“. Im Gegenzug für wirtschaftliche und militärische Unterstützung durften die USA in Spanien insgesamt vier Militärstützpunkte errichten.
In den Achtzigerjahren erklangen auf Großdemonstrationen Schlachtrufe wie „OTAN – no“ und „Bases fuera“ („Nein zur NATO“ und „Raus mit den Stützpunkten“); die spanische Linke ruft sie bis heute. Erst 1986 stimmten nach einem heftigen Streit in einer Volksabstimmung knapp 57 Prozent der Spanier für die Mitgliedschaft in der NATO, in der der sozialistische Regierungschef Pedro Sánchez sich als Pazifist und Trump-Gegner profilierte. Mit seiner Ablehnung des Fünfprozentziels hat er nicht nur Trump, sondern auch Partner wie Deutschland gegen sich aufgebracht.
Source: faz.net