„Die schlechteste Leistung eines Schiedsrichter-Teams, die ich je in jener Bundesliga erlebt habe“
Zum ersten Mal seit 25 Jahren kassiert der FC Bayern zwei Platzverweise in einem Spiel. Gegner Leverkusen genügt das trotz einer Führung nicht zum Sieg. Nach dem Spiel werden zahlreiche strittige Szenen diskutiert. Über allem steht der Unmut über den VAR.
Trotz großer Verärgerung blieb Vincent Kompany souverän. „Ich bin unglaublich stolz auf die mentale Leistung der Jungs. Es war viel los, viele wichtige Phasen, zu denen wir alle unterschiedliche Meinungen haben“, resümierte der Trainer des FC Bayern nach dem spektakulären 1:1 (0:1) seiner Mannschaft bei Bayer Leverkusen.
Gegen am Ende neun seiner Spieler war Leverkusen nicht über ein 1:1 hinausgekommen. Aleix García (6. Minute) erzielte die frühe Führung für die Werkself, Luis Díaz (69.) traf nach einem groben Fehlpass von Robert Andrich zum 1:1. Wegen einer Schwalbe sah der Torschütze der Bayern in der Schlussphase Gelb-Rot (84.). Zuvor hatte schon Nicolas Jackson (42.) wegen groben Foulspiels glatt Rot gesehen.
„Die Rote Karte kommt aus dem Nichts. Es war eine Rote Karte, keine Diskussion darüber. Aber schon Diskussion über viele andere Sachen. Am Ende bleibt Stolz und Unzufriedenheit über das, was gekommen ist. Die Rote Karte für Luis Diaz verstehe ich nicht“, so Kompany.
Auch Jonathan Tah richtete das Augenmerk nach seiner Rückkehr nach Leverkusen auf die mentale Stärke seiner Mannschaft, mit neun Spielern immerhin einen Punkt mitgenommen zu haben: „Man will immer gewinnen und drei Punkte holen, aber heute mussten wir wirklich mit schwierigen Situationen auf dem Platz umgehen. Da waren einige fragwürdige Dinge dabei, aber ich will da gar nicht so sehr drauf eingehen. Jeder einzelne wollte sich von diesen schwierigen Situationen nicht runterziehen lassen. Und das spricht sehr für den Charakter unserer Mannschaft. Das zeichnet uns aus.“
Ungleich emotionaler zeigte sich Bayern-Ehrenpräsident Uli Honeß. „Das ist die schlechteste Leistung eines Schiedsrichter-Teams, die ich je bei einem Bundesligaspiel erlebt habe“, kritisierte der 74-Jährige harsch.
Ärger auch um die Tore von Tah und Kane
Die Münchner haderten zudem mit drei Videobeweis-Urteilen: Erst wurde Tah (26.) das vermeintliche 1:1 wegen Handspiels aberkannt, dann musste Jackson für ein grobes Einsteigen im Mittelkreis gegen Martin Terrier vom Feld. Und nach der Pause wurde das Tor des eingewechselten Kane zurückgepfiffen, weil der Starstürmer zuvor den Befreiungsschlag von Bayer-Torwart Janis Blaswich an den Arm bekommen hatte. In der Nachspielzeit wurde auch Leverkusen ein Tor von Jonas Hofmann wegen Abseits aberkannt. Und auch Mazas vermeintliches 2:1, ebenfalls in der Nachspielzeit, zählte wegen eines Foulspiels an Ulreich nicht.
„Ich verstehe die Regel, aber der Ball geht an seinen Ellbogen“, kommentierte Kompany zum aberkannten Treffer: „Er kann seinen Arm gar nicht bewegen. Der Ball fällt auch vom Arm auf seinen Fuß, geht also nicht direkt rein. Das zurückgenommene Tor von Harry Kane verstehe ich auch nicht. Wir werden da unterschiedliche Meinungen haben, hundertprozentig.“ Tah pflichtete ihm bei: „Für mich ist es kein Handspiel. Er dreht sich weg, und der Arm ist nicht extrem weit weg vom Körper. Aber der Schiedsrichter hat so entschieden.“
Abonnieren Sie WELTMeister bei Spotify, Apple Podcasts oder direkt per RSS-Feed.
Kritik in der Sache, Schaum vor dem Mund war bei den Bayern jedoch nicht zu erkennen. Am Ende klang Kompany geradezu versöhnlich: „Mein Gefühl ist, dass es eine schlechte Leistung war von den Schiedsrichtern. Aber das ändert meinen Respekt vor den Schiedsrichtern nicht. Das kann passieren.“
Grundsätzlicher die Meinung über den VAR „Die Entscheidungen sind manchmal schon fragwürdig. Auch mit dem Video-Schiedsrichter ist es schwierig. Irgendwas ist immer. Bei klaren Entscheidungen kann man eingreifen, aber nicht bei Kleinigkeiten“, kritisierte Bayern-Torwart Sven Ulreich, der für den verletzten Manuel Neuer zwischen den Pfosten stand: „Es gibt keine klare Linie. Die müssen wir wieder finden.“
„Sky“-Experte Dietmar Hamann wurde noch deutlicher und nannte exemplarisch das zurückgenommene 2:1 Hofmanns, weil der Leverkusener hauchdünn im Abseits gestanden hatte: „Wollen wir so eine Situation? Ein aberkanntes Tor in der 93. Minute, weil das Schultereckgelenk im Abseits ist? Nachdem Kasper Hjulmand in Morurinho-Manier 50 Meter die Außenlinie zum Torschützen runtergesprintet ist? Der Videobeweis hat dem Fußball alle Emotionen genommen. Wir haben wenig bis nichts gewonnen und alles verloren.“
lwö/luwi
Source: welt.de