„Die Mehrheit ist da“ – AfD fordert schnelle Entlastung z. Hd. Autofahrer und sendet Signal an Christlich Demokratische Union

Die AfD attackiert die Bundesregierung wegen hoher Spritpreise – und fordert drastische Entlastungen für Autofahrer. Alice Weidel wirft Schwarz-Rot Untätigkeit vor und wirbt um eine Zusammenarbeit mit der Union.

Audioplayer wird geladen

Die AfD hat der schwarz-roten Bundesregierung mit Blick auf die hohen Kraftstoffpreise Untätigkeit vorgeworfen und die Union zur Zusammenarbeit bei möglichen Sofortmaßnahmen aufgerufen. Die Spritpreise gingen durch die Decke. „Was macht die Regierung? Sie schaut tatenlos zu“, sagte Partei- und Fraktionschefin Alice Weidel am Rande einer Klausurtagung der AfD-Bundestagsfraktion in Cottbus.

Sie forderte als Sofortmaßnahme die Senkung der Energiesteuer und eine Streichung der CO₂-Abgabe auf Kraftstoff. Die finanziellen Spielräume dafür will die AfD durch die Abschaffung von „unsinnigen Ausgaben“ schaffen. Detaillierte Angaben, wie die damit verbundenen Milliardenverluste für den Fiskus ausgeglichen werden sollen, machten die AfD-Fraktionsvorsitzenden nicht.

Co-Chef Tino Chrupalla kritisierte SPD-Pläne für eine sogenannte Übergewinnbesteuerung von Mineralölkonzernen und sagte: „Den Übergewinn nimmt aktuell der Staat ein.“ Das müsse der Finanzminister den Bürgern zurückgeben.

Lesen Sie auch

Bei ihrem Treffen beschlossen die AfD-Bundestagsabgeordneten Papiere zu den Themen Wirtschaft und Energie sowie Rente und Soziales und bekräftigten darin bekannte Positionen der Partei. So werden Steuersenkungen, höhere Steuerfreibeträge, ein Wiedereinstieg in die Atomkraft, eine Wiederaufnahme von Gaslieferungen aus Russland via der Nord-Stream-Leitung und eine Abschaffung der CO₂-Abgabe gefordert. Kurzfristig finanziert werden sollen Steuersenkungen etwa durch „Ausgabenkürzungen u. a. bei klimaideologischen Projekten im Haushalt“.

Weidel appellierte an die Union zur Zusammenarbeit bei Sofortmaßnahmen für Unternehmen und Verbraucher und sprach von einem Signal an die CDU, „dass wir jederzeit dazu bereit sind, diese Reformmaßnahmen im Deutschen Bundestag umzusetzen. Die Mehrheit ist da (…) Die CDU muss es nur tun.“

„Schwerste wirtschaftliche Krise seit Jahrzehnten“

„Deutschland befindet sich in der schwersten wirtschaftlichen Krise seit Jahrzehnten“, heißt es im Wirtschaftspapier. Ein zunehmend unsicheres geopolitisches Umfeld und weltweite Handelskonflikte setzten deutsche Unternehmen weiter unter Druck.

In einem auf der Klausurtagung beschlossenen Positionspapier heißt es, Deutschland habe „eine der höchsten Steuer- und Abgabenquoten weltweit“. Das hemme Konsum, Investitionen und Beschäftigung im Land. Die Fraktion fordert daher eine Anhebung des Grundfreibetrags, auf den keine Steuern gezahlt werden müssen, auf 15.000 Euro, derzeit liegt er bei gut 12.000 Euro. Außerdem will die AfD einen Kinderfreibetrag von 12.000 Euro einführen. Derzeit liegt dieser Betrag bei gut 9700 Euro für beide Eltern.

Lesen Sie auch

Im Bereich Soziales bleibt die AfD bei ihrer Forderung, dass auch Politiker in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen sollen. Die Regelaltersgrenze solle bei 67 Jahren festgeschrieben werden. Weidel räumte aber ein, dass dies nur möglich sei, wenn Beamte und Politiker mit in die Rente einzahlen – dies umzusetzen sei schwierig.

Das aktuelle Rentenniveau in Deutschland liegt bei 48 Prozent. Die AfD plädiert für ein Drei-Säulen-Modell aus gesetzlicher Rente, staatlich geförderter privater Vorsorge und betrieblicher Rente auf Wertpapierbasis. Am Ziel, ein Rentenniveau von 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens zu erreichen, wird festgehalten. Langfristig ist dies nach Weidels Einschätzung mit dem Drei-Säulen-Modell erreichbar.

Strittige Themen wie die Außenpolitik oder die Wehrpflicht wurden bei dem Treffen nicht offiziell behandelt. Auch zu den wochenlang diskutierten Vorwürfen wegen sogenannter Vetternwirtschaft waren keine Beschlüsse geplant. „Der Wähler erwartet von uns nicht, dass wir uns mit uns selbst beschäftigen in der jetzigen wirtschaftlichen Situation“, sagte Chrupalla und betonte den Team-Building-Charakter des Treffens. „Es war für uns auch wichtig, auch mal aus Berlin herauszukommen aus diesem Hamsterrad.“

Lesen Sie auch

Energiepolitisch fordert die AfD eine Rückkehr zur Kernkraft und ein Festhalten an den Energieträgern Kohle und Gas. Chrupalla sagte, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hätte die AfD an seiner Seite, wenn er die Kohlekraftwerke über das Jahr 2038 hinaus laufen lassen wolle.

dpa/coh

Source: welt.de