Die Dollar-Stärke, die förmlich gar keine ist

Hände halten ein Bündel mit Dollar-Geldscheinen.

Stand: 19.03.2026 • 09:03 Uhr

Zuletzt wurde viel über die Dollar-Schwäche berichtet, seine Rolle als sicherer Hafen infrage gestellt. Seit Ausbruch des Iran-Kriegs steigt der Dollar wieder. Warum?

In Krisen sind sogenannte sichere Häfen gefragt. Dazu gehören der japanische Yen, der Schweizer Franken, Gold, US-Staatsanleihen und der US-Dollar. Nicht alle dieser Klassiker sind derzeit aber so verlässlich wie gewohnt. Zuletzt hatte etwa der Dollar massiv an Wert verloren. Doch mit Kriegsbeginn im Iran steigt der US-Dollar plötzlich wieder – und macht damit zumindest einen Teil seiner Verluste des vergangenen Jahres wett.

Aktuell ist das nach Expertensicht jedoch weniger das Anlaufen eines sicheren Hafens; die USA profitieren vielmehr davon, dass sie selbst Öl exportieren können – zu hohen Preisen, sagt Stefan Kemper von der BNP Paribas: „Das heißt, auch potenzielle Wachstumsauswirkungen durch höhere Energiepreise sollten in den USA weniger stark durchschlagen. Das hilft dem US-Dollar ungemein.“ Die USA dürften also von einem potenziellen Energiepreisschock nicht so stark getroffen sein wie Japan oder Europa.

Öl wird auf dem Weltmarkt überwiegend in US-Dollar gehandelt

Die Welt-Leitwährung punktete außerdem als Anlaufstelle für den Handel mit Öl und Gas, sagt Michael Blumenroth, Rohstoff- und Devisen-Experte von Deutsche Bank Research. „Der US-Dollar profitiert davon, dass Öl am Weltmarkt in Dollar gehandelt wird. Also, wenn eine Firma Öl kauft, zahlt sie in Dollar dafür.“ Steigen also die Ölpreise, brauchen Unternehmen und Staaten entsprechend mehr Dollar, um diese Rohstoffe zu bezahlen.

Die Kehrseite der Medaille dieser hohen Energiepreise zeigt sich derzeit beim japanischen Yen. Er fällt, weil Japan dringend auf Energie aus Nahost angewiesen ist – was aus Sicht von Ökonom Kemper wirtschaftlich unliebsame Folgen hat. Das halte Anleger ab, Yen zu kaufen. „Das bedeutet, dass höhere Energiepreise dazu führen, dass das Handelsbilanz-Defizit weiter ansteigt und gleichzeitig die Inflation weiter ansteigt. Beides ist nicht gut für eine Währung.“

Yen-Schwäche treibt US-Dollar

Die Schwäche des sicheren Hafens Yen ist also zugleich ein Auftrieb für den Dollar. Doch nicht nur der Yen, auch das gut gelaufene Gold wird aktuell eher verkauft. Denn gerade Gold hat weitere Konkurrenz bekommen: den Anleihenmarkt, vornehmlich US-Anleihen. Wenn Anleger höhere Zinsen für vermeintlich sichere Staatsanleihen bekämen, kauften sie lieber diese statt Gold, das keine Zinsen bringe, sagt Michael Blumenroth von DB Research.

Er macht noch einen weiteren Grund aus, der dem Dollar zupass kommt: „Wenn eine Krise beginnt, ist die Tendenz an den Märkten erst einmal, so viel Liquidität wie möglich zu generieren, auch US-Dollar zu generieren, mit denen ich Lücken woanders stopfen kann, Energierohstoffe kaufen kann.“ Also setzen die Märkte auf einen starken Dollar. Trotz der wenig vorhersehbaren US-Politik, der hohen Verschuldung der USA, der Zölle – trotz all der Risiken, die die Währung im vergangenen Jahr belastet haben.

Starker Dollar schlecht für die Eurozone

Für Deutschland und den Euroraum wären die Folgen eines weiter steigenden Dollar gravierend, sagt Experte Blumenroth: „Wenn jetzt der Dollar weiter steigen würde, würden sich Energierohstoffe noch weiter verteuern. Bedeutet, wenn jetzt der Euro zum US-Dollar abwertet, steigt nicht nur der Ölpreis für uns, sondern durch den festeren Dollar-Kurs wird die Einfuhr von Öl sogar noch ein Stück teurer.“

Die Folge: wieder höhere Inflationsraten in Deutschland. Es zeigt sich also: Hier in Europa greifen neue Sorgen. Solange die Straße von Hormus gesperrt bleibt, dürfte der US-Dollar Rückenwind bekommen. Aktuell sehen viele Ökonomen den Anstieg zwar als vorübergehend an – doch das Risiko ist und bleibt: ein langer Krieg.

Source: tagesschau.de