Deutschland in jener Krise: Aschermittwoch im Industriemuseum

Im Licht der digitalen Glanztaten der internationalen Konkurrenz zeigt sich eine ziemliche Patina auf dem Qualitätsversprechen der deutschen Industrie. Als am Rosenmontag das Publikum auf den Karnevalssitzungen im seit Jahrzehnten gewohnten Takt schunkelte, führten im chinesischen Staatsfernsehen humanoide Roboter ein atemberaubendes Ballett auf.

Gefüttert mit reichlich Künstlicher Intelligenz, verfügen die Maschinen in Menschengestalt über annähernd so viel Rhythmus und Balance wie Profitänzer oder asiatische Kampfkünstler. Anlass für die bühnenwirksame technologische und kulturelle Machtdemonstration war Chinas Neujahrsnacht, die in diesem Jahr genau auf den Rosenmontag fiel. Das ließ unsere Büttenredner in ihren traditionellen Kostümen mit ihren abgedroschenen Pointen alt aussehen. Der Kontrast könnte kaum deutlicher sein.

Werke in China oder Indien stellen Hightech für Milliarden her

Kein Wunder, wenn man am Aschermittwoch das beunruhigende Gefühl hat, nach einer langen Party in einem Industriemuseum aufgewacht zu sein. Von diesem Kater sollten wir uns aber schleunigst erholen, denn schwarzmalen bringt nichts.

Fabriken, in denen Autos, Maschinen, Kleidung und andere nützliche und faszinierende Dinge entstehen, gelten als Kern des deutschen Wirtschaftsmodells. Noch, muss man allerdings sagen, denn was einst als made in Germany Kunden auf der ganzen Welt begeisterte, entsteht mittlerweile auch an vielen anderen Orten. Werke in China oder Indien stellen Hightech für Milliarden her. Asiens Aufsteiger beherrschen nicht nur moderne Elektronik, sondern auch klassische Industriekunst mit Stahl und Schrauben. Sie lassen den einstigen Champion Deutschland alt aussehen.

So darf es nicht bleiben. Unsere Wirtschaft braucht nicht weniger, sondern andere Arbeitsplätze, um den Wandel zu bewältigen. Auf die Schnelle wird uns kein Aufschwung aus der Krise helfen. Deshalb sollte jedes Unternehmen und jeder Arbeitnehmer mit dem Wandel bei sich selbst beginnen.