Deutsches Sparverhalten: Deutsche sparen möglichst wie zu investieren

Dass die Deutschen sparen, ist an sich keine schlechte Nachricht. Grund zur Sorge bereitet mehr, wie sie sparen: nämlich in Sichteinlagen – die sind bei den Sparkassen meist nur gering oder gar nicht verzinst. Was schon der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) in der vergangenen Woche berichtet hatte, bestätigte am Dienstag der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV): Die Sichteinlagen stiegen im vergangenen Jahr deutlich an. Knapp 48 Milliarden Euro mehr – ein Plus von sechs Prozent – deponierten die Deutschen in sogenannten Sichteinlagen an, also Giro- oder Tagesgeldkonten, auf denen das Ersparte täglich verfügbar ist, kumuliert sind das jetzt 845,1 Milliarden Euro. Gleichzeitig sanken die Spareinlagen der Kunden von 339 deutschen Sparkassen um rund sechs Prozent auf 181,5 Milliarden Euro. Die Einlagen in Termingelder, über die erst nach Ablauf einer Frist verfügt werden kann, etwa Festgeld, sank um 5,5 Prozent auf 101,6 Milliarden Euro.

„Wir können verstehen, dass Privatpersonen und Unternehmen gerade in unsicheren Zeiten liquide bleiben wollen“, sagte Sparkassenpräsident Ulrich Reuter. Für ihn ist die hohe Liquidität auch ein Zeichen „hoher Unsicherheit in der Bevölkerung in Einheit mit Konsumverzicht. „Wir empfinden die Höhe der Sichteinlagen aber als zu hoch“, sagte er auf der Jahrespressekonferenz des Sparkassenverbands. Diese Entwicklung gefällt ihm nicht, weil den Sparkassen so die Planungssicherheit fehle. Kunden können ihre Einlagen ja täglich abziehen. Zum anderen missfällt sie ihm, weil in Deutschland „erheblicher Investitionsbedarf“ bestehe. „Allein der gewerbliche Mittelstand parkt bei den Sparkassen Liquidität in einem Volumen von mehr als 200 Milliarden Euro. Hinzu kommen erhebliche Kreditspielräume.“

Während die öffentliche Hand für zwölf Jahre ein Sondervermögen von insgesamt 500 Milliarden Euro, also rund 43 Milliarden Euro pro Jahr, in die Hand nehme, um zusätzliche Investitionen zu erreichen, hätten allein die gewerblichen Sparkassenkunden als Liquidität fünfmal mehr auf den Konten, führte der Sparkassenpräsident aus. Und auch die bei privaten „Wertpapiersparern“ beliebten ETF’s sind für ihn nur bedingt eine Lösung: „Ein Kauf eines ETF auf den MSCI World kommt zu mehr als 70 Prozent amerikanischen Unternehmen zugute“, sagte Reuter.

Anders als die Genossenschaftsbanken konnten die Sparkassen nicht vom Hang der Deutschen zum kaum oder gar nicht verzinsten Tagesgeld profitieren. Der Zinsüberschuss der deutschen Sparkassen blieb 2025 mit knapp 30 Milliarden Euro fast auf Vorjahresniveau. Vor Steuern verbleibt ein Gewinn von 7,9 Milliarden Euro. Sowohl die Sparkassen als auch die Volksbanken bemühen sich derzeit mit der Entwicklung neuer Apps, den Deutschen den Aktienhandel schmackhaft zu machen. Die Sparkassen-App S-Neo soll dabei mit den Angeboten von Neo-Brokern wie Trade Republic „absolut wettbewerbsfähig“ sein. Gehandelt werden können 21.000 unterschiedliche Wertpapiere. Spätestens zum Beginn kommenden Jahres soll die App dann auch Nicht-Kunden der Sparkassen offenstehen.

Source: faz.net