Deutscher Journalisten-Verband: BBC soll nicht vor Trump einknicken

Das BBC Broadcasting House in London, Großbritannien.

Stand: 13.11.2025 17:48 Uhr

US-Präsident Trump droht der BBC wegen eines Fehlers in einer Reportage mit einer Milliardenklage. Der Deutsche Journalisten-Verband wirft Trump „Autokratenmanier“ vor und fürchtet Konsequenzen für alle Journalisten weltweit.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat die öffentlich-rechtliche britische Rundfunkanstalt BBC dazu aufgefordert, nach der Kritik an einer Dokumentation über Donald Trump nicht vor dem US-Präsidenten einzuknicken.

„Wenn Fehler in der Berichterstattung begangen wurden, sind sie zu korrigieren“, erklärte der DJV- Bundesvorsitzender Mika Beuster. Die BBC habe diese eingeräumt. „Außerdem haben zwei Senderverantwortliche ihren Hut genommen. Damit muss es gut sein“, fügte er hinzu.

BBC-Präsident bat öffentlich um Entschuldigung

Hintergrund der aktuellen Debatte ist die Dokumentation „Trump: Eine zweite Chance?“. Sie war eine Woche vor der US-Präsidentschaftswahl am 5. November 2024 ausgestrahlt worden. In dem umfangreichen Beitrag für die BBC-Sendung „Panorama“ waren ein einer Stelle Ausschnitte aus Trumps Rede vom 6. Januar 2021 zusammengeschnitten worden. Durch die Montage konnte der Eindruck entstehen, Trump habe seine Anhänger direkt zum Sturm auf den Sitz des US-Kongresses aufgerufen.

BBC-Generaldirektor Tim Davie und Nachrichtenchefin Deborah Turness erklärten nach Kritik an der Bearbeitung der Trump-Rede ihren Rücktritt. BBC-Präsident Samir Shah räumte eine „Fehleinschätzung“ des Senders ein und bat öffentlich um Entschuldigung.

Trump droht dennoch damit, die britische Rundfunkanstalt zu verklagen. Laut der Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, hat ein externer Rechtsberater Trumps inzwischen die Klage eingereicht.

Trump fordere „totale Unterwerfung“

Der DJV-Vorsitzende kritisierte, dass ein „vergleichsweise kleiner handwerklicher Fehler (…) zum Popanz aufgebauscht“ werde. Trump diffamiere die BBC-Journalisten als korrupt und verlange von der BBC, „eine vollständige und faire Richtigstellung der Doku zu veröffentlichen“, sich bei ihm „für die falschen, verleumderischen, herabsetzenden, irreführenden und hetzerischen Aussagen“ zu entschuldigen und ihn „angemessen für den entstandenen Schaden zu entschädigen“.

Damit fordere der US-Präsident eine „totale Unterwerfung nach Autokratenmanier“, erklärte Beuster. Im Interesse der Journalisten des Senders dürfe sich die BBC von Trumps Drohung mit einer Milliardenklage – Trump sprach von mindestens einer Milliarde US-Dollar (umgerechnet 860 Millionen Euro) – nicht einschüchtern lassen. Andernfalls befürchtet der DJV Konsequenzen für alle kritischen und unabhängigen Medien und deren Berichterstattung über Trump weltweit.

Trumps geht verstärkt gegen Medien vor

Die US-Regierung geht seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit im Januar verstärkt gegen kritischen oder unliebsamen Journalismus vor. Einzelne Journalisten wurden von Pressekonferenzen ausgeschlossen, etwa von der Nachrichtenagentur AP wegen deren Weigerung, den Golf von Mexiko als – wie von Trump gewünscht – „Golf von Amerika“ zu bezeichnen.

Trump verklagte außerdem Medienhäuser wie das Wall Street Journal und die New York Times, schloss den Sender Voice of America und strich Gelder für das National Public Radio (NPR).

Source: tagesschau.de