Deutsche Winzer: Weinernte fällt unerwartet schwach aus

Handlese von Chardonnay Weintrauben in der Pfalz.

Stand: 15.10.2025 08:57 Uhr

Dieses Jahr ernten die deutschen Weinbaubetriebe deutlich weniger Trauben als gedacht. Laut dem Deutschen Weininstitut liegt das vor allem am kräftigen Regen im September. Die Qualität sei aber vielversprechend.

Extrem frühe Lese und kräftige Niederschläge im September: Der Ertrag bei der diesjährigen Lese liegt nach Einschätzung des Deutschen Weininstituts (DWI) im rheinhessischen Bodenheim rund zehn Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Das ist weniger als zu Beginn der Weinernte angenommen.

Insgesamt rechnet das DWI mit weniger als acht Millionen Hektolitern Weinmost, was etwa so viel wie wäre im vergangenen Jahr. 2024 waren es 7,8 Millionen Hektoliter. Der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre liegt bei 8,7 Millionen Hektolitern. Ein Hektoliter entspricht grob 133 Weinflaschen.

„Es musste sehr schnell gehen“

„Durch die sehr frühe Lese war die Saftausbeute nicht so hoch und die Beeren blieben insgesamt etwas kleiner“, sagte DWI-Sprecher Ernst Büscher. „Als dann Mitte September der Regen mit teilweise 100 Litern pro Quadratmeter kam, musste es sehr schnell gehen und bei der Lese viele Trauben aussortiert werden.“ Die Qualität des Jahrgangs sei aber allgemein sehr gut und vielversprechend.

Das Statistische Bundesamt (Destatis) war kürzlich auf der Basis von Schätzungen für dieses Jahr noch von rund 8,2 Millionen Hektorliter Weinmost ausgegangen – das wären fünf Prozent mehr als im Vorjahr. „Nach der schwachen Weinmosternte im Vorjahr kann ein Teil der Weinbaubetriebe in Deutschland in 2025 mit einer besseren Ernte rechnen“, so die Behörde.

Die deutsche Weinernte war im vergangenen aufgrund der schlechten Wetterbedingungen, unter anderem durch Spätfröste und hohe Niederschläge, besonders niedrig ausgefallen. Sie lag zwölf Prozent unter dem sechsjährigen Durchschnitt. Insgesamt bot die diesjährige Witterung bessere Bedingungen für den Weinbau.

Großer Teil der Trauben aus Rheinhessen und Pfalz

Wie bereits in den Vorjahren entfällt nach Destatis-Angaben mehr als die Hälfte der erwarteten gesamten deutschen Weinernte auf die größten Weinanbaugebiete Rheinhessen (2,2 Millionen Hektoliter) und Pfalz (2,0 Millionen Hektoliter). Ein weiteres Viertel verteilt sich auf Baden (1,2 Millionen Hektoliter) und Württemberg (911.000 Hektoliter).

Von der gesamten Weinerntemenge 2025 werden laut den Schätzungen 5,7 Millionen Hektoliter (69 Prozent) auf Weißmost und 2,6 Millionen Hektoliter (31 Prozent) auf Rotmost entfallen. Fast ausschließlich Weißmost wird insbesondere in den Anbaugebieten Mosel, Rheingau und Franken erzeugt.

Weltweit so wenig Wein wie seit 60 Jahren nicht mehr

Die globale Weinernte ist indes im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit über 60 Jahren gesunken. Die Erzeugung sank laut der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) auf 225,8 Millionen Hektoliter. Vor allem die Folgen des Klimawandels erschweren die Arbeit der Weinbauern. Als extreme Wettereinflüsse nannte die OIV im Frühjahr unter anderem Starkregen, Hagel, späten Frost im Frühjahr, Trockenperioden und in der Folge dieser Witterung auch Schädlingsbefall.

Neben dem Klimawandel hätten sich aber auch die wirtschaftliche Lage und ein sinkender Konsum, auf den die Winzer sich einstellten, negativ auf die Weinerzeugung ausgewirkt. Der weltweite Weinkonsum 2024 wird auf 214,2 Millionen Hektoliter geschätzt, was im Vorjahresvergleich einen Rückgang um 3,3 Prozent bedeutet – die niedrigste Menge seit 1961.

Source: tagesschau.de