Deutsche Bank: Geldwäsche-Ermittlungen überschatten Erfolgsbilanz

Christian Sewing

Stand: 29.01.2026 15:25 Uhr

Bei der Deutschen Bank läuft das Geschäft, die Gewinne fallen so gut aus wie lange nicht. Wären da nicht die aktuellen Geldwäsche-Ermittlungen. Die Leitung der Bank bezieht Stellung.

Es mangelt es nicht an erfreulichen Nachrichten bei der Jahrespressekonferenz der Deutschen Bank in Frankfurt. Schließlich hat die Bank im vergangenen Jahr unter dem Strich rund 6,1 Milliarden Euro erzielt, während es im Jahr davor nur 2,7 Milliarden Euro waren. Im Jahresvergleich konnte das Finanzinstitut seinen Gewinn also mehr als verdoppeln. Es ist das beste Ergebnis seit fast zwanzig Jahren.

„Damit haben wir 2025 alle angestrebten Meilensteine erreicht oder übertroffen“, sagt Bankenchef Christian Sewing und wirkt dabei sichtlich stolz: „Wir haben ein starkes Fundament gelegt für das, was vor uns liegt.“ Denn die Bank will laut Sewing profitabler werden, langfristig sogar ein europäischer Champion.

Den Aktionären winkt eine höhere Dividende

Schon im vergangenen Jahr konnte das Kreditinstitut mit 32 Milliarden Euro seinen Umsatz steigern. Wichtigste Geschäftssparte blieb das Investmentbanking. „Dort haben wir untermauert, dass wir im Geschäft mit Anleihen und Währungen absolut Weltklasse sind“, so Sewing. Auf der anderen Seite hat die Bank gespart, etwa indem sie Stellen gestrichen und Filialen geschlossen hat.

An ihrem guten Ergebnis will die Bank ihre Aktionäre beteiligen. Für das abgelaufene Jahr schlägt der Bankenchef eine Dividende von einem Euro je Aktie vor. Dagegen waren es im Vorjahr noch 68 Cent. So scheint grundsätzlich alles im Sinne des Konzernchefs zu laufen. Trotzdem ist die Pressekonferenz für ihn offensichtlich alles andere als ein Routinetermin.

Haben Bankmitarbeiter womöglich getrödelt?

Gleich zu Beginn seiner Rede weicht Sewing von seinem ursprünglichen Text ab und geht auf die laufenden Geldwäsche-Ermittlungen ein. Es gehe dabei um Vorgänge aus den Jahren 2013 bis 2018, sagt der Bankenchef. Ausgangspunkt sei eine vorgeblich zu spät abgegebene Geldwäscheverdachtsanzeige. Auf dieser Basis prüfe die Staatsanwaltschaft, ob es Anhaltspunkte für mögliche Geldwäsche gebe.

Wie so oft bei solchen Ermittlungen heißt es auch dieses Mal von der davon betroffenen Bank, sie arbeite vollumfänglich mit den Justizbehörden zusammen. Darüber hinaus will sich Sewing zu dem Thema nicht äußern und blockt die zahlreichen Fragen der Journalisten im Anschluss ab.

Geldwäsche-Ermittlungen gegen Mitarbeiter der Bank

Gestern hatte das Bundeskriminalamt die Bank durchsucht, ihre Zentrale in Frankfurt und ein weiteres Bankgebäude in Berlin. Im Zuge dieser Durchsuchungen sagte der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt Dominik Mies: „Die Deutsche Bank unterhielt in der Vergangenheit Geschäftsbeziehungen zu ausländischen Gesellschaften, die wiederum im Verdacht stehen, selbst zum Zwecke der Geldwäsche eingesetzt worden zu sein.“ Man ermittele gegen Verantwortliche und Mitarbeiter der Bank. Ob diese dort noch beschäftigt sind oder nicht, blieb dabei offen.

Laut Staatsanwaltschaft dauern die Durchsuchungen bis heute formell an. Wie aus Finanzkreisen zu hören ist, soll es einen Zusammenhang geben mit einem russischen Oligarchen, der mittlerweile auf der Sanktionsliste der Europäischen Union steht. Auch dazu von Bankenchef Sewing kein Kommentar.

Nicht die erste Razzia bei der Deutschen Bank

Führungsriege zeigt sich entspannt. In der Vergangenheit hatte die Bank bereits Probleme im Zusammenhang mit Geldwäsche. Weil die Finanzaufsicht BaFin mit den internen Kontrollen der Bank unzufrieden war, schickte sie zwischenzeitlich einen Sonderbeauftragten. Dazu gab es schon mehrere Razzien bei der Bank, etwa 2018. Auch damals war es um den Verdacht der Geldwäsche gegangen.

Auf mögliche bevorstehende Rechtsstreitigkeiten und Kosten angesprochen, zeigt sich der scheidende Finanzvorstand der Bank, James von Moltke, zuversichtlich. So etwas lasse sich zwar schwer vorhersagen, aber bestimmt werde es nicht so dramatisch wie in früheren Jahren. Ähnlich optimistisch äußerte sich Konzernchef Sewing. Die Bank arbeite Vergangenes auf und blicke konsequent nach vorne.

Filialschließungen verärgern Bankkunden

Den bisherigen Sparkurs will das Geldhaus fortsetzen. So sollen etwa von den 750 Standorten, die die Deutsche Bank zusammen mit ihrer Tochter Postbank betreibt, bis Ende dieses Jahres weitere 100 wegfallen. Dicht gemacht wurde diesen Monat eine Bankfiliale in Oberursel, die davon betroffenen Kunden sollen laut Bank ein paar Kilometer weiter in die nächste Filiale nach Bad Homburg kommen. Dadurch sind viele von ihnen verärgert. Dazu zählt Martina Ahrendt: Für eine Beratung bei der Bank müsse sie künftig eine lange Busreise in Kauf nehmen, das sei für sie beschwerlich.

So wie hier würden viele Banken seit Jahren Zweigstellen schließen, sagt Florian Heider, wissenschaftlicher Direktor am Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung Safe in Frankfurt: „Der Trend zu weniger Filialen wird sich fortsetzen.“ Die Digitalisierung ermögliche zwar einen Kundenkontakt ohne klassische Beratung, was für die Banken oft rentabler sei. Aber gerade bei komplexen Entscheidungen sei der persönliche Kontakt eben doch wichtig.

Stattdessen setzt die Deutsche Bank stärker auf Künstliche Intelligenz und einen neuen digitalen Bank-Assistenten. Der solle Kunden einfache Fragen beantworten und sie langfristig bei Bankgeschäften unterstützen. Angesichts der zahlreichen IT-Probleme im Konzern in den vergangenen Jahren, vor allem bei der Tochter Postbank, sind viele Bankkunden allerdings skeptisch.

Source: tagesschau.de