Deutsche Bahn: Tödliche Faustschläge im RE4131

Serkan C. machte nur seinen Job. Am Montagabend war der Zugbegleiter im Regionalexpress RE4131 unterwegs. Als der Zug den Bahnhof Landstuhl im Kreis Kaiserslautern verließ, traf der 36-Jährige auf einen Fahrgast ohne Fahrschein. 

Gegen 17.45 Uhr forderte Serkan C. ihn auf, den Zug zu verlassen. Da schlug der Mann mehrfach stark auf seinen Kopf. 

Serkan C. musste „aufgrund des Angriffes vor Ort reanimiert werden und kam nachfolgend schwer verletzt in ein Krankenhaus“. So steht es in einem internen Bericht der Deutschen Bahn (DB). Er liegt der ZEIT vor.

Am Mittwochmorgen starb der Zugbegleiter im Krankenhaus an einer Hirnblutung, teilte die Staatsanwaltschaft mit. 

Schweigeminute in Bahnhöfen und Zügen

„Heute ist ein schwarzer Tag für alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner im Land“, schrieb Bahnchefin Evelyn Palla auf LinkedIn. Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sagte: „Es ist furchtbar, dass ein Kundenbetreuer bei der normalen Ausübung seiner Arbeit ums Leben kommt – getötet durch rohe und ⁠sinnlose Gewalt.“

Am Mittwoch um 15 Uhr ging der Verkehrsminister zu einer Schweigeminute im Berliner Hauptbahnhof. Zu diesem bundesweiten Moment des Innehaltens an allen Bahnhöfen und in allen Zügen hatte die Eisenbahngewerkschaft EVG aufgerufen. „Wir trauern um Serkan“ stand auf schwarzen Schildern, die Mitarbeiter der Bahn in der Hand hielten. 

In die Trauer mischen sich einige Fragen: Wie konnte es zu diesem Gewaltausbruch kommen? Und was muss passieren, damit so etwas in Zukunft nicht mehr passiert?

Videoaufnahme zeigt die Tat

Von dem tödlichen Angriff im Regionalexpress gibt es Videoaufnahmen der Überwachungskamera im Zug. Mit dem Fall vertraute Personen haben der ZEIT gesagt, was darauf zu sehen ist. Demnach habe Serkan C. einen auf einem Viererplatz sitzenden Fahrgast kontrolliert. Der Mann habe kein Ticket gehabt. Daraufhin habe C. ihm ein Bußgeld ausstellen wollen und ihn darauf hingewiesen, dass er den Zug verlassen müsse.  

Plötzlich habe der Mann mehrmals hart auf C.s Kopf geschlagen, dieser sei nach wenigen Schlägen zusammengesackt. Als der Zugbegleiter auf dem Boden lag, habe der Täter mindestens ein weiteres Mal dessen Schläfe getroffen.  

Ein Bundeswehrsoldat, der als Fahrgast im Zug saß, habe C. dann in die stabile Seitenlage gebracht. Über eine Sprechanlage im Zug hätten Fahrgäste die Polizei gerufen. Die Beamten trafen etwa zehn Minuten später am Hauptbahnhof Homburg (Saar) ein. Dort wurde der Tatverdächtige festgenommen.

Haftbefehl gegen Schläger

Serkan C. wurde von den Polizisten reanimiert und dann ins Homburger Universitätsklinikum transportiert, wo die Ärzte vergeblich um sein Leben kämpften. Seit 15 Jahren arbeitete er für die Deutsche Bahn. Er war Vater von zwei Kindern.  

Über den Täter ist bislang wenig bekannt. Laut der Staatsanwaltschaft Zweibrücken ist er 26 Jahre alt, Grieche und hat nach eigenen Angaben einen Wohnsitz in Luxemburg. Bislang sei er in Deutschland nicht straffällig geworden. Nach den tödlichen Faustschlägen wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen.