Deutsch-Polnische Stiftung: CSU-Mann Thalhammer verzichtet gen Kandidatur pro Vorsitz

Tobias Thalhammer, bayerischer CSU-Lokalpolitiker, Schlagersänger und Dozent für Volks- und Betriebswirtschaftslehre, steht nicht mehr für den Vorstandsvorsitz der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung zur Verfügung. Der 46 Jahre alte Kandidat des von Dorothee Bär (CSU) geführten Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) erklärte „aus persönlichen Gründen“ seinen Rückzug von der Kandidatur.

Er habe den Eindruck gewinnen müssen, „dass die jüngst gegen meine Person geäußerten Vorbehalte – die ich als unfair und persönlich verletzend empfinde – die Konzentration auf die eigentliche Aufgabe und damit auch das deutsch-polnische Verhältnis hätten beeinträchtigen können“. Thalhammer ist über seine polnische Lebensgefährtin und durch seine Musik mit Polen verbunden.

In der Vorwoche war erhebliche Kritik an der Personalie der von Deutschland, Polen und dem Land Brandenburg getragenen Stiftung laut geworden. So bezweifelten sowohl deutsche als auch polnische Kuratoriumsmitglieder der Stiftung, die seit 2009 deutsch-polnische Tandem­forschung auf dem Gebiet der Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Nachwuchswissenschaftler fördert, dass Thalhammer, der früher bei der FDP und zeitweise parlamentarischer Geschäftsführer von deren Landtagsfraktion war, die nötige Qualifikation für das fordernde Ehrenamt mitbringe.

Bisheriger Vorstand will weitermachen

Darüber hinaus wurden Vorwürfe laut, wonach Thalhammer, der 2018 zur CSU gewechselt war, lediglich seines Parteibuchs wegen für das Amt nominiert worden war. Zudem hatte sich der bisherige Vorstand unter Vorsitz der FDP-Politikerin Cornelia Pieper, die elf Jahre als Generalkonsulin in Danzig tätig war, und dem pol­nischen Historiker Jan Rydel bereit erklärt, die Stiftung weitere drei Jahre zu leiten. Schließlich hatten sowohl Polen als auch das Land Brandenburg ein Veto gegen Thalhammer eingelegt.

„Ich kenne die Argumente, die aus Sicht des BMFTR gegen die weitere Tätigkeit von Frau Pieper für die Stiftung sprechen, nicht“, sagte der Staatssekretär des brandenburgischen Wissenschaftsministeriums, Tobias Dünow, der F.A.Z., der sich für eine Beibehaltung des bisherigen Vorstands aussprach.

Auch die langjäh­rige Vorstandsvorsitzende und heutige Ehrenvorsitzende der Stiftung, Rita Süssmuth, sprach sich für eine weitere Amtszeit des bisherigen Vorstands aus. In einem Brief an Ministerin Bär schrieb die frühere Bundestagsprä­sidentin: „Ich möchte darum bitten, die Arbeitsfähigkeit der Stiftung auf diesem hohen Niveau auch weiterhin zu gewährleisten. Nach Berücksich­tigung der verschiedenen Optionen und Möglichkeiten sind wir zu dem Schluss gekommen, dass der jetzige Vorstand in der nächsten Wahlperiode seine Arbeit fortsetzen sollte.“

Zudem kündigten mehrere deutsche Vertreter im Kuratorium an, auf der Kuratoriumssitzung an diesem Montag für die Wiederberufung des bisherigen Vorstands zu stimmen. Der könnte dann für weitere drei Jahre, zumindest aber bis zur nächsten Kuratoriumssitzung im Sommer kommenden Jahres im Amt bleiben.

Silke Launert (CSU), parlamen­tarische Staatssekretärin im Forschungsministerium, die Thalhammer ursprünglich vorgeschlagen hatte, schrieb in einer internen Mail: „Die öffentliche Berichterstattung und die im Nachgang bei uns im Haus eingegangenen Schreiben in dieser Woche haben gezeigt, dass eine der Sache dienende Vorstandstätigkeit un­seres Kandidaten zum Wohle der Stiftung und der deutsch-polnischen Verständigung nicht mehr möglich erscheint. Ich bedaure, dass ihm nicht die Gelegenheit einer persön­lichen Vorstellung geboten wurde.“

Source: faz.net