Design | Pantone-Farbe 2026: Wo kommen all die grauen Wolken her?
Die Trendfarbe des Jahres nennt sich Cloud Dancer (Wolkentänzer), ist aber letztlich nur stumpfes Weiß. Was das über die Welt in Zeiten des wachsenden globalen Faschismus aussagt
Die Farbe Cloud Dancer von Pantone ist nicht strahlend weiß, sondern stumpf und dreckig
Foto: Pantone
Geht es nach der Pantone-Farbe des Jahres, soll 2026 von einem Weißton namens Cloud Dancer geprägt werden, der sich durch eine „ausgewogene Balance aus kühlen und warmen Untertönen“ auszeichnet. So weit, so unaufregend.
Pantone ist ein Unternehmen mit eigenem Farblizenzierungssystem, das aufgrund seines teuren Abosystems und undurchsichtiger Lizenzstreitigkeiten mit Adobe schon oft in der Kritik stand. Die Marke hatte in den 2010er-Jahren noch ein ganz passables Image, als sich Designer*innen ganz bereitwillig Kaffeetassen mit ihrer liebsten Pantone-Farbe in die Küche stellten. Die Wahl des Weißtons scheint die logische Konsequenz eines Minimalismustrends zu sein – von beigefarbenen Kinderzimmern, grauen Autos und der sogenannten Clean-Girl-Ästhetik.
Nun kann man sich fragen, wie einflussreich diese Wahl ist. Ist Ihnen die Farbe 2025, Mocha Mousse – ein langweiliges Hellbraun –, aufgefallen? Auf Braun folgt jetzt Weiß. Dass sich die vermeintlich visionäre Trendforschungsabteilung des Unternehmens angesichts des aufstrebenden globalen Faschismus nicht über die politische Strahlkraft ihrer Wahl Gedanken machte, ist arg unglaubwürdig.
Gestalterische Kapitulation
Und Cloud Dancer ist ja auch nicht strahlend weiß, sondern etwas stumpf. So wie dieser spezielle Deckweiß-Grauton der neueren Autos. Gefühlt jeder VW‑Tyrann (Marke austauschbar) rollt mit seiner schwarzen Zahnspangenfront in der deprimierenden Farbe über deutsche Straßen. Die beliebtesten Autofarben 2025 sind übrigens in absteigender Reihenfolge: Grau, Schwarz und Weiß.
Das Ding mit dem Grau (und diesem scheinheiligen Wolkentänzerhellgrau) ist: Keiner liebt diese Farbe, aber niemand hasst sie so richtig. Übrig bleibt bloße gestalterische Kapitulation: Die Welt wird immer trostloser, und mit Grau bleibt man auf der vermeintlich sicheren Seite. Zeitlosigkeit, Wiederverkaufswert, demonstrative unanstößige Neutralität. Wie sang Blumfeld? „Die ganze Welt dreht sich im Kreis / Ich seh mich um und will nicht mehr.“