Der Westen macht sich in Afrika lächerlich

Frankreich zieht eine Einladung an Südafrika für den nächsten G-7-Gipfel zurück – offenbar auf Druck der USA. Der Vorgang schadet den Bemühungen des Westens, im Ringen um Einfluss in Afrika gegenüber China aufzuholen.

Die Verantwortlichen versuchten, ihren diplomatischen Affront als Alltäglichkeit herunterzuspielen. Eine angebliche Ausladung Südafrikas vom nächsten G-7-Gipfel im Juni auf Druck der USA habe es nicht gegeben, behauptete der Gastgeber Frankreich in Person eines Beraters von Präsident Emmanuel Macron. Und aus dem Weißen Haus hieß es, die G7-Länder hätten „kollektiv bestimmt“, dass Kenia als Gast die afrikanische Perspektive vertreten solle.

Aus Pretoria klingt das ganz anders. Dort teilte der Sprecher von Präsident Cyril Ramaphosa verstimmt mit, dass dieser im November persönlich beim G-20-Gipfel in Johannesburg von Macron zum Gipfel im Juni eingeladen worden sei. Dies sei dann auch, anders als von französischer Seite dargestellt, offiziell bekräftigt worden. Die Kehrtwende sei auf Druck der USA passiert, die mit einem Boykott des anstehenden G-7-Treffens gedroht hätten, so der Sprecher; das sei von französischer Seite so mitgeteilt worden. Bei derartigen Gipfeln bestimmte bislang in erster Linie der Gastgeber, wer zu dem Treffen der ökonomischen Schwergewichte der westlichen Staaten hinzustoßen darf.

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Bei drei der vergangenen vier G-7-Treffen gehörte Südafrika dazu, das mit Abstand wichtigste Land Afrikas, das bekanntlich immer wieder Zielscheibe von Verbalattacken durch Donald Trump wird. Stattdessen stößt nun erstmals Kenia dazu, das auf Bitten der USA zuletzt Hunderte Polizisten nach Haiti schickte und nebenbei enge Verbindungen zu Israel pflegt.

Allzu glaubwürdig klang es dementsprechend nicht, als die französische Seite zuletzt eilig betonte, man habe an anderer Stelle die USA ja aufgefordert, das G-20-Mitglied Südafrika doch zum Gipfel dieses Forums in Miami Ende des Jahres einzuladen. Die Ausladung eines G-20-Gründungsmitglieds sei „unakzeptabel“, ließ man einen Diplomaten mitteilen, anonymisiert und damit irgendwie verstohlen. Und wohl wissend, dass die Chancen dazu so gering sind, dass man es als Symbolik werten kann. Zumal die Arbeitsgruppentreffen der G20 längst begonnen haben.

Sicher, Südafrika hat sich mit seiner Außenpolitik, die sowohl dem Iran als auch Russland vergleichsweise wohlgesonnen ist, zuletzt nicht gerade als Gast der westlichen G-7-Staaten aufgedrängt. Doch die Genese der Ausladung bestätigt die weit verbreitete Wahrnehmung in Afrika, dass es sich bei den gebetsmühlenartig wiederholten Statements europäischer Politiker zu „Begegnungen auf Augenhöhe“ mit Afrika um wenig mehr als Lippenbekenntnisse handelt.

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Die großen Gesten der Einigkeit beim G-20-Gipfel in Johannesburg, als die teilnehmenden Präsidenten händchenhaltend ein Symbol gegen den Boykott durch die USA setzten, sind eben nur das: Gestik. Damals hatte der deutsche Botschafter in Pretoria, Andreas Peschke, als einziger europäischer Vertreter einer G-20-Nation sofort klar Stellung bezogen: „Südafrika wird am Verhandlungstisch benötigt“, schrieb er auf X. Immerhin äußerte sich im Anschluss Bundeskanzler Friedrich Merz ähnlich, anders als viele andere Regierungschefs. Von echtem Druck aber kann keine Rede sein.

Trumps Aversion gegen Südafrika war schon im November bekannt. Wenn Frankreich in dieser heiklen Situation eine Einladung an Südafrika ausspricht (sicherlich nicht ohne Absprache mit anderen G-7-Ländern), dann ist eine Rücknahme ein beispielloser Affront, der den Multilateralismus schwächt – und auch die Bemühungen des Westens, im geopolitischen Ringen um Einfluss in Afrika gegenüber China aufzuholen.

Source: welt.de