Der tückische Einfluss Teerstuhl Geheimnisse – und seine Folgen z. Hd. unser Denken

Jeder Mensch verbirgt im Durchschnitt deutlich mehr dunkle Geheimnisse als gedacht. Schweifen die Gedanken ständig dahin ab, führt dies zu belastenden Schuldgefühlen. Wie es gelingt, dem „Teufelskreis“ zu entkommen.

Haben Sie ein dunkles Geheimnis? Falls dem so ist, sind Sie nicht allein. Jeder Mensch verbirgt im Durchschnitt zehn belastende Geheimnisse. Bei manchen wird das ständige Grübeln darüber – auch als „Mind-wandering“ bezeichnet – sogar zur Last. Bei Betroffenen stellen sich beim Gedanken an die eigenen dunklen Geheimnisse immer wieder negative Gefühle wie Scham oder Schuld ein.

Das fand kürzlich die Wissenschaftlerin Valentina Bianchi heraus. Sie ist klinische Psychologin und an der Universität von Melbourne tätig. Für ihre Studie dokumentierten 240 Teilnehmer in einer 14-tägigen Tagebuchstudie ihre Geheimnisse. Im Schnitt hatte jeder Teilnehmer zehn dunkle Geheimnisse.

Die Forscher schauten, ob Menschen im Alltag spontan oder bewusst gedanklich zu ihren Geheimnissen abschweiften. Dann wählten die Teilnehmer aus, welches für sie das wichtigste oder größte Geheimnis ist. Aus welcher Kategorie die Geheimhaltungen stammten – Lüge, Sexualverhalten, Gesundheit oder Finanzen – spielte dabei keine Rolle.

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Alle Teilnehmer schrieben anschließend auf, welche Gefühle sie mit ihren Geheimnissen verbanden: Wie belastend, scham- oder schuldbesetzt wurden sie empfunden? Daraufhin analysierten die Forscher den Zusammenhang zwischen Grübeln über die Geheimnisse und den damit verbundenen Gefühlen. Die Teilnehmer berichteten, wenn ihre Geheimnisse spontan in ihren Gedanken auftauchten, waren diese von stärkeren negativen Gefühlen geprägt – sowohl unmittelbar als auch etwa zwei Stunden später.

Wie sich „Mind-wandering“ stoppen lässt

Bianchi und ihr Forschungsteam schreiben im Fazit der Studie: „Menschen denken im Alltag deutlich häufiger spontan an ihre Geheimnisse als absichtlich – und dieses unwillkürliche Abschweifen des Geistes ist der wichtigere Treiber ihrer emotionalen Belastung“. Die erhobenen Daten zeigten einen Teufelskreis: „Negative Gefühle machen spontane Gedanken an ein Geheimnis wahrscheinlicher, und genau diese spontanen Gedanken verstärken wiederum die negativen Gefühle und halten sie über Stunden aufrecht.“

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Unbewusstes Gedankenschweifen geschieht spontan und unterscheidet sich von bewusstem „Mind-wandering“, bei dem sich der Mensch absichtlich einem Gedanken widmet. Studien haben gezeigt, dass spontanes „mind wandering“ mit negativen Emotionen und einer schlechteren psychischen Gesundheit in Zusammenhang steht.

Die Autoren der Studie schreiben im Fazit: „Wenn Gedanken an Geheimnisse spontan in den Sinn kommen, handelt es sich meist um Sorgen oder Bedenken bezüglich des Geheimnisses, und wenn Menschen bewusst über ihre Geheimnisse nachdenken, dann meist, um zu träumen oder zu fantasieren.“

Um schlechte Gefühle, die durch spontane Gedanken an dunkle Geheimnisse hervorgerufen werden zu vermeiden, gibt es eine Strategie: Taucht der ungewollte Gedanke auf, solle man sich bewusst der aktuellen Tätigkeit oder einem neutralen Reiz, wie etwa der Atmung, widmen.

Source: welt.de