Der neue Gehaltskurs jener Bayern
Der FC Bayern droht, rote Zahlen zu schreiben. Doch das Sparen ist schwierig. Den Spielern geht es nicht nur ums Geld, sondern auch um die Hierarchie. Jeder will im Gehalts-Ranking auf- und nicht absteigen.
Nach dem 6:1-Hinspiel-Sieg bei Atalanta Bergamo konnten die Bosse des FC Bayern um den Vorstandschef Jan-Christian Dreesen und den Aufsichtsratsvorsitzenden Herbert Hainer schon beim anschließenden Bankett in der Villa Moroni nicht nur aus sportlicher Sicht aufatmen – und nach dem 4:1 (1:0) im Rückspiel in München vom Mittwochabend nunmehr endgültig.
Der Einzug ins Viertelfinale der Champions League bringt den Münchnern 12,5 Millionen Euro an Uefa-Prämien, der nächste Gegner der Bayern in der Königsklasse heißt Real Madrid. Das Hinspiel steigt am 7. April (21 Uhr) in Madrid, die entscheidende zweite Partie am 15. April (21 Uhr) in München. „Wir fürchten niemanden“, sagte Torjäger Harry Kane nach dem Einzug ins Viertelfinale.
Was der Führungsriege des Weltklubs indes Sorge bereitet: Weiterhin drücken die enormen Gehaltskosten der Mannschaft auf die Bilanz.
War es im vergangenen Jahr dem FC Bayern auch dank der Zusatzeinnahmen aus der Klub-WM möglich, erneut Gewinn zu schreiben (Jahresüberschuss 27,1 Millionen Euro), sollen diese Saison erstmals rote Zahlen drohen. Nach Informationen der „Sport Bild“ soll intern auch aus finanzieller Hinsicht beim FC Bayern das Champions-League-Halbfinale als Minimalziel ausgegeben worden sein. Der Sprung vom Viertelfinale ins Halbfinale garantiert weitere Mehreinnahmen von minimal 15 Millionen Euro.
Kane und Musiala gehören zur Gruppe der Spitzenverdiener
Während die Mannschaft von Vincent Kompany auf dem Rasen um Zusatzeinnahmen in dem Wettbewerb kämpft, soll Sportvorstand Max Eberl bei der vergangenen Sitzung im Februar vom Aufsichtsrat erneut den Auftrag bekommen haben, die Gehaltskosten zu senken. Das gestaltet sich alles andere als einfach. Neben Geld geht es den Spielern auch um Hierarchie.
Konrad Laimer kam bei seinem Wechsel 2023 von RB Leipzig ablösefrei. Für seine Unterschrift soll der Österreicher geschätzte fünf Millionen Euro an Signing Fee bekommen haben. Sein Grundgehalt soll anfangs angeblich bei rund sechs Millionen Euro gelegen haben, das sich dank Bonus-Zahlungen um bis zu drei Millionen hat steigern können. Durch Klauseln soll dieses Gehalt in den vergangenen Jahren zusätzlich angestiegen sein. Beim FC Bayern gehört Laimer mit diesen Bezügen aktuell zur Gruppe der „Normalverdiener“ beim FC Bayern. Nun möchte der Österreicher aber in der Gehalts-Hierarchie aufsteigen.
Beim FC Bayern sind die Spieler in vier Gehaltsstufen eingeteilt. Zu den Spitzenverdienern, die über 20 Millionen Euro verdienen, zählen Harry Kane und Jamal Musiala. Bei Kane sollen es geschätzte 25 Millionen Euro im Jahr sein, bei Musiala sogar noch mehr.
Zu den Großverdienern in Kategorie zwei, die bis zu 20 Millionen Euro verdienen, soll Dayot Upamecano mit seiner Vertragsverlängerung im Februar (bis 2030) vorgestoßen sein. In dieser Kategorie sollen sich inklusive Prämien auch Joshua Kimmich, Manuel Neuer und Alphonso Davies befinden.
Während Davies und Kimmich gerade erst neue Verträge unterschrieben haben, soll es den Bossen bei den anstehenden Gesprächen mit Neuer auch darum gehen, ihn zu einem Gehaltsverzicht zu bewegen. Während die Vertragsverlängerungen von Musiala, Davies und Upamecano teurer wurden, ist Eberl eine Gehaltsreduzierung zuletzt bei Serge Gnabry gelungen.
Gnabry soll zuvor mit einem geschätzten Gehalt von rund 18 Millionen Euro zu den Großverdienern gezählt haben. Genauso wie Leon Goretzka, der im Sommer von der Gehaltsliste gestrichen wird. Gnabrys neuer Vertrag stuft ihn bei den Gutverdienern (Gruppe drei) des Rekordmeisters ein. Dort findet sich der Nationalspieler neben weiteren Offensivspieler-Kollegen wieder.
Die Flügelspieler Michael Olise und Luis Díaz sollen beide auf einem vergleichbaren Gehaltsniveau liegen. Zusammen soll das Duo geschätzte 34 Millionen Euro verdienen können. Im Vergleich zu ihren Vorgängern spart der FC Bayern damit auf den Außenbahnen. Leroy Sané, der nicht zu einem Gehaltsverzicht bereit war, und Kingsley Coman, der zu Al-Nassr verkauft wurde, sollen zusammen rund 40 Millionen Euro im Jahr verdient haben. Was zudem positiv für den Wechsel auf den Flügeln spricht: Olise und Díaz sind aktuell nicht nur torgefährlicher als Sané/Coman, sondern auch weniger verletzt.
Große Unterschiede gibt es beim FC Bayern bei den sogenannten Normalverdienern. Während Laimer in einer guten Saison angeblich zweistellig verdienen können soll, bekommt ein Talent wie Lennart Karl geschätzte zwei Millionen Euro. Damit soll Karl mehr verdienen als Sven Ulreich, der auf über eine Million Euro kommen soll.
Mit Raphaël Guerreiro wird ein Normalverdiener in dieser Kategorie im Sommer aus der Gehaltsliste fallen. Der Portugiese, der 2023 ablösefrei von Borussia Dortmund kam, soll angeblich mit sechs Millionen Grundgehalt plus drei Millionen an Boni ähnlich viel verdienen wie Laimer. Im Gegensatz zum Österreicher soll Guerreiro dagegen keine Signing Fee erhalten haben.
Es soll bei Bayern ein zweites Festgeldkonto geben
Zudem soll Alexander Nübel, derzeit ausgeliehen an Stuttgart, verkauft werden. Der Torwart soll einen geschätzten Jahresverdienst von zehn Millionen Euro haben, von dem der VfB nur ein Drittel übernimmt. Die Bayern-Bosse hoffen, dass Tottenham die Kaufoption für João Palhinha zieht, genauso wie Galatasaray Istanbul für Sacha Boey.
Für das zentrale Mittelfeld sind aktuell keine Zugänge geplant, da auf Normalverdiener Tom Bischof gebaut wird. Allein für Kennet Eichhorn (16/Hertha BSC) würde eine Ausnahme gemacht, um sich das Talent für die Zukunft zu sichern. Statt Boey soll mit Givairo Read (19) von Rotterdam eine entwicklungsfähige Alternative verpflichtet werden. Gespräche zwischen Bayern und Feyenoord sollen aktuell aufgenommen werden.
Da Bayern nicht die Option bei Chelsea für Nicolas Jackson ziehen wird, fällt auch der Stürmer in Zukunft bei den Gehaltskosten weg.
Aufsichtsrat Uli Hoeneß hatte in der Vergangenheit verstärkt auf die Sparmaßnahmen mit dem Verweis gedrängt, dass von dem legendären Festgeldkonto des FC Bayern nicht mehr viel übrig sei. Was die Bayern-Bosse dennoch ruhig schlafen lassen dürfte.
Nach Informationen der „Sport Bild“ soll es ein zweites „Festgeldkonto“ geben, auf das der Klub notfalls zugreifen könnte. Demnach soll in der Stadion GmbH ein dreistelliger Millionenbetrag an liquiden Mitteln vorhanden sein.
Dieser Text wurde für das Sportkompetenzcenter (WELT/BILD/SPORTBILD) verfasst und erschien zuerst in BILD.
Source: welt.de