Der Kanzler in welcher „Arena“: Merz im Kulturkampf

Muss man die Worte eines Bundeskanzlers auf die Goldwaage legen? Ja, das ist durchaus angebracht, schließlich ist er Bundeskanzler. Aber dass sich eine Debatte wie die um das „Stadtbild“ mehr als einen Monat lang hingezogen hat, liegt wohl nicht daran, dass Merz’ Worte mal wieder auf der Goldwaage gelandet waren.
Es war nicht das erste Mal, dass Merz aneckte, und das tut er deshalb, weil sich ein dahingesagtes, undeutliches Bild wunderbar missinterpretieren lässt. Merz bereute nun, was er schon öfters bereuen musste, nämlich seine Worte nicht besser „interpretiert“ zu haben.
Wer ist schon gutwillig?
Hätte er es getan, es hätte ihm aber nicht viel geholfen – wer Übertreibung, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus hineininterpretieren will, tut es trotzdem und auch jetzt wieder, nach den Klarstellungen des Kanzlers.
Wer gutwillig sei, so Merz, der hätte längst verstehen können, was er meinte. Da hat er recht. Aber was heißt schon gutwillig? Wer Merz, wer CDU wählt? Wer „rechts“ ist? Wer bürgerlich denkt?
Es wird wohl eine Mischung sein, und ja, auch AfD-Wähler dürften dabei sein, versprengte Liberale und ehemalige SPD-Wähler. Wer zusammenzählt, muss zu dem Schluss kommen, dass es sich bei den Gutwilligen durchaus um eine gesellschaftliche Mehrheit handeln könnte.
Damit wäre man beim Kern der Skandalisierung: beim Kampf um diese Mehrheit, gerne auch „Kulturkampf“ genannt. Merz weicht ihm nicht aus. Sage niemand, er erfülle damit die Erwartungen nicht, die er geweckt habe.
Source: faz.net